Unternehmen

„Together first“: Der Mittelstand erhofft sich Zusammenarbeit mit den USA

Der deutsche Mittelstand erhofft sich unter dem Motto „Together first“ eine enge Zusammenarbeit mit den USA. Doch auch nach der Präsidentenwahl sei mit Spannungen in den transatlantischen Handelsbeziehungen zu rechnen.
08.11.2020 23:14
Aktualisiert: 08.11.2020 23:14
Lesezeit: 2 min
„Together first“: Der Mittelstand erhofft sich Zusammenarbeit mit den USA
01.02.2013, Berlin: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) empfängt im Kanzleramt den damaligen US-Vizepräsidenten Joe Biden. (Foto: dpa) Foto: Maurizio Gambarini

Der Bundesgeschäftsführer der Mittelstandsvereinigung BVMW, Markus Jerger, hat sich zur US-Präsidentenwahl gegenüber den Deutschen Wirtschaftsnachrichten mit folgenden Worten geäußert:

„Infolge der äußerst schwierigen Wirtschaftslage in Deutschland, Europa, den USA und gleichzeitigem Erstarken Chinas droht nachhaltiger Schaden für unsere Wohlstands- und Wertegemeinschaft. Es ist daher allerhöchste Zeit, Gräben nicht nur in der Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu überwinden, sondern auch in elementaren Wirtschaftsfragen wieder an einem Strang zu ziehen.

Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie umgehend ein solches Signal nach Brüssel und Washington sendet. Wir, der deutsche Mittelstand, sind bereit, unseren Beitrag für einen Wiederaufstieg aus der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg zu leisten. Gern nehmen wir unsere Rolle als transatlantischer Brückenbauer an. Die USA waren und sind wichtige Geschäftsfreunde. Wir hoffen, dass wir wieder an einem ,Together first‘ arbeiten können, um die Weltwirtschaft gemeinsam mit Kraft und Erfolg zu füllen.

Schon jetzt sind über 5.400 deutsche Unternehmen auf dem US-Markt und umgekehrt rund 2.700 amerikanische Unternehmen in Deutschland vertreten. Die USA waren 2019 größter Abnehmer deutscher Exporte im Wert von rund 119 Milliarden Euro. Deutsche Unternehmen sind mit knapp 773.000 Arbeitsplätzen der viertgrößte ausländische Arbeitgeber in den USA. Sowohl bei uns als auch in den USA bilden Klein- und Mittelbetriebe das Rückgrat der Wirtschaft. Deshalb wäre es unverantwortlich, einfach nur abzuwarten, welchen wirtschaftspolitischen Kurs Washington in Zukunft fährt.

Denn auch nach der Präsidentenwahl ist mit Spannungen in den transatlantischen Handelsbeziehungen zu rechnen. Allein schon deswegen, weil wir seit 40 Jahren mehr in die USA exportieren, als umgekehrt von dort importieren. Vor Corona lag das Handelsbilanzdefizit bei knapp 50 Milliarden Euro im Jahr 2019. Es schwelen weitere Konflikte, etwa bei der Höhe des Verteidigungshaushaltes. Außerdem kann der US-Präsident qua Amt nicht nur gegen Länder, sondern auch gegen einzelne Unternehmen vorgehen, wenn es um die Wahrung amerikanischer Interessen geht. Das erleben wir gerade bei Nord Stream 2. Es bleibt zu hoffen, dass sich in Washington die Erkenntnis (wieder) durchsetzt, dass Handelskriege nur Verlierer kennen.“

Deutschland und die USA profitieren voneinander

Deutschland ist aber auch ein wichtiger Investitionsstandort für US-Unternehmen. In einer Umfrage der American Chamber of Commerce in Germany (AmCham) gaben 77 Prozent der befragten US-Unternehmer an, dass das Jahr 2017 ein starkes Geschäftsjahr in Deutschland gewesen sei. 91 Prozent der Befragten sagten, dass die Rahmenbedingungen in Deutschland für US-Unternehmer sehr gut seien. 94 Prozent sagten, dass vor allem die deutschen Arbeitnehmer gut ausgebildet seien. Für 92 Prozent spielt Deutschland als reiner Markt eine wichtige Rolle.

Im Jahr 2016 waren die USA mit einem Volumen von 108 Milliarden US-Dollar der größte Nicht-EU-Direktinvestor in Deutschland, so export.gov. Einer PricewaterhouseCoopers-Studie (PwC-Studie) zufolge sind bis Mitte 2018 ausländische Investoren bei insgesamt 732 deutschen Unternehmen eingestiegen. 129 der Käufer kamen aus den USA, gefolgt von 94 aus Großbritannien und 86 aus der Schweiz.

Das AmCham gibt jährlich eine Top-50-Liste der umsatzstärksten US-Unternehmen in Deutschland heraus.

Im Geschäftsjahr 2017 erzielten US-Unternehmen in Deutschland einen Umsatz von 171 Milliarden US-Dollar. Führend waren Ford mit 22,7, Amazon mit 15,6, ExxonMobil mit 8,7, Philip Morris mit 6,6 und IBM mit 6,3 Milliarden US-Dollar. Es arbeiteten 296.000 Personen bei US-Unternehmen in Deutschland. Das AmCham wörtlich: “77 Prozent der Unternehmen steigerten 2017 ihre Umsätze und fast 60 Prozent erhöhten ihre Investitionen. Im Januar 2018 erwarteten 82 Prozent der Unternehmen weiter steigende Umsätze. Dieser Wert fiel im August 2018 auf 52 Prozent. Die Unsicherheit bezüglich der transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen bereiten den US-Investoren Sorgen.”

Die Zahlen und Fakten sprechen für sich. US-Unternehmen sehen Deutschland als einen wichtigen Wirtschaftsstandort an. Doch von den deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen profitieren beide Seiten. Der Status quo lässt sich am besten als “Win-Win-Situation” beschreiben. Was die Zukunft bringen wird, hängt nicht zuletzt davon ab, wie die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie ausfallen werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Neue deutsch emiratische Investitionen stärken Dubais Standortrolle

Die Zeiten, in denen eine Firma vor allem am eigenen Standort und nur begrenzt darüber hinaus florieren wollte, sind vorbei. Heute sind...

 

avtor1
Cüneyt Yilmaz

                                                                                ***

Cüneyt Yilmaz ist Absolvent der oberfränkischen Universität Bayreuth. Er lebt und arbeitet in Berlin.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rhein Group: Draghi versammelt Europas Machtelite
19.09.2026

Mario Draghi hat Europas wirtschaftliche Schwächen analysiert. Jetzt will er handeln: Mit der Rhein Group versammelt der frühere...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: Das müssen Sie unbedingt wissen
19.09.2026

Mecklenburg-Vorpommern wählt einen neuen Landtag – und diesmal könnte sich das politische Kräfteverhältnis grundlegend verschieben....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Niedrigwasser am Rhein: Wenn der deutschen Wirtschaft das Wasser fehlt
19.09.2026

Der Rheinpegel in Kaub ist der wichtigste Pegel für die Schifffahrt zwischen Rotterdam und Basel. Dort fiel der Wasserstand im August 2026...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes GLC im Test: Elektrisch ist er endlich so, wie er sein muss
19.09.2026

Der elektrische Mercedes GLC 400 4Matic bringt fast 500 PS, viel Komfort, hohe Ladeleistung und einen überraschend moderaten Verbrauch. Im...

DWN
Politik
Politik Berlin wählt: Diese Koalitionen sind möglich – und was sonst noch wichtig ist!
19.09.2026

Rund 2,5 Millionen Berliner entscheiden am Sonntag über die politische Zukunft ihrer Stadt. Nach einem von Wohnungsnot, Verkehr und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Safran-Anbau: KI und Roboter sollen Europas Abhängigkeit beenden
19.09.2026

Safran ist das teuerste Gewürz der Welt, doch seine Lieferkette ist anfällig und kaum transparent. Ein schwedisches Start-up will das...

DWN
Technologie
Technologie Gefälschte IT-Mitarbeiter: Remote-Jobs werden zum Einfallstor für Spione
19.09.2026

Sie sehen aus wie ganz normale Bewerber, doch hinter Lebensläufen, Videogesprächen und vermeintlich echten Identitäten können...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Audi-Krise: „In zehn Jahren muss es Volkswagen noch geben“
19.09.2026

China holt Europas Autobauer nicht mehr nur ein. In wichtigen Technologiebereichen ist die Konkurrenz bereits vorbeigezogen. Audi-Chef...