Deutschland

Corona-Krise bringt Plastik-Comeback und mehr Müll

Lesezeit: 2 min
08.06.2020 14:39  Aktualisiert: 08.06.2020 14:39
Mit den Hygieneregeln in der Corona-Krise wird auch wieder mehr Plastik genutzt - etwa als Schutzscheibe im Supermarkt oder Verpackung für Essen. Das macht sich auch beim Müll bemerkbar.
Corona-Krise bringt Plastik-Comeback und mehr Müll
In der Corona-Krise hat der Kunststoffmüll insgesamt zugenommen. (Foto: dpa)
Foto: Julian Stratenschulte

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Ob in Gesichtsmasken, Einmalhandschuhen oder als Verpackung für Essen to go - in der Corona-Krise scheint der Kunststoff ein Comeback zu haben. In der gelben Tonne von Privathaushalten landen seit März etwa zehn Prozent mehr Verpackungsabfälle, wie das in Köln ansässige Recyclingunternehmen Der Grüne Punkt mitteilt. Auch wenn im Gewerbebereich weniger Müll angefallen sei, habe der Kunststoffmüll damit insgesamt zugenommen. Für Frankfurt etwa verzeichnete die städtische Müllentsorgung FES in den Monaten März und April insgesamt 2608 Tonnen Verpackungsabfall - etwa elf Prozent mehr als in den Vorjahresmonaten.

Zuletzt gab es beim Verpackungsmüll von Privathaushalten eigentlich einen Abwärtstrend: Im Vergleich zu 2015 sank das Abfallaufkommen in diesem Bereich in den Jahren 2016 und 2017, wie aus der jüngsten Bilanz des Statistischen Bundesamtes hervorgeht.

Empfehlungen zur umweltfreundlichen Umsetzung der Corona-Regeln für Betriebe gibt es von Regierungsseite nicht, wie ein Sprecher des Umweltministeriums sagt. Die im Kreislaufwirtschaftsgesetz verankerte Abfallhierarchie gelte aber uneingeschränkt und unabhängig von der aktuellen Situation. Sprich: «Auf die Vermeidung von unnötigem Abfall ist zuvorderst zu achten». Gegenstände, die nur einmal oder für kurze Zeit benutzt werden, sollten nach Möglichkeit vermieden werden. «Wenn sie aber notwendig sind, ist Kunststoff oft das umweltverträglichste Material.» So sei eine Plastikfolie ressourcenschonender und energieeffizienter als eine Schutzscheibe aus Glas.

Für den Bereich der Gastronomie fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) aber deutlichere Vorgaben von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). Sie solle eine verbindliche Quote für wiederverwendbares Geschirr festlegen. «Mehrwegbecher und -Essensboxen aufgrund hygienischer Bedenken während der Corona-Pandemie pauschal abzulehnen, ist nicht nachvollziehbar», sagt Thomas Fischer, Leiter für Kreiswirtschaft bei der DUH. Die Corona-Krise dürfe nicht zur Müllkrise werden, heißt es von dem Verband.

Der Grüne Punkt verlangt zudem eine gezielte Förderung des Recycelns. «Der extrem niedrige Ölpreis und die Folgen der Corona-Pandemie gefährden massiv alle Erfolge und Bemühungen, Plastik zu recyceln und im Kreislauf zu führen», sagt Geschäftsführer Michael Wiener.

Auch die Grünen stellen sich hinter diese Forderungen. «Es ist eine verpasste Chance, dass die Förderung von Müllvermeidung, Kreislaufwirtschaft und Recycling im jüngsten Konjunkturpaket der Bundesregierung nicht vorkommen», kommentiert die umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Bettina Hoffmann, die steigenden Müllmengen. Den Bürgerinnen und Bürgern sei dies nicht vorzuwerfen. «Es ist aber fatal, dass die Bundesregierung bei dem Thema so passiv bleibt.»

Nicht nur der Plastik- und Verpackungsmüll steigt in der Corona-Krise. Auch beim privaten Bio-, Glas- und Restmüll hat die Frankfurter Müllentsorgung eine Zunahme festgestellt. Nach Darstellung des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) berichten mehrere Entsorger von einer Zunahme des Hausmülls allgemein, in der Hauptstadt stieg er etwa um acht Prozent.

Ob mit weiteren Lockerungsmaßnahmen das Müllaufkommen wieder zurückgeht, bleibt abzuwarten. Eine Sprecherin des VKU sagt: «Sollte es weiterhin eine größere Nachfrage nach (Plastik-) Einmalprodukten geben, steigen damit auch die Müllmengen.» Grundsätzlich würden in den Sommermonaten aber mehr Abfälle im öffentlichen Raum anfallen. Ein Anstieg in den kommenden Wochen wäre also nicht unbedingt auf die Corona-Krise zurückzuführen.

Auf das gesamte Jahr gesehen vermutet die Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft einen mäßigen Anstieg des Müllaufkommens in Privathaushalten wegen der Corona-Krise - und dafür bis zu zehn Prozent weniger Abfälle im Gewerbebereich. «Die Gründe für diese Verlagerung liegen auf der Hand», heißt es vom VKU. Viele Menschen seien zu Hause geblieben, Restaurants und Kantinen waren geschlossen.


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik Der betagte Präsident? Joe Bidens Zustand beim G7-Gipfel sorgt für Gesprächsstoff
15.06.2024

Das Alter von Joe Biden spielt eine zentrale Rolle im US-Präsidentschaftswahlkampf. Auch beim G7-Gipfel in Italien wird über seinen...

DWN
Politik
Politik Inflationsausgleichsprämie: Bis zu 3.000 Euro steuerfrei - wer bekommt sie tatsächlich?
15.06.2024

Seit dem 26. Oktober 2022 können Arbeitgeber ihren Beschäftigten steuer- und abgabenfrei einen Betrag bis zu 3.000 Euro gewähren. Das...

DWN
Politik
Politik Unser neues Magazin ist da: Das neue digitale Gesundheitswesen – Fluch oder Segen für Deutschland?
15.06.2024

Das deutsche Gesundheitssystem kriselt. Lauterbachs Krankenhausreform ist womöglich nicht der Ausweg, stattdessen könnte eine umfassende...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Deutsche Weinbauern reüssieren im Export - starke Nachfrage aus China 
15.06.2024

Deutschland ist berühmt für seine vorzüglichen Riesling-Weine. Das wird auch international anerkannt. Und es scheint so, als ob...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung bedrohen den ehrlichen Mittelstand: Welche Lösungen gibt es?
15.06.2024

Der Zoll geht aktuell deutschlandweit gegen Schwarzarbeit vor - und das ist dringend notwendig: Deutschen Unternehmen gehen jährlich 300...

DWN
Politik
Politik Deutsche Investitionen bedroht: Würth äußert sich besorgt über AfD-Erfolg
15.06.2024

Der Unternehmer Reinhold Würth äußerte Enttäuschung über das Abschneiden der AfD bei der Europawahl, insbesondere in Künzelsau, wo...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zahl der Unternehmensinsolvenzen steigt weiter - Hoffnung auf Trendwende schwindet
15.06.2024

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland steigt weiter an, ohne Anzeichen einer baldigen Trendwende. Experten prognostizieren...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Hauptquartier: Amerikaner übergeben Nato-Mission ausgerechnet Deutschland
14.06.2024

Die Nato plant, die internationalen Waffenlieferungen und Ausbildung der ukrainischen Streitkräfte zu koordinieren. Deutschland fällt...