Wirtschaft

Die Neue Seidenstraße: Chinas Black Box

China baut mit der Neuen Seidenstraße eine wichtige Handelsroute zwischen Asien, Europa und China auf. Aber wer profitiert wirklich davon?
Autor
02.07.2022 11:36
Lesezeit: 2 min
Die Neue Seidenstraße: Chinas Black Box
Container aus Wuhan werden auf der Insel Rügen auf Eisenbahnwaggons verladen. (Foto: dpa)

Als Black Box bezeichnet man vereinfacht ausgedrückt einen Kasten, der zwar Eingang und Ausgang besitzt, dessen Innenleben aber im Dunkeln bleibt.

Nicht anders scheint es mit Chinas Neuer Seidenstraße zu sein. Sie verbindet die Wirtschaftsräume Asien, Europa und Afrika. Und führt dabei größtenteils per Schiene durch Zentralasien über Kasachstan und Russland nach Europa. Zudem soll eine südlichere Route über den Iran und die Türkei nach Europa führen.

Neben dem Schienenverkehr plant China auch eine eigene Route für Schiffe entlang so wichtiger Häfen wie Singapur, Kalkutta in Indien, Mombasa in Kenia und Piräus in Griechenland. So weit so gut.

Eben ein all umfassendes seidenes Spinnennetz, in dem sich China die Projektpartner zurechtschneidert, um bestmöglich seine wirtschaftlichen Interessen weltweit durchsetzen zu können. Der aus der Antike herrührende Begriff Seidenstraße ist dabei zugleich Symbol und Wirklichkeit einer aggressiven chinesischen Wirtschaftspolitik, ohne auf eine für alle Partner erfassbare Strategie zu gründen.

Kredite als Geschenke

Dabei werden entlang der Strecke „Geschenke“ verteilt. Im Klartext: billige Kredite vergeben, und weltweit Straßen, Häfen, Bahnstrecken, Brücken oder Gasfaserleitungen ausgebaut. Das offenkundige Ziel: neue Absatzmärkte zu schaffen. Koste es was es wolle. Und ohne Rücksicht auf Verluste.

So hat Peking in den vergangenen Monaten wegen der Gefahr, die die Russland-Sanktionen auch für Peking darstellt, begonnen, dringend benötigte neue Korridore zwischen Europa und China zu entwickeln. Im Bemühen seine eigenen Allianzen zu schmieden – ohne Rücksicht auf Russland.

Eine Attitüde, die bezeichnend ist für Chinas Entschlossenheit, und weit über die Lippenbekenntnisse zweier Autokraten hinausgeht. Als wäre Xi Jinping vor allem ein gelehriger Schüler Machiavellis und letztendlich für niemanden ein berechenbarer Partner, wenn er die eigenen Interessen in Gefahr sieht.

Abgesehen davon hat sein Bruder im Geiste Wladimir Putin der westlichen Welt bereits bewiesen, was er vom merkantilistischen Ansatz „Wandel durch Handel“ hält.

Dasselbe gilt wohl auch für China: Das Reich der Mitte wird trotz augenscheinlicher wirtschaftlicher Fortschritte ein für die westliche Welt schwer einzuschätzender Partner bleiben.

Zudem ist Xi Jinping wohl nicht nur ein Kontrollfreak im eigenen Land, sondern diesbezügliche Bestrebungen dürften klar über die eigenen Landesgrenzen hinausgehen. Ohne sich weiter, ähnlich wie Putin, um demokratische Werte zu kümmern. Sie empfindet er wohl eher als ihm vom Westen in den Weg gelegte Steine.

Kann Europa sich dagegen wehren?

Zumindest aber gibt es jetzt einen ersten Ansatz der G7-Staaten, die sich auf ihrem Gipfeltreffen im beschaulichen Schloss Elmau dazu durchgerungen haben, sich dieser Entwicklung mit ihrer „Partnerschaft für Globale Infrastruktur“ entgegenzustellen. Und erstmal beabsichtigen, die afrikanischen Länder aus dem Würgegriff Chinas herauszukaufen. Insgesamt wollen die G7-Staaten bis 2027 fast 600 Milliarden investieren.

In der Hoffnung, dass ihnen ein allzu böses Erwachen erspart bleibt, wenn sich die Black Box öffnet, und sich herausstellt, dass sich China mit der Neuen Seidenstraße vor allem Handelswege, den Zugang zu Rohstoffen oder weltweite Logistikaufträge sichern will, und letztendlich auf die Interessen der mittlerweile über 60 Länder in Asien, im Osten Afrikas und Europa pfeift, die bereits jetzt an der Neuen Seidenstraße irgendwie beteiligt sind.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Aufhebungsvertrag wegen Personalabbau: Die wichtigsten Fakten
05.07.2026

Personalabbau ist auf Grund der schlechten wirtschaftliche Lage derzeit für viele Unternehmen ein Thema. Maßnahmen sind häufig...

DWN
Politik
Politik AfD-Parteitag in Erfurt: Massiver Protest gegen die AfD - Spitzenduo bestätigt
05.07.2026

Die AfD hat ihr Spitzenduo Weidel-Chrupalla wiedergewählt. In der zweiten Reihe gibt es neue Gesichter. Vom Protest vor der Halle sahen...

DWN
Finanzen
Finanzen Manchester United, BVB und Juventus: Wenn Fußballklubs an die Börse gehen
05.07.2026

Fußball und Kapitalmarkt wirken auf den ersten Blick wie getrennte Welten. Doch mehrere europäische Klubs sind börsennotiert, darunter...

DWN
Finanzen
Finanzen Interview: Ich lebe in Japan und investiere
05.07.2026

Dita Vārna Yoshimura lebte lange von Gehalt zu Gehalt, dann entdeckte sie durch ihren Mann die Börse. Heute investiert die Lettin aus...

DWN
Finanzen
Finanzen Altersvorsorgedepot: Brauchen wir das wirklich? Oder gibt es bessere Alternativen?
05.07.2026

Die Reform der staatlich geförderten privaten Altersfürsorge ist beschlossen – das Altersvorsorgedepot kommt ab 2027. Dann wird das...

DWN
Technologie
Technologie Cybersicherheit braucht weniger Angst und mehr Wissen
05.07.2026

Es ist an der Zeit, dass wir aufhören, Cybersicherheit als Weltuntergang zu verkaufen. Wir sollten sie stattdessen als Teil der...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuererhöhung: Steuer auf Spirituosen soll Anfang 2027 steigen
05.07.2026

Hochprozentige alkoholische Getränke sollen zum 1. Januar 2027 höher besteuert werden. Welche Mehreinnahmen im Zuge der Steuererhöhung...

DWN
Immobilien
Immobilien Deutscher Mietmarkt: Warum sich das Vermieten für Private nicht mehr lohnt
05.07.2026

Die Wohnungskrise in Deutschland verschärft sich. Doch während in Talkshows meist über rücksichtslose Immobilienkonzerne debattiert...