Wirtschaft

Tesla-Chef fordert mehr Nickel für seine Autos - doch der Abbau zerstört die Natur

Elektroautos werden als umweltfreundliche Alternative zum herkömmlichen Auto verkauft und mit Steuergeld gefördert. Doch die saubere Luft in den westlichen Großstädten wird mit krassen Umweltschäden beim Nickelbergbau erkauft.
06.09.2020 16:47
Lesezeit: 2 min

Ende August wurde Tesla-Chef Elon Musk gefragt, welches die größten Hürden für den Hersteller von E-Autos sind. Seine Antwort: Nickel, das er auch als das neue Gold bezeichnete. Musk versprach einen "gigantischen Vertrag", falls ein Bergbauunternehmen zu niedrigen Kosten und mit minimaler Umweltbelastung Nickel für seine Batterien liefern kann.

Doch es dürfte schwierig werden, ein solches "effizientes und umweltschonendes" Bergbauunternehmen zu finden. Denn die Produktion ist in der Regel alles andere als umweltschonend. In Indonesien etwa, dem weltweit wichtigsten Standort für die Nickelproduktion planen Unternehmen derzeit, Millionen Tonnen Abfall ins Meer zu entsorgen.

Die Äußerungen des Tesla-Chefs zeigen die wachsende Besorgnis in der Elektroautoindustrie über die Lieferungen des Industriemetalls, das für die Erhöhung der Reichweite von Batterien für Elektroautos unerlässlich ist. Die Nachfrage nach Nickel, das auch in rostfreiem Stahl verwendet wird, dürfte sich bis 2030 versechsfachen.

Analysten zufolge werden neue Minen in Kanada und Australien in den nächsten zehn Jahren nur eine geringe Rolle spielen. Vielmehr wird das gesamte Wachstum des Nickelangebots aus Indonesien kommen. Doch dort planen von China unterstützte Projekte, Minenabfälle ins Meer zu entsorgen und einzigartige Korallenriffe und Schildkröten zu schädigen.

"Es könnte das gesamte Vorhaben untergraben, einem Verbraucher ein umweltfreundliches Produkt verkaufen zu wollen, wenn man diese Vorgeschichte hat", zitiert die Financial Times Steven Brown, ein in Jakarta ansässiger Berater und ehemaliger Angestellter des Nickelbergwerks Vale.

Das stellt ein Problem für Autohersteller wie Tesla und Volkswagen dar, die sich verpflichtet haben, die schädlichen Umweltauswirkungen ihrer Batterien zu verringern. "Irgendwann wird es so weit kommen, dass sie indonesisches Nickel nicht umgehen können", sagte Steven Brown.

Nickel ist das zweitteuerste Metall in einer Elektroautobatterie nach Kobalt und wird mit rund 15.000 Dollar pro Tonne gehandelt. Die Hersteller von Elektrofahrzeugen gehen zunehmend zu nickelreichen Technologien über, weil das Metall die Energiedichte der Batterie verbessert, sodass die Fahrzeuge mit einer Aufladung weiter fahren können.

Indonesiens Präsident Joko Widodo möchte von dieser steigenden Nachfrage profitieren und sein Land zum weltweiten Zentrum der Nickelverarbeitung und der Batterieproduktion machen. Um die heimische Verarbeitungsindustrie anzukurbeln, hat Indonesien im Januar den Export von rohem Nickelerz verboten.

Doch bei der Umwandlung von Gestein, das nur etwa 1 Prozent Nickel enthält, in eine für Batterien geeignete Form fallen große Mengen Abfall an. Wenn alle angekündigten Projekte in den Gebieten Nordmaluku und Zentralsulawesi in Produktion gehen, könnten laut Brown rund 50 Millionen Tonnen Abfall pro Jahr entstehen.

Die Harita-Gruppe, die ein Projekt auf der zentralen Obi-Insel baut, das vom chinesischen Ningbo Lygend unterstützt wird, führt laut eigenen Angaben eine Machbarkeitsstudie über die Entsorgung des Abfalls in mehr als 200 Meter unter dem Meeresspiegel durch, von wo aus er auf den Meeresboden fließen soll.

Mindestens acht Bergbauprojekte weltweit nutzen nach Angaben der NGO Earthworks die Tiefsee-Abfallentsorgung, darunter drei in Papua-Neuguinea, einem Nachbarland von Indonesien, sowie zwei weitere Projekte, bei denen der Abfall in die norwegischen Fjorde gekippt wird.

Laut dem Umweltaktivisten Pius Ginting von der indonesischen Nichtregierungsorganisation AEER wählen viele Unternehmen diese Methode, weil sie billiger ist als eine Entsorgung an Land. Allerdings droht nun die Schädigung eines Gebiets, das reich an Korallenriffen und tropischen Fischen ist.

Die Sorge um die Auswirkungen der Abfallentsorgung in Indonesien werde wahrscheinlich die Entwicklung von Nickelverarbeitungsanlagen verzögern, sagte Jim Lennon, ein Analyst bei Macquarie, und fügte hinzu, dass das Projekt von Harita wahrscheinlich das einzige sei, das vor 2022 beginnen werde.

Doch die Hersteller von Elektroautos sind stark abhängig von indonesischem Nickel, was im krassen Widerspruch zum Anspruch steht, eine saubere Alternative zu herkömmlichen Antrieben zu sein. "Das Ergebnis ist, dass wir saubere Luft in unseren Städten haben - aber dann zerstören wir ein Gebiet mit reicher biologischer Vielfalt", so Ginting.

Möglicherweise sind sogar der viel kritisierten Dieselautos umweltfreundlicher als Elektroautos. Lesen Sie dazu morgen, wie stark der vergleichsweise saubere Diesel zuletzt in Deutschland in die Krise geraten ist und warum diese Krise nicht technologisch, sondern politisch verursacht ist.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Edelmetalle in einer neuen Marktphase

Gold über 5.500 US-Dollar, Silber über 100 US-Dollar pro Unze

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Spekulationen um die Fed-Spitze belasten
30.01.2026

Der Goldpreis hat nach seiner jüngsten Rekordjagd plötzlich deutlich nachgegeben. Anleger erleben extreme Schwankungen zwischen neuen...

DWN
Finanzen
Finanzen Apple-Aktie: iPhone-Boom trifft auf Chip-Krise
30.01.2026

Die Apple-Aktie steht nach einem iPhone-Rekordquartal im Rampenlicht: starke Apple-Zahlen treffen auf neue Risiken durch Chip-Engpässe....

DWN
Politik
Politik Strategische Autonomie: EU startet Satellitennetz IRIS2 unabhängig von den USA
30.01.2026

Die EU baut eine eigene sichere Satellitenkommunikation auf, um staatliche Netze unabhängiger von externen Anbietern zu machen. Welche...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Transportbranche zwischen Stagnation und Hoffnung: Deutschlands Schlüsselrolle
30.01.2026

Die Transportbranche steht unter anhaltendem Druck durch Konjunkturschwäche, politische Unsicherheit und Personalmangel. Wird die...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Apple übertrifft Prognosen: iPhone-Umsatz erzielt Allzeitrekord
29.01.2026

Apple gab am Donnerstag seine Ergebnisse für das erste Quartal bekannt und übertraf dank starker iPhone-Verkäufe die Erwartungen der...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Microsofts freier Fall zog US-Börsen ins Minus
29.01.2026

Der Kurssturz der Microsoft-Aktie um mehr als 10 Prozent löste am Donnerstag einen Börsenabschwung aus.

DWN
Politik
Politik Iran erlässt Notstandsverordnung: Vorsorge angesichts eines möglichen Militärangriffs der USA
29.01.2026

Die iranische Regierung erlässt eine Notstandsverordnung, mit der sie zentrale Befugnisse an die Provinzen überträgt. Damit trifft das...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs zum Handelsschluss im Minus: SAP-Kurseinbruch belastet
29.01.2026

Der DAX-Kurs ist am Donnerstag unter Druck geraten, nachdem das DAX-Schwergewicht SAP die Anleger enttäuschte. Gleichzeitig verunsichern...