Unternehmen

Commerzbank strebt zurück in den Dax

Konzernumbau und Zinswende im Euroraum geben der Commerzbank Rückenwind. Trotz Belastungen bei der polnischen Tochter mBank dürfte das Institut das Gewinnziel für 2022 erreicht haben. Das nährt beim Vorstand die Zuversicht, bald wieder Dax-Mitglied zu sein.
13.02.2023 11:14
Lesezeit: 2 min

Den angepeilten Milliardengewinn hat die Commerzbank 2022 ziemlich sicher erreicht – nun strebt das Institut zurück in die erste deutsche Börsenliga. Um die Rückkehr in den Dax nach fast viereinhalb Jahren zu beschleunigen, hatte das derzeit im MDax der mittelgroßen Werte gelistete Institut bereits Ende Januar Eckdaten für das abgelaufene Geschäftsjahr veröffentlicht.

Am kommenden Donnerstag (16.2.) legt die Commerzbank die detaillierte Bilanz für 2022 vor, am Abend des folgenden Tages will die Deutsche Börse bekanntgeben, wer für Linde in den Deutschen Aktienindex nachrückt. Die Zahlen sprechen für die Commerzbank.

Commerzbank erzielt Milliardengewinn

Den vorläufigen Ergebnissen zufolge verdiente die Commerzbank im vergangenen Jahr vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) knapp 3,4 Milliarden Euro. Der Vorsteuergewinn des Frankfurter Geldhauses lag demnach bei gut zwei Milliarden Euro. Unter dem Strich hatte der Vorstand um Konzernchef Manfred Knof für 2022 einen Überschuss von mehr als einer Milliarde Euro angepeilt.

Analysten rechnen im Schnitt mit rund 1,4 Milliarden Euro Gewinn unter dem Strich. Das wäre mehr als drei Mal so viel wie ein Jahr zuvor. 2021 war das seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Institut nach einem teuren Konzernumbau in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt und hatte unter dem Strich 430 Millionen Euro verdient.

Profitieren sollen von den deutlich verbesserten Ergebnissen auch die Aktionärinnen und Aktionäre. Anfang November hatte Finanzchefin Bettina Orlopp bekräftigt: „Die Zahlung einer Dividende haben wir weiterhin fest im Blick.“ Es wäre die erste Gewinnausschüttung der Commerzbank seit 2018 und die dritte, seit der Staat das Institut in der Finanzkrise 2008/2009 mit Steuermilliarden rettete.

Sanierungskurs durch umfangreiche Einsparungen

Der Anfang 2021 als Sanierer angetretene Knof hatte den Sparkurs verschärft. Die Bank baute Tausende Stellen ab und verkleinerte ihr noch vor der Corona-Pandemie mit etwa 1000 Standorten vergleichsweise engmaschiges Filialnetz deutlich. „Im Moment fühle ich mich mit dem Setup von rund 400 Filialen woh“», sagte Privatkundenchef Thomas Schaufler im Dezember der Deutschen Presse-Agentur.

Die Zinswende im Euroraum gibt der Commerzbank Rückenwind. Banken müssen seit Juli vergangenen Jahres nichts mehr zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken, sondern bekommen dafür wieder Zinsen. Zudem verdienen Geldhäuser zum Beispiel an höheren Kreditzinsen.

Anfang November hatte der Vorstand daher die Ertragsprognose für das Jahr 2024 angehoben: Dank gestiegener Zinsen und eines verbesserten Kundengeschäfts sollen die Erträge - also die gesamten Einnahmen der Commerzbank - dann auf zehn Milliarden Euro steigen und damit fast eine Milliarde höher ausfallen als bisher angepeilt.

Inflation treibt Ausgaben der Bank in die Höhe

Der Großteil der Mehreinnahmen dürfte jedoch für höhere Kosten draufgehen. Wegen der anhaltend hohen Inflation rechnete der Vorstand im November damit, dass die Gesamtaufwendungen im Jahr 2024 mit 6,0 Milliarden Euro über den zuvor avisierten 5,4 Milliarden Euro liegen werden. Analysten gehen gar von einem noch größeren Kostenblock aus.

An Erträgen und Gewinn der Commerzbank zehrten auch im Jahr 2022 die umstrittenen Schweizer-Franken-Kredite bei der polnischen Tochter mBank. Hinzu kamen unter anderem die in Polen gesetzlich verordneten Zins- und Tilgungsstundungen („Credit Holidays“). In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres summierten sich die Belastungen im Zusammenhang mit der mBank bei der Commerzbank auf knapp eine Milliarde Euro. Die mBank schrieb im Gesamtjahr 2022 rote Zahlen.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Nach der Genehmigung eines XRP-ETFs durch Trump:Standard Chartered sieht XRP als potenziell renditestärkste Kryptowährung im Jahr 2026

Vor dem Hintergrund der Genehmigung eines XRP-ETFs durch Donald Trump und einer deutlich verbesserten regulatorischen Lage in den USA...

 

 

DWN
Unternehmen
Unternehmen Edeka-Händler Feneberg insolvent: 3.000 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs
09.01.2026

Die Feneberg-Insolvenz trifft den Lebensmitteleinzelhandel im Süden unerwartet hart. Trotz geöffneter Märkte und gesicherter Löhne...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt burgbad Badmöbel: Acht Millionen Euro für eine neue Produktionslogik
09.01.2026

Acht Millionen Euro investierte CEO Stefan Sallandt 2025 in die Automatisierung des Badmöbelherstellers burgbad. Damit gehört das...

DWN
Technologie
Technologie Anwendung von KI-Tools im Job: Mitarbeiter sind schneller als Arbeitgeber
09.01.2026

Noch nutzt nur jeder Fünfte KI regelmäßig am Arbeitsplatz, wie eine aktuelle Studie des ifo Instituts belegt. Doch was überrascht: Zwei...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nach 25 Jahren Verhandlungen: EU macht Weg für Mercosur-Abkommen frei
09.01.2026

Nach jahrzehntelangen Verhandlungen ist der Weg für das Freihandelsabkommen zwischen der EU und südamerikanischen Staaten frei. Während...

DWN
Politik
Politik Atommülltransporte durch NRW: Gericht stärkt Genehmigung – Proteste gehen weiter
09.01.2026

Seit Monaten ist der Transport von Atommüll durch Nordrhein-Westfalen genehmigt. Nun hat ein Gericht den Widerstand des Umweltverbands...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Cybergefahr für Bankkunden: Sicherheitsamt warnt vor Betrugswelle
09.01.2026

Phishing-Mails, gefälschte Webseiten und Anrufe unter falschem Namen nehmen zu – Betrüger versuchen gezielt, an das Geld von Bankkunden...

DWN
Panorama
Panorama Berliner Blackout: Wegner startet Analyse des Krisenmanagements
09.01.2026

Nach dem öffentlichen Wirbel um sein Tennismatch während des Stromausfalls will Berlins Regierungschef Wegner verlorenes Vertrauen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zwischen Pflichtgefühl und Selbstfürsorge: So entscheiden sich Beschäftigte bei Krankheit
09.01.2026

Viele Arbeitnehmer stehen täglich vor der Frage, ob sie trotz Beschwerden zur Arbeit gehen oder eine Pause einlegen. Diese Entscheidung...