Finanzen

Währungskrise: Japan muss im Devisenmarkt intervenieren

Japan stellt sich gegen den weltweiten geldpolitischen Trend – und muss nun erstmals seit vielen Jahren den Yen stützen.
22.09.2022 14:00
Lesezeit: 2 min

Japans Zentralbank greift erstmals seit 1998 zur Stützung des schwächelnden Yen in den Devisenmarkt ein. Dies gab ein Regierungsvertreter am Donnerstag bekannt. Mit Käufen der eigenen Währung verschafft die Bank of Japan (BoJ) dem Yen damit eine Atempause. Dadurch fiel der Dollar zunächst auf 142,90 Yen, nachdem er zuvor auf ein 24-Jahres-Hoch von 145,89 Yen gestiegen war. Anleger hatten seit längerem über einen solchen Eingriff spekuliert.

„Einseitige Interventionen sind auf Dauer wenig erfolgversprechend, dass hatte die BoJ in der Vergangenheit bereits schmerzhaft erfahren müssen“, sagte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. „Sie könnten aber vielleicht ausreichen, der BoJ Zeit zu verschaffen, falls sie eine baldige Abkehr von der ultra-expansiven Geldpolitik erwägt.“

Zuletzt hatten die Spekulationen auf eine Intervention zugenommen, nachdem die Notenbank einem Medienbericht zufolge einen Eingriff am Devisenmarkt vorbereitete. Die Zeitung Nikkei hatte unter Berufung auf Insider über einen sogenannten Kurstest berichtet. Dabei werden Devisenhändler angerufen und nach dem Preis für Kauf und Verkauf des Yen gefragt. Diese Kursüberprüfung wurde als Vorläufer für eine Intervention der Zentralbank interpretiert.

Gegen den Trend: Japan bleibt ultralocker

Die Notenbank beließ am Donnerstag die kurzfristigen Zinsen bei minus 0,1 Prozent. Und die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen will sie weiterhin um null Prozent herum halten. Zudem soll es künftig bei der lockeren Linie bleiben. Notenbankchef Haruhiko Kuroda sagte nach dem Zinsbeschluss, es sei angebracht, die „kraftvolle“ geldpolitische Lockerungspolitik beizubehalten, um die Wirtschaft zu stützen.

Der starke Wertverfall des Yen mache den Firmen allerdings das Leben schwer. „Wir werden die Zinsen einige Zeit lang nicht erhöhen“, fügte er hinzu. Die japanische Währung hat stark an Wert verloren, weil japanische Vermögenswerte für Investoren weniger attraktiv sind, seit die Zinsen außerhalb des Fernost-Landes fast allerorten anziehen. In den USA, der Euro-Zone, der Schweiz und Großbritannien ist ein geldpolitischer Straffungskurs im Gang.

Zugleich werden die in Dollar abgerechneten Energieimporte für das rohstoffarme Japan im Zuge des Yen-Verfalls teurer.

Lesen Sie dazu: Kooperation wird verlängert: Japan setzt weiterhin auf russisches Gas

Die Notenbank schafft nun auf Weisung der Regierung etwas Abhilfe, indem sie Dollar verkauft und große Mengen Yen aufkauft. Zuletzt hatte Japan zur Stützung seiner Währung 1998 interveniert. Damals hatte die asiatische Finanzkrise einen Yen-Ausverkauf und einen raschen Kapitalabfluss aus der Region ausgelöst. Davor hatte Tokio in den Jahren 1991-1992 interveniert.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Rekord-Schlussstände für S&P 500 und Nasdaq, während der Dow leicht nachgibt
27.04.2026

Spannung an der Wall Street: Erfahren Sie, welche überraschenden Entwicklungen die Anleger derzeit in Atem halten.

DWN
Technologie
Technologie 6G-Standard: Ericsson und Forschungszentrum Jülich starten KI-Kooperation
27.04.2026

Ericsson und das Forschungszentrum Jülich entwickeln gemeinsam KI-Verfahren für den kommenden 6G-Standard. Grundlage ist JUPITER, der...

DWN
Panorama
Panorama Mehr tödliche Fahrradunfälle: Zahlen alarmieren - Ältere besonders stark gefährdet
27.04.2026

Immer mehr Menschen steigen in Deutschland aufs Fahrrad oder E-Bike um. Doch parallel dazu wächst die Zahl tödlicher Unfälle deutlich...

DWN
Politik
Politik Wegen Iran-Krieg: Pentagon prüft Suspendierung von NATO-Verbündeten - ist das überhaupt möglich?
27.04.2026

Der Iran-Krieg verschärft die Spannungen innerhalb der NATO deutlich. Washington prüft derzeit Maßnahmen gegen Verbündete, die...

DWN
Panorama
Panorama White House Correspondents Association: Sicherheitslücken bei Trump-Gala sorgen für Kritik
27.04.2026

Schüsse bei einer Gala mit Donald Trump erschüttern Washington und werfen drängende Fragen zur Sicherheit auf. Hochrangige Politiker...

DWN
Politik
Politik Russland bestellt deutschen Botschafter ein: "Völlig haltlose Maßnahme"
27.04.2026

Die Beziehungen zwischen Berlin und Moskau verschärfen sich erneut. Nach einem umstrittenen Treffen in der Ukraine erhebt Russland schwere...

DWN
Finanzen
Finanzen Börsen überwiegend in Grün trotz Iran-Konflikt: Hoffnung auf Öffnung der Straße von Hormus
27.04.2026

Ein möglicher Vorschlag Irans zur Öffnung der Straße von Hormus sorgt für Bewegung an den Märkten. Anleger in Deutschland reagieren...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Steigende Energiepreise belasten Handel: Umfrage zeigt massive Kostenprobleme
27.04.2026

Weiter steigende Energiepreise verschärfen die ohnehin schwierige wirtschaftliche Lage des Einzelhandels. Laut aktueller HDE-Umfrage ist...