Politik

Russland spielt für China die Rolle des Juniorpartners

Der Ukraine-Konflikt hat Russland und China näher zusammengeführt. Die guten Beziehungen sind für China vorteilhaft, für Russland hingegen absolut notwendig.
Autor
21.03.2023 15:04
Aktualisiert: 21.03.2023 15:04
Lesezeit: 3 min
Russland spielt für China die Rolle des Juniorpartners
Bei ihrem Treffen am Montag war Chinas Präsident Xi ruhig wie immer, während Präsident Putin ungewöhnlich nervös wirkte. (Foto: dpa) Foto: Sergei Karpukhin

Bereits am Montag hat sich Russlands Präsident Wladimir Putin ungewöhnlich demütig gegenüber seinem hohen Besuch aus China verhalten. Nervös rutschte Putin auf seinem Stuhl hin und her, während er Präsident Xi Jinping und dessen Land Komplimente machte. Offenbar will der russische Staatschef dem hohen Gast und der ganzen Welt deutlich machen, dass Russland in den freundschaftlichen Beziehungen zu China der Juniorpartner ist und diese Rolle auch gern annimmt.

Russland in der Rolle des Juniorpartners

Putin bezeichnete China ausdrücklich als Vorbild. Er sei etwas neidisch wegen der schnellen wirtschaftlichen Entwicklung des Riesenreichs in den vergangenen Jahrzehnten. „China hat ein sehr effektives System geschaffen, um die Wirtschaft zu entwickeln und den Staat zu stärken“, sagte der russische Präsident. „Es ist sehr viel effektiver als in vielen anderen Ländern.“ Zudem hat Putin das Vermittlungsangebot Chinas für einen Waffenstillstand in der Ukraine begrüßt.

Infolge der westlichen Sanktionen hat sich Russland längst noch stärker in Richtung China orientiert, als dies bereits zuvor der Fall der war. China wurde 2022 zum wichtigsten russischen Handelspartner. Im vergangenen Jahr erreichte der bilaterale Handel das Rekordvolumen von 190 Milliarden Dollar. Zum ersten Mal in der Geschichte der Moskauer Börse hat der Yuan im vergangenen Monat den Dollar als die am meisten gehandelte Währung überholt.

Maria Shagina, Senior Research Fellow am International Institute for Strategic Studies, erklärte die derzeitigen Beziehungen zwischen den beiden Staaten gegenüber der Financial Times in aller Klarheit: „Die Sanktionen haben die ohnehin schon asymmetrischen Beziehungen zwischen Russland und China noch verschärft. Es ist schwer zu verbergen, dass Russland jetzt ein Juniorpartner ist.“

Handel zwischen China und Russland nimmt zu

Infolge der westlichen Sanktionen ist der Handel mit China für Russland so wichtig wie nie zuvor. Im Gegenzug kann Russland den Chinesen umfangreiche natürliche Ressourcen bieten. Im Januar überholte Russland Katar, Turkmenistan und Australien und wurde mit 2,7 Milliarden Kubikmetern zum größten Gaslieferanten Chinas, wie chinesische Zolldaten zeigen.

„Die Logik der Ereignisse diktiert, dass wir vollständig zu einer chinesischen Rohstoffkolonie werden“, zitiert die Financial Times eine der Kreml nahe stehende Person. „Unsere Server werden von Huawei kommen. Wir werden Chinas Hauptlieferant für alles sein. Sie werden Gas von Power of Siberia beziehen. Bis Ende 2023 wird der Yuan unsere Haupthandelswährung sein.“

Im vergangenen Jahr stiegen Chinas Importe russischer Energie, die mehr als 40 Prozent der russischen Haushaltseinnahmen ausmachen, von 52,8 Milliarden Dollar auf 81,3 Milliarden Dollar. Nach Angaben des Center on Global Energy Policy (CGEP) an der Columbia School of International and Public Affairs war Russland Chinas zweitgrößter Lieferant von Rohöl und Kohle.

Schon im Jahr 2014, als Moskau wegen der Eingliederung der Halbinsel Krim in die Russische Föderation vom Westen mit Sanktionen belegt wurde, spielte dies China in die Hände spielen. Damals unterzeichneten Russland und China eine Vereinbarung über die Pipeline „Power of Siberia“, die China eine kostengünstige Versorgung mit Gas ermöglicht. Das Projekt wurde 2019 in Betrieb genommen.

Russland setzt auf Hardware aus China

Da die Einfuhr von Mikrochips, 5G-Ausrüstung und schweren Industriemaschinen jetzt den US-Ausfuhrkontrollen unterliegt, setzt Russland auf chinesische Hersteller. Laut Bruegel, einer in Brüssel ansässigen Denkfabrik, importierte Moskau im vergangenen Jahr elektrische Maschinen und Teile im Wert von 4,8 Milliarden Dollar aus China, da die Lieferungen aus anderen Ländern stark zurückgingen.

Während Russlands Importe von Spitzentechnologie vor dem Krieg „mehr oder weniger diversifiziert, orientieren sie sich jetzt in einem Maße auf chinesische Lieferanten, dass der russische Markt sehr oft völlig vom chinesischen Markt abhängig ist“, zitiert die Financial Times Vita Spivak, stellvertretende Beraterin bei der auf Risiken spezialisierten Beratungsfirma Control Risks.

Chinesische Technologie ist auch die einzige Möglichkeit für Russland, weiterhin einen Großteil der Energie zu produzieren, die China importiert. Yakov and Partners, der frühere russische Zweig von McKinsey, bezeichnete die frühere Abhängigkeit Russlands von westlichen Ölfelddienstleistungskonzernen wie Halliburton und Baker Hughes als „Achillesferse“, da die Produktion nach deren Weggang voraussichtlich um 20 Prozent zurückgehen würde.

Auch Projekte wie das arktische LNG-Projekt von Novatek in Westsibirien sind davon betroffen. Russische Führungskräfte betonen jedoch, dass es Umgehungsmöglichkeiten gibt. „Nehmen wir an, Ihnen fehlt ein Kompressor, weil Siemens ihn herstellt“, sagte ein Manager. „Vielleicht verzichten Sie auf den Kompressor. Vielleicht bekommen Sie zwei Kompressoren aus China, die weniger gut sind. Aber für die meisten Dinge ist das machbar.“

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.
E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und erkläre mich einverstanden.
Ich habe die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Politik
Politik „Machen Sie sich auf die Auswirkungen gefasst“: EU kündigt weitere Gegenmaßnahmen zu US-Zöllen an
03.04.2025

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat die Bürger der EU auf die bevorstehenden wirtschaftlichen Folgen...

DWN
Politik
Politik US-Finanzminister warnt vor Vergeltungszöllen: Eskalation könnte die Lage verschärfen
03.04.2025

US-Finanzminister Scott Bessent hat betroffene Länder vor einer schnellen Reaktion auf die jüngste Ankündigung von Präsident Donald...

DWN
Politik
Politik AfD-Kandidat erstmals ins Verfassungsgericht gewählt: Zweidrittelmehrheit im Thüringer Landtag
03.04.2025

Die AfD hat einen Kandidaten für den Thüringer Verfassungsgerichtshof durchgesetzt: Rechtsanwalt Bernd Falk Wittig wurde mit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bewerbercheck: Dürfen Arbeitgeber frühere Chefs kontaktieren?
03.04.2025

Referenzen von ehemaligen Arbeitgebern können wertvolle Einblicke bieten – aber ist es rechtlich erlaubt, ohne Zustimmung des Bewerbers...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Sichere KI statt Datenleck: Das müssen Firmen beim Chatbot-Einsatz beachten
03.04.2025

KI-Chatbots sind im Mittelstand längst Alltag – doch oft fehlt es an Sicherheitsstandards. Der Hamburger KI- und Digitalisierungsexperte...

DWN
Panorama
Panorama Orban trifft Netanjahu in Budapest trotz Haftbefehl -und erklärt Rückzug aus Internationalen Strafgerichtshof
03.04.2025

Viktor Orbán ignoriert den Haftbefehl, den der Internationale Strafgerichtshof gegen Israels Premier erlassen hat – und heißt ihn in...

DWN
Politik
Politik Russlands Verzögerung der Verhandlungen könnte auch der Ukraine nützen
03.04.2025

Die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine mögliche Waffenruhe oder Friedenslösung ziehen sich weiter hin. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX aktuell: DAX-Kurs fällt nach Trumps Zollankündigung - wie sollten Anleger reagieren?
03.04.2025

Die erneute Zollankündigung von US-Präsident Donald Trump hat am Donnerstag die Aktienmärkte stark unter Druck gesetzt. Der DAX-Kurs...