Politik

USA und EU bedrängen die Türkei, Sanktionen gegen Russland umzusetzen

Die USA und die EU erhöhen den Druck auf die Türkei, damit das Land die Sanktionen gegen Russland umsetzt. Dabei haben sie vor allem den Bankensektor im Blick.
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15.09.2022 13:00
Lesezeit: 3 min

Die USA und die EU erhöhen den Druck auf die Türkei. Sie wollen, dass das Land gegen die Umgehung Russland-Sanktionen vorgeht. Den USA konzentrieren sich dabei auf die türkischen Banken, die sich in das russische Zahlungssystem Mir integriert haben, berichten zwei westliche Beamte, die an den entsprechenden Plänen beteiligt sind, gegenüber Financial Times. Zugleich bereitet die EU-Kommission eine Delegation vor, die ihre Bedenken gegenüber türkischen Beamten persönlich vorbringen soll.

Der Druck auf die Türkei wird dadurch verstärkt, dass die Staaten des Westens auf eine strengere Umsetzung der bestehenden Sanktionen setzen, anstatt neue Maßnahmen zu verhängen. Damit räumen sie indirekt ein, dass die seit Russlands Einmarsch in der Ukraine im Februar verhängten Wirtschaftssanktionen die russische Wirtschaft nicht so stark geschädigt haben wie erhofft. Die Schließung von Schlupflöchern in den derzeitigen Maßnahmen soll nun endlich die Finanzflüsse des Kremls unterbrechen .

"Sie werden sehen, dass wir uns auf die Steuerhinterziehung im Finanzsektor konzentrieren werden", sagte der eine der beiden westlichen Beamten. "Wir werden eine klare Botschaft aussenden, dass zum Beispiel Finanzinstitute aus Drittländern nicht mit dem Mir-Zahlungsnetzwerk verbunden werden sollten, weil dies ein gewisses Risiko der Sanktionsumgehung birgt." Der zweite Beamte, der in diesem Monat an den Gesprächen zwischen der EU und den USA über die Durchsetzung von Sanktionen beteiligt ist, führt die Türkei dabei als Hauptziel an.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, dessen Land seit 1952 Mitglied der Nato ist, hat im Ukraine-Konflikt einen, wie er es nennt, "ausgewogenen" Ansatz verfolgt. Seine Weigerung, Sanktionen gegen Russland zu unterzeichnen, und seine jüngste Zusage, die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Moskau zu vertiefen, haben seine westlichen Verbündeten alarmiert. Erdogan, der am Freitag auf der Jahrestagung der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit mit Putin zusammentreffen wird, sagte letzten Monat, dass es in der Türkei "ernsthafte Fortschritte" bei der Ausweitung des Mir-Zahlungsnetzwerks gibt.

Fünf der größten türkischen Banken - Vakıfbank, Ziraat Bank, İş Bank, DenizBank und Halkbank - sind Mitglieder des Mir-Zahlungssystems, das von der russischen Zentralbank als inländische Alternative zu Visa und Mastercard entwickelt wurde. Die DenizBank, ein privater Kreditgeber im Besitz der Vereinigten Arabischen Emirate, und die staatlich kontrollierte Halkbank, die für ihre mutmaßliche Rolle bei der Umgehung von US-Sanktionen gegen den Iran bekannt ist, schlossen sich Mir an, nachdem Russland im Februar die Invasion der Ukraine gestartet hatte.

  • Die İş Bank erklärte, ihre Regeln verlangten die "strikte Einhaltung" aller US-Sanktionen und fügte hinzu: "Wir überwachen die Sanktionen genau und ergreifen die notwendigen Maßnahmen, um MIR-Kartentransaktionen in Übereinstimmung mit diesen Regeln durchzuführen."
  • Die DenizBank erklärte: "Wir führen keine Transaktionen mit sanktionierten Banken durch. Wir halten uns vollständig an die internationalen Sanktionen gegen Russland."
  • Das türkische Außenministerium erklärte, Ankara verfolge zwar seit langem die Politik, nur die von den Vereinten Nationen unterstützten Sanktionen umzusetzen, sei aber "ebenso fest entschlossen", kein Kanal zur Umgehung von Sanktionen zu werden.

Als Teil der Bemühungen, die Durchsetzung der Sanktionen zu verstärken, will Mairead McGuinness, die irische EU-Kommissarin für Finanzdienstleistungen, im nächsten Monat die Türkei besuchen, wie Insider berichten. Ein hoher EU-Beamter sagte: "Kommissarin McGuinness hat in letzter Zeit eine Reihe von Ländern besucht, um Fragen im Zusammenhang mit Finanzdienstleistungen und insbesondere mit der Umsetzung der Sanktionen angesichts der russischen Aggression gegen die Ukraine zu erörtern."

Wally Adeyemo, stellvertretender US-Finanzminister, warnte im August in einem Schreiben an türkische Unternehmen vor "Russlands Versuchen, Ihr Land zur Umgehung von Sanktionen zu benutzen" und vor den Risiken von "Transaktionen mit sanktionierten russischen Unternehmen". Die westlichen Sanktionen, die in den ersten Wochen nach der russischen Invasion in mehreren Wellen verhängt wurden, zielten darauf ab, Russlands größte Banken, Energie- und Rüstungsunternehmen sowie Hunderte hochrangiger Beamter und reichster Geschäftsleute vom Weltmarkt abzuschneiden.

Als Teil des umfassenderen Vorgehens gegen die Umgehung von Sanktionen werden die westlichen Bemühungen auf Einzelpersonen abzielen, die Zahlungen im Namen Russlands abwickeln, sowie auf Unternehmen, die dabei geholfen haben, parallele Zahlungsnetze für Moskau einzurichten, sagte einer der Beamten. Die EU und die USA werden auch Unternehmen ins Visier nehmen, die Moskau bei der Verarbeitung russischer Exporteinnahmen unterstützen oder die Einfuhr von Industrie- oder Verteidigungsgütern erleichtern, die unter westlichen Sanktionen verboten sind.

Zu den weiteren Maßnahmen, die derzeit diskutiert werden, gehören auch Maßnahmen gegen weitere Personen, die in der russischen Software-, E-Commerce- und Cybersicherheitsbranche tätig sind. Neben der Türkei werden auch Länder im Kaukasus, in Zentralasien und in der Golfregion ins Visier genommen, um mögliche Hintertüren zur Umgehung der Sanktionen zu finden, so die Beamten. "Jedes Land muss sich darüber im Klaren sein, dass wir das verfolgen und mit ihnen reden werden", sagte James O'Brien, Sanktionskoordinator im US-Außenministerium.

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