Deutschland

Wegen Corona-Krise: Winterreifen müssen dieses Jahr länger am Auto bleiben

Von Oktober bis Ostern sollen die Winterreifen eigentlich am Auto bleiben. Dieses Jahr dürfte es deutlich länger werden.
01.04.2020 10:56
Lesezeit: 2 min
Wegen Corona-Krise: Winterreifen müssen dieses Jahr länger am Auto bleiben
Ein Mitarbeiter einer Autowerkstatt in Neuss (Nordrhein-Westfalen) montiert Winterreifen an ein Auto (Foto: dpa) Foto: Daniel Naupold

Von Christof Rührmair, dpa

Der für Millionen Autofahrer anstehende Wechsel von Winter- auf Sommerreifen wird dieses Jahr zur Herausforderung. “Die Kunden müssen sich auf längere Wartezeiten einstellen”, sagte Yorik M. Lowin, Geschäftsführer des Reifenfachhandelsverbands BRV, in Bonn. Die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie bremsten den Wechsel.

Zudem sei es in manchen Bundesländern, die wie Bayern stärkere Ausgangsbeschränkungen hätten, derzeit gar nicht erlaubt, wegen eines Reifenwechsels in die Autowerkstatt zu fahren. Auch das Gesundheitsministerium des Freistaats bestätigte: “Reifenwechsel stellen keine triftigen Gründe zum Verlassen der Wohnung dar.”

“Selbst wenn die Unternehmen offen haben, können sie nicht mit 100 Prozent plus x arbeiten”, sagte Lowin. Normalerweise sind die Wechselzeiten im Frühjahr und Herbst ausgesprochen hektische Zeiten beim Reifenhandel, in denen teilweise am Anschlag gearbeitet wird. Das ist laut Lowin jetzt nicht möglich - schon alleine, weil die Mitarbeiter auch in der Werkstatt Abstand halten müssten und man auch nicht so viele Kunden wie sonst gleichzeitig im Betrieb haben könne. Dass - wie sonst manchmal zu Stoßzeiten - 20 Menschen gleichzeitig warteten, sei derzeit nicht möglich. Zudem ließen manche Betriebe derzeit die Kunden ihre Autos selbst in die Werkstatthallen fahren, damit sich die Mitarbeiter nicht in die Fahrzeuge setzen müssten.

Auch Wilhelm Hülsdonk, Bundesinnungsmeister des Kfz-Handwerks, sagte: “Die Saison wird wegen der aktuellen Einschränkungen und unserer Bemühungen, die Kontakte mit den Kunden zu reduzieren, länger dauern.” Bisher kämen auch noch nicht so viele Kunden in die Werkstätten. “Aber ob ich diese Umsätze im April oder Juni mache, ist nicht so wichtig.” Da gebe es zur Zeit größere Probleme. “Insgesamt ist die aktuelle Situation für unsere Betriebe sehr belastend.”

Zusätzlich bremsend wirkt sich aus, dass manche Werkstätten derzeit gar nicht geöffnet haben. ATU aus Weiden zum Beispiel, mit 574 Filialen die größte unabhängige Werkstattkette Deutschlands, hat seit Mitte März den Großteil ihrer Betriebe vorübergehend geschlossen. Aktuell gebe es zehn Standorte, die eine Notfallversorgung böten, sagte ein Sprecher. Man arbeite daran, weitere zu öffnen.

ATU erwartet aber, dass sich die Reifenwechselsaison dieses Jahr ohnehin nach hinten verschiebt. “Wir gehen aktuell davon aus, dass ATU rechtzeitig zur diesjährigen Frühjahrsumbereifung wieder flächendeckend den Betrieb aufnehmen kann”, so der Sprecher. “Spezielle Maßnahmen für die Zeit nach den Covid-19 bedingten Betriebsunterbrechungen sind derzeit in Vorbereitung.”

Andere Ketten - wie beispielsweise Euromaster - haben dagegen geöffnet. Momentan beobachte man noch keinen riesigen Ansturm - auch wenn viele Menschen die alte Regel, die Winterreifen von Oktober bis Ostern zu fahren, durchaus ernst nähmen, sagte eine Sprecherin. Dass man selbst offen habe, liege auch daran, dass man Flottenkunden versorgen müsse.

Auf die Verkehrssicherheit hat die verzögerte Wechselsaison wohl keine dramatischen Auswirkungen - auch wenn Winterreifen bei hohen Temperaturen wegen ihrer auf Kälte eingestellten Gummimischung längere Bremswege haben. “Wenn Reifen schon stark heruntergefahren sind oder eine längere Reise ansteht, sollte man den Wechsel möglichst bald machen lassen”, sagte Hülsdonk vom Kfz-Handwerk. “Aber wenn das Auto im Moment ohnehin vor allem vor der Türe steht, kann man ruhig noch ein oder zwei Monate warten.”

Auch der ADAC sieht noch keinen Grund zur Hektik. Je deutlicher die Temperaturen in den zweistelligen Bereich kommen, desto kritischer wird es, sagte ein Sprecher des Autofahrerclubs. “Aber davon sind wir im Moment noch weit entfernt.” Zudem seien die Menschen derzeit vor allem morgens und abends unterwegs, wenn es kühler sei, sagte der Sprecher und rät: Man könne ja jetzt einfach schon einen Termin für das Monatsende vereinbaren.

Dass in der Krise deutlich mehr Menschen als sonst selbst zu Wagenheber und Drehmomentschlüssel greifen, um die Reifen zu wechseln, erwartet Lowin nicht. Angesichts von Techniken wie Reifendruckkontrollsystemen könne das nicht jeder. Zudem würden die Reifen auf den Autos immer größer, und damit schwerer selbst zu wechseln.

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