Wirtschaft

Nächste Krise auf dem Energiemarkt: Engpässe bei Öltankern

Durch die EU-Sanktionen gegen Russland im Frühjahr ist die Nachfrage auf Tanker gestiegen. Das Problem dabei: Es stehen zu wenige Tanker zur Verfügung und so steigen die Öl- und Kraftstoffpreise.
23.09.2022 14:00
Lesezeit: 3 min
Nächste Krise auf dem Energiemarkt: Engpässe bei Öltankern
Engpässe bei Öltankern führen zur nächsten Energiekrise. (Foto: iStock.com/nightman1965) Foto: nightman1965

In der neuen Ära der Energieknappheit wird ein Aspekt der Situation eher übersehen: der Transport von Energie. Seit die Europäische Union im Frühjahr Sanktionen gegen Russland verhängt hat, ist laut Oilprice die Nachfrage nach Tankern gestiegen. Dieser Trend wird sich in den kommenden Monaten noch verstärken, wenn das EU-Embargo gegen russisches Öl und Kraftstoffe in Kraft tritt. Bloomberg berichtete Mitte September, dass sich die Reedereien bemühten, so viele Tanker der Eisklasse wie möglich vor dem Embargo zu bekommen, das Anfang Dezember für Rohöl und zwei Monate später für Kraftstoffe in Kraft tritt.

Krieg in der Ukraine belebt den Tankermarkt

Die Schiffe werden benötigt, um weiterhin russisches Öl und Kraftstoffe in außereuropäische Richtungen zu transportieren, da die EU nicht mehr in der Lage wäre sie zu kaufen, obwohl sich die europäischen Käufer derzeit in Erwartung des Embargos mit russischem Öl und Kraftstoffen eindecken. Der Krieg in der Ukraine und die Reaktion der EU darauf haben den globalen Tankermarkt bereits erheblich belebt und damit auch die Frachtkosten für Kohlenwasserstoffe. Seit der Invasion am 24. Februar ist die Nachfrage nach Tankern sprunghaft angestiegen und wird wahrscheinlich auch in Zukunft robust bleiben, nicht zuletzt, weil das Angebot recht begrenzt ist, erklärte Tor Svelland, der CEO von Svelland Capital im August gegenüber CNBC.

In den letzten Jahren wurden nur wenige Tanker gebaut und da die Branche dies nicht von heute auf morgen ändern kann, wird das Angebot wahrscheinlich knapp bleiben und die Kosten für den Transport von Öl und Kraftstoffen in die Höhe treiben. Anfang August meldete Bloomberg erneut, dass der globale Tankermarkt die stärkste Nachfrage seit mehr als zwei Jahrzehnten verzeichnete. Unter Berufung auf Daten von Clarkson Research Services hieß es in dem Bericht, der durchschnittliche Gewinn für einen Ölproduktentanker sei in den zwei Wochen bis zum 8. August auf 400.000 $ gestiegen - den höchsten Wert seit 1997.

Kraftstoffmarktlage wird durch Embargos verschärft

Inzwischen ist dieser Wert laut Oilprice wahrscheinlich noch höher und er wird weiter steigen, da die Nachfrage nach Kraftstoffen das Angebot in den kommenden Monaten übersteigt. Der Kraftstoffmarkt ist bereits jetzt angespannt, aber mit dem Inkrafttreten des EU-Kraftstoffembargos gegen Russland wird er noch enger werden, was den Wettbewerb um die begrenzte Flotte von Kraftstofftankschiffen weiter verschärfen wird.

„Das EU-Verbot für russische Ölprodukte ab Februar 2023 wird eine Neukalibrierung des Ökosystems des Ölhandels auslösen“, so die dänische Reederei Torm in einer von Bloomberg im Artikel zitierten Erklärung. „Ein Teil dieser Rekalibrierung des Handels hat bereits begonnen.“ Die Rekalibrierung wird nicht nur bedeuten, dass mehr Tanker russische Kraftstoffe und Rohöl zu außereuropäischen Bestimmungsorten transportieren, sondern auch, dass mehr Tanker Europa mit Öl und Kraftstoffen aus nicht-russischen Ländern versorgen. Unter diesen Ländern werden Oilprice zufolge wahrscheinlich auch China und Indien sein, die das russische Rohöl zu Kraftstoffen verarbeiten, welche dann nach Europa exportiert werden.

Rekordeinbruch der Raffineriekapazitäten

Zusätzlich zu dieser erwarteten Verknappung des Tankermarktes, die sich spürbar auf die Kraftstoffpreise auswirken wird, ist auch der weltweite Kraftstoffmarkt angespannt und wird es in den kommenden Jahren wahrscheinlich bleiben. Einem Reuters-Bericht zufolge, der sich auf S&P-Research beruft, ist der Grund dafür ein Rekordeinbruch der weltweiten Raffineriekapazität, und zwar um 3,8 Millionen Barrel täglich zwischen März 2020 und Juli 2022.

Während die Raffineriekapazitäten schrumpften, stieg die Kraftstoffnachfrage um 5,6 Millionen Barrel pro Tag, so dass eine beträchtliche Lücke zum Angebot auf Basis der Raffineriekapazitäten entstand. Neue Raffineriekapazitäten im Umfang von etwa 2 Mio. bpd dürften bis Ende nächsten Jahres in Betrieb genommen werden, sofern es nicht zu Verzögerungen kommt, was laut der S&P-Studie sehr wahrscheinlich ist. Weitere Kapazitätserweiterungen sind sehr viel unwahrscheinlicher, da die Raffinerien befürchten, dass die Energiewende potenzielle neue Raffinerien in absehbarer Zeit zu Stranded Assets (gestrandete Vermögenswerte) machen wird.

Aufschlag auf die Kraftstoffpreise wahrscheinlich

In dieser Situation sieht die Zukunft für die Erschwinglichkeit und die breite Verfügbarkeit von Kraftstoffen nicht gut aus. Mit dem Inkrafttreten des EU-Öl- und Treibstoffembargos wird sich Russland an neue Kunden in Asien, Afrika und, laut Bloomberg, Lateinamerika wenden. Die EU selbst wird ihre Kraftstoffe aus Ländern wie dem Nahen Osten, den USA und, wie bereits erwähnt, Indien und China beziehen müssen.

Aufgrund der angespannten Versorgungslage, die sicherlich einen Aufschlag auf die Kraftstoffpreise zur Folge hätte, ist es nicht undenkbar, dass Länder, die Kraftstoffe aus Russland importieren, wie die beiden asiatischen Giganten und Saudi-Arabien, beschließen könnten, das zu tun, was China mit russischem LNG tut: es zu einem Aufschlag an Europa weiterzuverkaufen.

In der Zwischenzeit haben die USA mit eigenen Engpässen bei den Kraftstoffvorräten zu kämpfen, insbesondere bei den Vorräten an Mitteldestillaten, Diesel und Düsentreibstoff. Für Europa bedeutet dies, dass die Hilfe, die es von den USA in Form höherer Kraftstoffausfuhren erwarten kann, begrenzt wäre: Es gibt einfach laut Reuters nicht genug Dieselkraftstoff für den Export. Dies könnte in diesem Winter zu einem weiteren Aufschlag auf die Kraftstoffpreise führen. Tanker und Kraftstoffe werden den Kraftstoff in diesem Winter teurer machen, da die Welt versucht, die Inflation zu bekämpfen. Tanker und Kraftstoffe werden bei diesem Kampf nicht helfen.

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