Finanzen

US-Notenbank Fed strafft Geldpolitik schneller als erwartet

Die Fed beschleunigt den Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik. Sie will ihre Wertpapierkäufe schneller beenden und auch die Zinsen wieder erhöhen.
15.12.2021 22:57
Lesezeit: 2 min

Die US-Notenbank beschleunigt ihre Kehrtwende von den Hilfsprogrammen zur Bewältigung der Corona-Krise hin zu einer strafferen Geldpolitik zur Bekämpfung der hohen Inflation. Die Federal Reserve (Fed) kündigte am Mittwoch an, ihre konjunkturstützenden Wertpapierkäufe schneller als zuletzt angekündigt zu drosseln. Zudem signalisierten die Notenbanker für 2022 und das Folgejahr mehrere Erhöhungen des Leitzinses.

Notenbankchef Jerome Powell sagte, die Wirtschaft wachse in robustem Tempo und der Arbeitsmarkt erhole sich weiter gut hin zum Ziel der Vollbeschäftigung. Daher und wegen der höheren Inflationsrate sei eine Straffung der Geldpolitik angezeigt. Ein mögliches Risiko für den wirtschaftlichen Ausblick sei der weitere Verlauf der Pandemie, «inklusive neuer Varianten des Virus», schränkte Powell ein.

Die Wertpapierkäufe sollen nun rasch gedrosselt werden. Im November waren noch Papiere im Wert von 105 Milliarden US-Dollar (rund 93 Milliarden Euro) angekauft worden, im Dezember sollen es 90 Milliarden Dollar sein und nur noch 60 Milliarden Dollar ab Januar. Damit könnte das Programm im März auslaufen, was eine Vorausbedingung für mögliche Zinserhöhungen sei, sagte Powell vor Journalisten. Bis zum Oktober hatte die Fed monatlich noch Papiere im Wert von 120 Milliarden Dollar gekauft. Mit den Ankäufen pumpt die Fed zusätzliches Geld in die Finanzmärkte, um die Kreditzinsen niedrig zu halten und die Wirtschaft anzukurbeln.

Am Leitzins, der in der extrem niedrigen Spanne von 0,0 bis 0,25 Prozent liegt, ändert sich vorerst nichts. Die geldpolitischen Entscheidungen waren an den Finanzmärkten so erwartet worden.

Erhöhungen des Leitzinses scheinen nun bereits ab Mitte 2022 möglich. Höhere Zinsen würden die hohe Inflation ausbremsen, aber auch gleichzeitig das Wachstum der weltgrößten Volkswirtschaft drosseln.

In einer neuen Wirtschaftsprognose signalisierte die Fed für das kommende Jahr nun mehrere Zinsschritte. Der Leitzins könnte demnach 2022 auf 0,9 Prozent steigen. In der vorigen Prognose vom September war die Fed noch von einem Niveau von 0,3 Prozent ausgegangen. Für 2023 wird nun ein Zinsniveau von 1,6 Prozent angepeilt. Das wären 0,6 Prozentpunkte mehr als noch bei der letzten Prognose. Die Zinsprognosen der Fed repräsentieren die im Mittel von den Mitgliedern des Zentralbankrats erwarteten Zinsschritte. Sie sind für die Notenbanker nicht bindend. Sie können die Geldpolitik stets angesichts der Entwicklung von Konjunktur und Arbeitsmarkt anpassen.

Die US-Inflationsrate lag im November im Vergleich zum Vorjahr bei 6,8 Prozent, dem höchsten Wert seit fast vier Jahrzehnten. Experten machen das rasante Wachstum, höhere Energiepreise, Verzerrungen des Marktes infolge der Pandemie und Probleme globaler Lieferketten für die hohe Teuerungsrate verantwortlich. Inzwischen steigen die Preise in vielen Wirtschaftsbereichen. Auch Löhne, Immobilienpreise und Mieten steigen. Bis vor kurzem hatte die Fed die hohe Inflation als vorübergehendes Phänomen nach der Corona-Krise eingestuft. Inzwischen räumt Fed-Chef Powell aber ein, dass die Preise noch weit ins nächste Jahr deutlich ansteigen dürften. Es gebe ein «reales Risiko», dass die Inflationserwartungen dauerhafter anstiegen, fügte Powell hinzu.

Die Fed korrigierte in den neuen Prognosen ihre Inflationserwartung erneut nach oben. Für 2022 rechnet die Notenbank nun mit einer Teuerungsrate für die Verbraucher von 5,3 Prozent. Im September war sie noch von 4,2 Prozent ausgegangen. Für 2022 rechnet die Fed mit einer Inflationsrate von 2,6 Prozent, 0,4 Prozentpunkte mehr als noch in der September-Prognose. Mittelfristig strebt die Zentralbank eine durchschnittliche Inflationsrate von rund 2 Prozent an.

Die Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr senkte die Fed nochmals. Im September war die Zentralbank noch von einem Plus von 5,9 Prozent ausgegangen, nun erwartet sie ein Wachstum von 5,5 Prozent. Im Juni hatte die Notenbank für die weltgrößte Volkswirtschaft noch mit einem Wachstum von 7 Prozent gerechnet. Für 2022 gehen die Währungshüter nun von einem Wachstum um 4 Prozent aus.

Sehr positiv beurteilt die Fed weiterhin die Lage am Arbeitsmarkt. Bis Ende kommenden Jahres erwartet die Notenbank eine Arbeitslosenquote von nur noch 3,5 Prozent. Das entspräche dem Zustand der Vollbeschäftigung und dem Wert vor der Corona-Pandemie. Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise hatte die Quote fast 15 Prozent erreicht, inzwischen liegt sie bei 4,2 Prozent. Viele Firmen klagen bereits über einen Mangel an Arbeitskräften.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäischer Automarkt: E-Autos und Hybride prägen den Strukturwandel
29.01.2026

Der europäische Automobilmarkt verschiebt sich strukturell hin zu neuen Antriebsformen. Welche Folgen hat der wachsende Anteil von E-Autos...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Ergebnisse der Tech-Giganten: Meta plant KI-Investitionen von bis zu 135 Milliarden Dollar
28.01.2026

Die Technologiegiganten Meta, Microsoft und Tesla übertrafen die Erwartungen der Analysten, insbesondere im Hinblick auf den Wettlauf um...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: US-Börsen blieben nach Zentralbankentscheidung stabil
28.01.2026

Die erwartete Entscheidung der US-Notenbank, die Zinssätze stabil zu halten, ließ die Märkte auf klarere Hinweise bezüglich künftiger...

DWN
Politik
Politik Energieprojekt Bornholm: Dänemark und Deutschland einigen sich auf gemeinsame Finanzierung
28.01.2026

Deutschland und Dänemark rücken bei einem zentralen Energieprojekt enger zusammen. Welche wirtschaftlichen und strategischen Folgen hat...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Rekordhoch: Trump treibt Gold-Rallye weiter an – sind bald schon 6.000 Dollar möglich?
28.01.2026

Der Goldmarkt erlebt derzeit eine historische Ausnahmesituation: Ein neues Goldpreis-Rekordhoch folgt dem nächsten. Trumps...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Puma unter chinesischem Großaktionär: Welche europäischen Sportmarken unabhängig bleiben
28.01.2026

Der Einstieg eines chinesischen Großaktionärs bei Puma rückt die Eigentümerstrukturen europäischer Sportmarken in den Fokus. Welche...

DWN
Finanzen
Finanzen Verdacht auf Geldwäsche: BKA durchsucht Deutsche Bank
28.01.2026

Erneut Ärger wegen möglicher Geldwäsche: Justiz und BKA sichern Beweise bei der Deutschen Bank. Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang...

DWN
Politik
Politik Haseloff-Nachfolger: Schulze neuer Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt
28.01.2026

Nach 15 Jahren Reiner Haseloff übernimmt Sven Schulze das Amt des Regierungschefs in Sachsen-Anhalt – und muss gleich gegen einen...