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Mitarbeiter-Zufriedenheit: Wie Umstrukturierungen dem Arbeitgeber schaden

Fehlendes Vertrauen, mangelnde Kommunikation, wenig Wertschätzung: Eine Studie der Outplacementberatung Restart Career und der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu zeigt die negativen Auswirkungen schlecht durchgeführter Restrukturierungen auf die Arbeitgebermarke von Unternehmen.
26.07.2024 11:01
Lesezeit: 3 min
Mitarbeiter-Zufriedenheit: Wie Umstrukturierungen dem Arbeitgeber schaden
Unzureichend gemanagte Umstrukturierungsprozesse können das Vertrauen der Mitarbeiter und das Ansehen des Unternehmens beeinträchtigen. (Foto: iStock.com, jacoblund) Foto: jacoblund

Wenn die Reputation auf der Strecke bleibt

Die Analyse aus dem März 2024 basiert auf knapp 14.000 Bewertungen und 541 Kommentaren zu 16 Unternehmen, die in den vergangenen drei Jahren Umstrukturierungen durchgeführt haben. Das Ergebnis: Bei zwei Dritteln der untersuchten Unternehmen erholte sich die Arbeitgebermarke nicht vollständig; der sogenannte Kununu-Score, eine Bewertung, die die Zufriedenheit und Wahrnehmung der Mitarbeiter abbildet, blieb durchschnittlich sechs Prozent unter dem Niveau vor der Restrukturierung.

So sank der Kununu-Score während der Restrukturierung im Durchschnitt um elf Prozent, in Einzelfällen sogar um mehr als 25 Prozent. Als Negativbeispiele werden in der Studie Unternehmen wie Noventi Health und die Fielmann-Gruppe genannt, die während ihrer Restrukturierungsphasen massiv an Popularität einbüßten. So verlor Noventi Health 27 Prozent seiner positiven Bewertungen, bei der Fielmann-Gruppe wurde ein Rückgang von 21 Prozent festgestellt. „Die Einbußen zeigen, wie wichtig ein sensibles und gut durchdachtes Management von Restrukturierungen ist“, heißt es dazu in der Untersuchung.

Wirtschaftliche Herausforderungen und Restrukturierungen

Tatsache ist: In der aktuellen Konjunkturlage sehen sich viele Unternehmen gezwungen, Kosten zu senken und ihre Geschäftsmodelle zu überdenken, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Schlecht gemanagte Prozesse können jedoch das Vertrauen der Mitarbeiter und die Reputation des Unternehmens erheblich schädigen. Vor diesem Hintergrund weist die Erhebung darauf hin, dass eine erfolgreiche Restrukturierung nur dann möglich sei, wenn die Maßnahmen strategisch geplant und transparent kommuniziert werden. „Eine klare und nachvollziehbare Kommunikation ist der Schlüssel, um das Vertrauen der Belegschaft zu bewahren“, lautet daher eine Empfehlung der Autoren.

Wenn die Belegschaft verunsichert ist

Neben den quantitativen Verlusten in der Bewertung verdeutlicht die Studie auch die qualitativen Auswirkungen auf die Mitarbeiter. Viele Mitarbeiter fühlten sich in Zeiten der Restrukturierung unsicher und demotiviert, was zu einem Rückgang der Produktivität und einem Anstieg der Fluktuation führe. Genau diese Verunsicherung der Belegschaft sei oft das größte Hindernis für eine erfolgreiche Restrukturierung.

Von Umsetzung bis Wertschätzung – diese Erfolgsfaktoren entscheiden

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist die sorgfältige Planung und Durchführung der Restrukturierung. Dabei sei es wichtig, „soziale Kriterien zu berücksichtigen, auch wenn keine Sozialauswahl erforderlich ist.“ Zudem sollten Freiwilligenprogramme angeboten werden, die den Mitarbeitern ausreichend Zeit und Unterstützung bei der Entscheidungsfindung geben. „Wer soziale Kriterien vernachlässigt, riskiert, das Vertrauen seiner Mitarbeiter dauerhaft zu verlieren“, betonen die Verfasser.

Eine offene und transparente Kommunikation ist ein weiterer Erfolgsfaktor. Die Notwendigkeit der Restrukturierung müsse nachvollziehbar erklärt werden. Ein klarer Prozess und feste Regeln seien dabei ebenso unerlässlich wie die aktive Einbindung der Führungskräfte in die Kommunikation. Das schaffe Vertrauen und Klarheit.

Als dritten Erfolgsfaktor nennt die Studie Wertschätzung und Reintegration. Ein respektvoller und unterstützender Umgang mit den betroffenen Mitarbeitern sei dabei von großer Bedeutung. So sollten die Betroffenen von den Führungskräften und der Personalabteilung persönlich und nicht per E-Mail informiert werden. Zudem sollte ihnen professionelle Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung, dem sogenannten Outplacement oder Newplacement, angeboten werden.

Positivbeispiel Zalando

Die Studie hebt auch positive Beispiele hervor, in denen es Unternehmen gelungen ist, ihre Arbeitgebermarke durch gut gemanagte Restrukturierungen zu schützen. Ein Beispiel hierfür ist der Berliner E-Commerce-Spezialist Zalando, der durch transparente Kommunikation und umfassende Unterstützungsprogramme für betroffene Mitarbeiter seinen Kununu-Score stabil halten konnte. Während der Restrukturierungsphase verzeichnete der Onlinehändler nur einen minimalen Rückgang des Kununu-Scores um 3 Prozent.

Zudem berichteten 80 Prozent der betroffenen Mitarbeiter von einer klaren und transparenten Kommunikation seitens des Zalando-Managements. Über 75 Prozent der Mitarbeiter nutzten die angebotenen Unterstützungsprogramme, was zu einer höheren Zufriedenheit und einer verbesserten Wahrnehmung des Managements führte.

Langfristige Auswirkungen auf die Arbeitgebermarke

Die Kununu-Studie macht zwei Dinge deutlich. Erstens: Die Folgen von Umstrukturierungen reichen weit über den unmittelbaren Zeitraum hinaus. Und zweitens: Eine einmal beschädigte Arbeitgebermarke kann sich langfristig negativ auf die Fähigkeit eines Unternehmens auswirken, neue Talente anzuziehen und bestehende Mitarbeiter zu halten. „Der langfristige Schaden für die Arbeitgebermarke ist oft erheblich und kann die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens nachhaltig beeinträchtigen“, so die Warnung der Autoren.

Was heißt das für Personalverantwortliche?

Für HR-Verantwortliche heißt das: Ein schlechtes Restrukturierungsmanagement kann die Arbeitgebermarke nachhaltig schädigen. Unternehmen hingegen, die in Krisenzeiten transparent und fair agieren, können Vertrauen und Reputation bewahren und so langfristig als attraktiver Arbeitgeber bestehen. Daher sei es unerlässlich, Restrukturierungsprozesse sorgfältig zu planen und umzusetzen, um sowohl kurzfristige als auch langfristige Erfolge zu sichern.

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Carsten Schmidt

Carsten Schmidt ist seit Januar 2024 freier Autor für die Deutschen Wirtschafts­nachrichten. Der Finanz- und Wirtschaftsjournalist ist seit über zehn Jahren für verschiedene Wirtschafts- und Finanzmedien aktiv, unter anderem für CAPinside, DASINVESTMENT.com, multiasset.com, das private-banking-magazin.de sowie den Norddeutschen Rundfunk und die Lübecker Nachrichten. Darüber hinaus war er unter anderem für die HypoVereinsbank und verschiedene Kommunikationsagenturen tätig. Seine Schwerpunkte liegen auf Finanzmärkten und Fondsanalysen sowie Mittelstand und Wirtschaftspolitik. Carsten Schmidt ist Diplom-Germanist und Mitgründer des Surf- und Outdoormagazins Waves & Woods (2017).
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