Finanzen

Umfrage: Währungen aufstrebender Länder könnten 2023 interessant sein

Einer Umfrage zufolge könnten kommendes Jahr Währungen aufstrebender Länder profitieren – falls es nicht zu einer weltweiten Rezession kommt.
12.12.2022 15:00
Aktualisiert: 12.12.2022 15:14
Lesezeit: 2 min
Umfrage: Währungen aufstrebender Länder könnten 2023 interessant sein
Das Siegel der indischen Zentralbank. (Foto: dpa) Foto: Jagadeesh Nv

Währungen sogenannter Schwellenländer werden Experten zufolge den Dollar als Bezahlmittel mit dem größten Potenzial im kommenden Jahr vom Thron stoßen. Gründe dafür sehen sie unter anderem in den voraussichtlich behutsameren US-Zinserhöhungen sowie der schrittweisen Wiedereröffnung der chinesischen Wirtschaft nach der Pandemie.

Davon könnten neben dem chinesischen Yuan auch Devisen aufstrebender Volkswirtschaften wie die indische Rupie oder der brasilianische Real profitieren. „Die Zentralbanken der wichtigsten Schwellenländer haben an Glaubwürdigkeit gewonnen“, zitiert Reuters Benjamin Melman, Investmentchef von Edmond de Rothschild Asset Management. Sie hätten ihre Geldpolitik zuletzt stark gestrafft. Wenn die US-Notenbank Federal Reserve System bei ihren Zinserhöhungen vom Gaspedal gehe, könnte eine Aufwertung der Schwellenländer-Währungen zügig folgen.

Auch Investoren sind nach den turbulenten Monaten an den Börsen wieder risikofreudiger und gehen verstärkt auf Renditejagd. Einige Schwellenländer bieten dabei möglicherweise attraktive Gelegenheiten: Während die inflationsbereinigte Verzinsung der zehnjährigen US-Staatsanleihen momentan bei 1,08 Prozent liegt, beträgt diese zum Beispiel für das brasilianische Pendant 6,07 Prozent.

Alle Augen auf die Federal Reserve

Bereits im Dezember könne die Zeit gekommen sein, Tempo bei den Zinsanhebungen herauszunehmen, hatte US-Notenbankchef Jerome Powell Anfang Dezember gesagt. Als ausgemacht an den Börsen gilt, dass die Fed am Mittwoch die Zinsen um 0,50 Prozentpunkte erhöht. Zuvor hatte sie die Zinsen vier Mal in Folge um 0,75 Prozentpunkte angehoben. Die erwartete schwächere Zinsanhebung bereits in den Kursen eingepreist.

Nach einem Ende September erreichten 20-Jahres-Hoch hat der der Dollar gegenüber einem Korb der wichtigsten Währungen mittlerweile einen Rückgang von rund acht Prozent verzeichnet. Auf den Terminmärkten setzten Händler nach Berechnungen von Reuters im November zum ersten Mal seit 16 Monaten auf einen Rückgang statt auf eine Stärkung der US-Währung.

Im selben Monat verzeichnete der Schwellenländer-Währungs-Index den stärksten Zuwachs in über sieben Jahren. Auch der chinesische Yuan und die indische Rupie legten im Vergleich zum Dollar im Vorjahresvergleich rund zehn Prozent zu.

Antrieb aus China

In China zeichnet sich eine Wiedereröffnung der Wirtschaft durch ein Abrücken von der strikten Null-Covid-Politik nach ersten Lockerungen vor einigen Tagen ab. Erwartet werde, dass der Yuan sich im kommenden Jahr gegenüber dem Dollar mindestens stabilisiere, sagt Rothschild-Experte Melman. „Das wird sich sehr positiv auf andere Währungen auswirken.“ So werde der thailändische Bath nach aller Wahrscheinlichkeit von einer Eröffnung in China durch steigende Tourismuszahlen profitieren, prognostiziert Carlos Fernandez-Aller, Leiter des Schwellenländer-Teams bei der Bank of America.

Die Öffnung der chinesischen Wirtschaft wird aber nicht nur in der direkten Nachbarschaft, sondern auch in anderen Teilen der Welt spürbar sein. Viele lateinamerikanische Länder exportieren große Mengen an Waren nach China. So ist Brasilien beispielsweise ein wichtiger Rohstofflieferant. „Der Real ist an die chinesische Wirtschaft gekoppelt“, so Melman.

Dennoch werden auch Warnungen vor einem frühzeitigen Abgesang auf die Weltleitwährung Dollar laut. „Eine weltweite Konjunkturabschwächung würde die Nachfrage nach sicheren Häfen stärken“, sagt Aaron Hurd, Portfoliomanager bei State Street Global Advisors.

In der Euro-Zone ist laut Vermögensverwalter Amundi 2023 mit einer Rezession zu rechnen. Vor allem das erste Quartal werde Anlegern zusetzen und damit für eine Stärkung des Dollars sorgen, sagt Thomas Kruse, Chefanleger bei Amundi Deutschland. In der zweiten Jahreshälfte würden dann vor allem die Währungen der Schwellenländer interessant werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Wall Street gibt nach, während die Anleiherenditen sinkentitle
29.09.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Impulse die US-Märkte im späten Handel bewegten.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Förderprogramm für Azubi-Vermittlung vor dem Aus – trotz offener Ausbildungsplätze
29.09.2026

Viele offene Lehrstellen, viele Jugendliche ohne Perspektive – und trotzdem soll ein bewährtes Förderprogramm für die Azubivermittlung...

DWN
Finanzen
Finanzen Geldvermögen: Haushalte so reich wie nie - Rekordsumme ungleich verteilt
29.09.2026

Das weltweite Geldvermögen erreicht laut Allianz ein Rekordhoch. Doch der Zuwachs kommt bei Milliarden Menschen nicht an. Die Unterschiede...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Funflation: Warum selbst der Spaß immer teurer wird
29.09.2026

Urlaub, Restaurant oder Hobby: Wer seine Freizeit genießen will, muss immer tiefer in die Tasche greifen. Eine Analyse der Bank of America...

DWN
Politik
Politik Kippt der Länderfinanzausgleich? Union droht bei Linksregierung mit Geldentzug
29.09.2026

Nach dem Wahlsieg der Linkspartei in Berlin könnte diese bald die Regierung anführen. Die CDU- und CSU-geführten Bundesländer drohen...

DWN
Finanzen
Finanzen Reicher Westen, armer Osten: Enorme Vermögensungleichheit verschärft sich 2025
29.09.2026

Am 36. Jahrestag der Wiedervereinigung herrschen enorme Unterschiede bei der Vermögensverteilung: Alleine im Jahr 2025 entfielen 95...

DWN
Politik
Politik Deutschland vergreist: Kinderwunsch sinkt – das sind die Folgen
29.09.2026

In Deutschland sinkt nicht nur kontinuierlich die Geburtenrate, sondern erstmals seit vielen Jahren sogar auch der Wunsch nach eigenen...

DWN
Finanzen
Finanzen Lateinamerika-Aktien: Das Comeback, das kaum jemand auf dem Radar hat
29.09.2026

Jahrelang mieden Anleger Lateinamerika, nun schlägt die Region sogar den S&P 500. Rohstoffe, Banken und überraschend niedrige Bewertungen...