Politik

Iran: Israel und westliche Geheimdienste schüren Regime Change

Die unter Druck geratene Führung des Iran sieht in den Protesten eine vom Ausland gesteuerte Operation. Deutschland wird erstmals offiziell als „Satan“ bezeichnet.
17.11.2022 10:57
Aktualisiert: 17.11.2022 10:57
Lesezeit: 2 min

Der Iran wirft Israel und westlichen Geheimdiensten vor, einen Bürgerkrieg in dem Land anzetteln zu wollen. „Diverse Sicherheitsdienste, Israel und einige westliche Politiker“ hätten Pläne gemacht für einen Bürgerkrieg sowie die Zerstörung und den Zerfall des Iran, schrieb Außenminister Hossein Amirabdollahian am Donnerstag auf Twitter. Sein Land werde darauf aber nicht hereinfallen. Der Iran sei nicht Libyen oder der Sudan.

Die iranische Führung sieht sich seit Monaten mit einer landesweiten Protestwelle konfrontiert. Teheran wirft dem Westen vor, die Unruhen zu schüren. Auslöser ist der Tod der 22-jährigen Kurdin Mahsa Amini. Sie war Mitte September in Teheran von der Sittenpolizei festgenommen worden, weil sie angeblich gegen die Regeln zum Tragen eines Kopftuchs verstoßen haben soll. Drei Tage später starb sie. Bei ihrer Beerdigung brachen erste Proteste aus, die sich schnell auch gegen die Führung des Landes richteten.

Am Mittwoch wurden iranischen Staatsmedien zufolge mehrere Menschen bei einem Angriff auf einen Marktplatz in der Stadt Iseh getötet. In den Berichten ist von einem Terrorakt die Rede. In Isfahan hätten zudem bewaffnete Motorradfahrer auf Sicherheitskräfte geschossen. Dabei seien zwei Menschen getötet worden.

„Satan“ Deutschland

Auch der Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) hat erneut den Westen für die systemkritischen Proteste im Land verantwortlich gemacht. Irans Feinde hätten sich für einen Krieg vorbereitet, sagte Hussein Salami am Donnerstag während einer Rede in der Stadt Ghom. „Alle Satane der Welt haben sich versammelt. Amerika, England, Deutschland, Frankreich, Israel, die Saudis und weitere.“ Es war das erste Mal, dass ein hochrangiges IRGC-Mitglied Deutschland öffentlich als „Satan“ bezeichnete.

Salami warnte weiter vor einem inneren Konflikt im Land. Beobachter sehen die Worte jedoch als Versuch, von den Ursachen der landesweiten Proteste abzulenken. Der Kommandeur war jüngst wegen iranischer Waffenlieferungen an Russland für den Krieg in der Ukraine von der EU mit Sanktionen belegt worden.

Lesen Sie dazu: Die große DWN-Analyse, Teil Eins: Wie der Iran zu einer Drohnen-Macht aufstieg

Auch am Mittwoch waren wieder zahlreiche Menschen bei Protesten auf den Straßen. Aktivisten hatten zu dreitägigen Demonstrationen und Streiks im Gedenken an den „blutigen November“ von 2019 aufgerufen, als Sicherheitskräfte Proteste gewaltsam niederschlugen. Hunderte Demonstranten sollen vor drei Jahren getötet worden sein.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Škoda Indien: „In China überleben nur die Stärksten“
06.07.2026

China galt lange als Pflichtmarkt für jeden Autobauer, der global mitspielen wollte. Doch Škoda zieht sich zurück und setzt stattdessen...

DWN
Politik
Politik Nato-Gipfel: Zahlreiche Festnahmen in der Türkei
06.07.2026

Die Behörden haben kurz vor dem Nato-Gipfel, der am 7. und 8. Juli stattfindet, ihre Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Razzien treffen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau: Reifenhersteller Conti verkauft Kunststofftechnik - Gewerkschaft warnt
06.07.2026

Schon seit längerem plant der Reifenhersteller Continental den Verkauf seiner Kunststofftechniksparte. Nun ist ein Käufer gefunden....

DWN
Finanzen
Finanzen Fiskalischer Spitzenreiter: Wie Deutschland seinen Bürgern am meisten abknöpft
06.07.2026

Eine Analyse zur Steuerbelastung in Europa zeigt für das Jahr 2026 eine bittere Wahrheit für deutsche Steuerzahler: Die Bundesrepublik...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Aufhebungsvertrag wegen Personalabbau: Die wichtigsten Fakten
05.07.2026

Personalabbau ist auf Grund der schlechten wirtschaftliche Lage derzeit für viele Unternehmen ein Thema. Maßnahmen sind häufig...

DWN
Politik
Politik AfD-Parteitag in Erfurt: Massiver Protest gegen die AfD - Spitzenduo bestätigt
05.07.2026

Die AfD hat ihr Spitzenduo Weidel-Chrupalla wiedergewählt. In der zweiten Reihe gibt es neue Gesichter. Vom Protest vor der Halle sahen...

DWN
Finanzen
Finanzen Manchester United, BVB und Juventus: Wenn Fußballklubs an die Börse gehen
05.07.2026

Fußball und Kapitalmarkt wirken auf den ersten Blick wie getrennte Welten. Doch mehrere europäische Klubs sind börsennotiert, darunter...

DWN
Finanzen
Finanzen Interview: Ich lebe in Japan und investiere
05.07.2026

Dita Vārna Yoshimura lebte lange von Gehalt zu Gehalt, dann entdeckte sie durch ihren Mann die Börse. Heute investiert die Lettin aus...