Finanzen

Die Zentralbanken öffnen alle Schleusen - der Rettungsanker heißt Bitcoin

Bestseller-Autor Marc Friedrich ("Der größte Crash aller Zeiten") ist sich sicher, dass der Höhenflug des Bitcoin noch lange nicht vorbei ist.
19.12.2020 09:48
Aktualisiert: 19.12.2020 09:48
Lesezeit: 7 min

Ich erwarte vor Weihnachten ein neues Allzeithoch und im Jahr 2021 neue Höchststände - bis Ende 2022 sogar Kurse im sechsstelligen Bereich!“

Mit diesen Worten hatte ich diesen Artikel Anfang Dezember beendet, dann jedoch aus Zeitmangel auf dem Schreibtisch liegen lassen. Spätestens jetzt muss ich ihn aber veröffentlichen. Denn meine Prognose von vor einem halben Monat ist mittlerweile noch übertroffen worden.

War es jetzt das? Ist das Potential von Bitcoin ausgeschöpft?

Erst mal Folgendes: Lassen Sie sich bitte nicht von dem Wort „Bitcoin“ abschrecken. Der Begriff weckt zumeist negative Assoziationen. Wenn die Medien darüber berichten, dann immer in Verbindung mit Schwarzgeld, Kriminalität, Hacks oder Erpressung. Dass die meisten Verbrecher fast immer Dollar, Euro und andere Währungen verwenden, wird selten in der Presse kommuniziert.

So weit, so gut. Lassen Sie uns erst einmal klären, was genau Bitcoins eigentlich sind.

Wie alles begann: Bitcoin - ein Kind der Krise

Sathoshi Nakamoto, der Erfinder von Bitcoin, ging im Jahr 2008 während der Finanzkrise – als Banken und gar ganze Staaten durch ein falsch gestricktes Geld- und Finanzsystem wankten – schwanger mit der Idee, eine bessere Währung zu schaffen. Am 18. August 2008 entschied sich der Schwangere, noch vor der Geburt seines Kindes, für den Namen "Bitcoin". Erstmalig verkündete er die Schwangerschaft stolz und glücklich am 31. Oktober 2008, indem er die Geburtsurkunde in Form eines White Papers (eine Art Anleitung) mit dem Titel „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“ im Internet publizierte und Paten für sein Kind suchte in Form der fähigsten Kryptographen (unter Kryptographie versteht man die Konzeption von Informationssystemen, die widerstandsfähig gegen Manipulation sind). Mit ihrer Hilfe erblickte das gemeinsame Baby „Bitcoin“ schließlich am 3. Januar 2009 das Licht der Welt.

Das heißt, Bitcoin ist gerade mal knappe 12 Jahre jung, also noch nicht einmal im Teenager-Alter. Trotz seiner kurzen Lebensdauer ist Bitcoin dennoch schon gigantisch gewachsen und eigentlich ein wahrer Riese. Seine Kindheit war recht turbulent und wild – seine Pubertät jedoch wird alles in den Schatten stellen. Wir stehen erst vor dem großen Hauptakt, was wir bisher gesehen haben, war lediglich das Aufwärmen, das Vorspiel, ein milder Luftzug vor dem Sturm. Was jetzt kommen wird, ist ein gigantischer Bullenmarkt.

Dabei war Bitcoin schon in der vergangen Dekade äußerst erfolgreich.

Der erste registrierte Bitcoin-Preis kam im März 2010 zustande und betrug 0,003 Cent. Heute stehen wir bei 23.000 Dollar (Stand: 17.12.2020).

Bitcoin erreichte den Wert von einem Dollar im Februar 2011. Zwei Jahre später wurden dann die 100 Dollar geknackt, und im selben Jahr sogar noch die 1.000 Dollar. Die 10.000 Dollar-Hürde wurde dann vier Jahre später, 2017, genommen, und das bisherige Rekordhoch von 19.783.06 Dollar am 17.Dezember des selben Jahres erreicht.

Ein kleiner amüsanter Einschub: Am 22.Mai 2010 führte der US-Amerikaner Laszlo Hanyecz in Florida die weltweit erste Transaktion mit Bitcoin durch. Er kaufte zwei Pizzen für 10.000 Bitcoins. Heutiger Preis: 190 Millionen Dollar. Die teuerste Pizza der Welt!

Warum wir neue Höchststände erleben werden

Hierfür gibt es etliche Gründe. Fangen wir mit den Notenbanken und den Staaten an:

  • 1. Die Inflation kommt - Notenbanken müssen weiter drucken

Seit 2008 befinden wir uns in einem finanziellen Ausnahmezustand. Seit der Nahtodeserfahrung des Geld- und Finanzsystems, ausgelöst durch Gier, Spekulation und Hybris, haben die Notenbanken weltweit historisch einmalige Maßnahmen durchgezogen: Die Zinsen wurden auf Rekordstände gesenkt und befinden sich zum Teil im Minusbereich. Staatsanleihen im Wert von 18 Billionen sind aktuell negativ verzinst.

Parallel wurden die Geldschleusen geöffnet und die Märkte permanent mit billiger Liquidität versorgt. Ein regelrechter Tsunami an Geld, der zu immer größeren Vermögensblasen führt bei Immobilien, Aktien etc. Zusammenfassen kann man dieses Geld- und Notenbank-Experiment unter dem Motto „Ohne Zins und Verstand“.

Die US-Notenbank FED hat mittlerweile gigantische 7,2 Billionen Dollar in den Büchern stehen. Das entspricht 36 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft. Ein Ende ist nicht in Sicht, ganz im Gegenteil: Neben Negativzinsen erwarte ich hier weitere Aufkaufprogramme. Das Motto wird sein: Wir kaufen alles - außer vielleicht Hundefutter.

Auch die europäischen Kollegen in der EZB in Frankfurt stehen der USA in nichts nach. Auch hier steigt der Chart parabolisch an: 6,83 Billionen Euro oder 68 Prozent des BIP der Eurozone hat die Europäische Zentralbank (EZB) schon in ihren Büchern stehen.

Atemberaubend und ebenso historisch die Tatsache, dass die Geldmenge M2 in den USA dieses Jahr um parabolische 25 Prozent gestiegen ist. Das heißt, 2020 wurden mehr als ein Fünftel (21 Prozent) aller jemals emittierten Dollars produziert. Mit anderen Worten: Das System benötigt immer mehr von der tödlichen Dosis "billiges Geld und niedrige Zinsen".

Die US-Staatsverschuldung legt ebenfalls einen Senkrechtstart hin: Sie beträgt jetzt 27,3 Billionen Dollar, das sind 128 Prozent des BIP.

Weltweit steigen die Schulden in immer neue Höhen. In der Zwischenzeit sind es 277 Billionen Dollar, das entspricht circa 350 Prozent des weltweiten BIP.

Fest steht, dass sich die Notenbanken weltweit in einer prekären Lage befinden: Nie wieder können Sie im bestehenden Geldsystem die Zinsen erhöhen, ansonsten würden Pleiteländer bankrott gehen, Zombie-Unternehmen umkippen, die Wirtschaft abgewürgt werden, die Anlageblasen platzen sowie Arbeitslosenzahlen und Schulden explodieren. Aus diesem Grund wird man weiterhin die destruktive Abwärtsspirale aus Zinssenkungen und Gelddrucken betreiben müssen. Bis zum bitteren und sehr teuren Ende. Denn die Kollateralschäden werden immer verheerender und teurer. Nicht nur monetär, sondern auch politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich.

Gegen diese ausufernde Schuldenmacherei, gegen dieses Gelddrucken "ohne Zins und Verstand" braucht man als Anleger und Sparer, um seine Kaufkraft zu schützen, durch die Natur oder durch die Mathematik limitierte Werte. In meinen Augen ist einer davon Bitcoin!

Mehr und mehr erkennen das und deswegen kommen wir nun auch zu Punkt Nummer 2:

  • 2. Das "große Geld" kommt und entdeckt Bitcoin

Anfang August platze eine gigantische Bombe. Die Auswirkungen waren weltweit zu spüren, und es begann de facto eine neue Zeitrechnung. Sie haben nichts davon gehört? Ja, das mag sein. Man hat es nämlich weder in den Nachrichten gelesen noch im Fernsehen gesehen. Was war so aufsehenerregend?

Das an der US-Börse Nasdaq gelistete Technologieunternehmen „Microstrategy“ verkündete, dass man von seinen 500 Millionen Dollar Barreserve stolze 250 Millionen Dollar in Bitcoin investiert hatte. Die Begründung war: Als Inflationsschutz und Wertspeicher gegen das stetige Gelddrucken der Notenbanken.

Aber das war nicht alles. Schon einen Monat später legte man noch eine Schippe drauf , indem man weitere 175 Millionen Dollar in Bitcoin steckte. Durchschnittskurs 11.111 Dollar. Zuletzt investierte man sogar weitere 50 Millionen Dollar in Bitcoin zu einem Preis von 19.400 Dollar.

Der letzte Coup: Das Unternehmen hat am Kapitalmarkt Unternehmensanleihen angeboten für 0,75 Prozent und damit 400 Millionen Dollar eingesammelt. Diese will es komplett in Bitcoin re-investieren. Die Aktie von "Microstrategy" ist somit das beste und günstigste ETF auf Bitcoin.

Weitere Firmen folgten dem Beispiel von Microstrategy, wie zum Beispiel „Square“. Das Fintech-Unternehmen, spezialisiert auf mobiles Bezahlen, von Twitter-Gründer Jack Dorsey investierte 50 Millionen Dollar in Bitcoin.

Die oben genannten sind weitere Schritte, die zur Massenadaption von Bitcoin beitragen. Sogar noch gewichtiger sind die Meinungen von verschiedenen Hedge Fonds-Legenden wie Paul Tudor Jones, Bill Miller oder Stanley Druckenmiller, die sich zuletzt positiv zu Bitcoin äußerten - und das, nachdem sie jahrelang dagegen gewettert hatten. Auch der CIO von BlackRock reihte sich ein.

Der nächste Meilenstein war die Ankündigung von PayPal, dass man über den Bezahlanbieter Bitcoin handeln kann und er die Währung sogar als Zahlungsmöglichkeit in sein Netzwerk aufgenommen hat. Vorstand Dan Schulman outete sich als Bitcoin-Fan und sieht die Zukunft der Währung rosig.

Absoluter Gamechanger war schließlich die Nachricht, dass der Lebensversicherungsgigant „Mass Mutual“ 100 Millionen Dollar seiner 240 Milliarden Dollar Einlagen in Bitcoin investiert.

Bitcoin wird verboten - oder doch nicht ...

Die Gefahr von einem Bitcoin-Verbot ist meiner Ansicht nach sehr gering. Nicht nur haben sich Politiker und Regulierer dagegen ausgesprochen, auch das Marktvolumen ist zu gering, aber vor allem ist Bitcoin schon fester Bestandteil der Finanzwelt, die immer mehr Produkte aufsetzt.

Neben ETFs gibt es immer mehr Fonds. Die Nachfrage nach Bitcoin übersteigt jetzt schon, was der Algorithmus produziert.

Jeden Tag werden 900 Bitcoins produziert. Das sind 6.300 Bitcoins pro Woche und 25.200 in einem Monat. Im September haben Fonds in einer Woche fast die komplette Monatsproduktion aufgekauft. Dieser Trend wird anhalten und sich sogar verstärken. Denn immer mehr großes Geld wird in Bitcoin über Investment-Produkte investiert werden. Wir stehen erst ganz am Anfang einer langen Reise.

Zu guter Letzt sind auch viele ehemalige Erzfeinde der digitalen Währung auf den Zug aufgesprungen und zeigen sich positiv. Dies dürfte auch an dem Druck der Kunden liegen, nachdem Bitcoin dieses Jahr wieder ganz vorne liegt in der Performance mit über 200 Prozent.

Etliche renommierte Banken haben Analysen veröffentlicht, bei denen man sich mit Preiszielen übertrifft von 318.000 Dollar (Citibank), 140.000 Dollar (JPMorgan) bis zu 90.000 Dollar (BayernLB). Der CIO von Guggenheim sieht den fairen Wert von Bitcoin bei 400.000 Dollar.

Mein seit Jahren bestehendes Ziel bei Bitcoin im sechsstelligen Bereich klingt nun nicht mehr so verrückt. Bitcoin ist in der Vermögenspyramide mit einer Marktkapitalisierung von circa 400 Milliarden Dollar immer noch ein Leichtgewicht.

  • 3. Bitcoin ist dezentral, limitiert und grenzenlos

Die Fundamentaldaten für Bitcoin sind der dritte Punkt, der für stark steigende Kurse spricht. Bitcoin ist dezentral und unabhängig von Lobbyinteressen, menschlichen Schwächen, Gier und Korruption. Unterliegt keiner Zentralbank und keinem Berufspolitiker. Bitcoin kann nicht manipuliert werden und ist leicht portable. Es ist im Gegensatz zu unserem jetzigen Geldsystem deflationär. Ebenso ist Bitcoin limitiert und das einzige Gut, welches wir wirklich mit einer Zahl beziffern können. Wir wissen nicht, wie viel Gold, Silber und Kupfer noch in der Erdkruste liegt oder wie viel Öl noch gefördert werden kann, aber wir wissen, dass der Algorithmus von Bitcoin begrenzt ist und bei knapp 21 Millionen Einheiten Schluss sein wird.

All diese charmanten und einzigartigen Attribute werden bald von der Anleger-Masse erkannt werden, und dann wird es wild. Die Notenbanken spielen weltweit das gleiche Spiel, und eigentlich sehen wir überall Weimar 2.0. Verzweifelt werden sie versuchen, die Inflation voranzutreiben, um so die Schuldenlast auf Kosten von uns Bürgern zu reduzieren. Hier werden die Menschen sichere Häfen suchen. Wir empfehlen unseren Kunden schon lange, in durch die Natur und durch die Mathematik limitierte Sachwerte zu investieren als eine Art Lebensversicherung gegen das endlose Gelddrucken und den Dauerkrisenmodus der Notenbanken und Staaten.

Meine persönliche Einschätzung: Bis Ende 2022 sehe ich Kurse von 50.000 bis über 100.000 Dollar als realistisch - bis Ende der Dekade sogar deutlich höhere, sechsstellige Summen.

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