Politik

Kämpfe bei Kursk - Drohnenangriffe auf russisches Hinterland

Russisch-ukrainischer Krieg: Die Ukraine greift in der Nacht mehrere russische Regionen mit Drohnen an. Im russischen Kursker Grenzgebiet finden weiter Kämpfe statt. Ziel ist die Ausweitung des Krieges.
09.08.2024 12:05
Lesezeit: 3 min
Kämpfe bei Kursk - Drohnenangriffe auf russisches Hinterland
Die Ukraine unternimmt weitere Angriffe auf russisches Gebiet. (Foto: dpa) Foto: ---

Drei Tage nach dem überraschenden Vorstoß ukrainischer Truppen auf das russische Gebiet Kursk hat die Ukraine Drohnenangriffe auf mehrere Regionen Russlands gestartet. Nach einem Angriff auf einen Militärflugplatz bei der Stadt Lipezk rund 300 Kilometer nördlich von der ukrainisch-russischen Grenze in der Nacht kam es zu massiven Explosionen in einem Munitionslager. Luftalarm wurde ebenfalls in den benachbarten Gebieten Kursk, Brjansk, Belgorod und Woronesch sowie auf der Krim ausgelöst. Über 70 Drohnen seien abgefangen worden, teilten die russischen Behörden mit.

Angriff auf Militärflugplatz: Notstand für Stadt Lipezk ausgerufen

Gouverneur Igor Artamonow teilte bei Telegram mit, um die Stadt Lipezk sei zur Beseitigung der Folgen der Explosionen der Notstand erklärt worden. Vier Dörfer um den Militärflughafen sollten evakuiert werden. In Lipezk und Umland wurde laut dem Gouverneur der öffentliche Nahverkehr gestoppt. Es kam wegen Schäden an einer Energieanlage zu Stromausfällen. Infolge der Angriffe seien neun Menschen verletzt worden. Der Militärflughafen liegt gut 280 Kilometer Luftlinie von der ukrainischen Grenze entfernt.

Auch auf der annektierten ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim wurden ukrainische Angriffe verzeichnet. Drei ukrainische Drohnen und eine Rakete des Typs «Neptun» seien über dem Meer vor der Hafenstadt Sewastopol abgeschossen worden, teilte der von Moskau eingesetzte Gouverneur der Großstadt, Michail Raswoschajew, mit. Zudem seien auch drei Seedrohnen zerstört worden. «Es hat keine Schäden an zivilen Objekten in der Stadt gegeben», betonte Raswoschajew bei Telegram. In sozialen Netzwerken kursierten dennoch Videos von Explosionen und Feuern, die hauptsächlich um den Militärflughafen Belbek aufgenommen worden sein sollen.

Weiter Kämpfe im Gebiet Kursk

Über dem Gebiet Kursk seien zudem weitere vier Raketen abschossen worden, hieß es von Behördenvertretern weiter. In dem Gebiet an der Grenze zur Ukraine finden seit Dienstag Kämpfe zwischen ukrainischen und russischen Truppen statt. Ukrainische Truppen sollen mehrere russische grenznahe Ortschaften kontrollieren.

Bei den Kämpfen in Kursk kam es nach einem ukrainischen Artillerieschlag mutmaßlich auf eine russische Militärkolonne östlich der Kreisstadt Rylsk zudem zu Bränden. Anwohner machten schwer verifizierbare Aufnahmen von brennender Militärtechnik und verbreiteten diese über soziale Netzwerke. Es wurde von mehreren Einschlägen berichtet. Auf einem weiteren am Morgen aufgenommenen Video, das die Folgen dieses Vorfalls zeigen soll, sind gut ein Dutzend teils ausgebrannte Militärlaster zu sehen. Unabhängige Bestätigungen dafür lagen nicht vor.

Militärbeobachtern zufolge ließen die Kämpfe im Kursker Gebiet in der Nacht nicht nach. Beide Seiten sollen Reserven herangezogen haben. Über Frontverschiebungen gab es zunächst keine verlässlichen Informationen.

Ukraine gibt keine Details zu Kämpfen auf russischem Gebiet preis

Der ukrainische Generalstab machte weiter keine Angaben zu den Kämpfen auf russischem Staatsgebiet. Im Morgenbericht bei Facebook war lediglich die Rede von russischen Luft- und Artillerieangriffen an der Grenze zwischen den nordostukrainischen Gebieten Tschernihiw und Sumy. Mehr als ein halbes Dutzend Ortschaften vor allem im Grenzbereich zu Russland seien betroffen.

Die ukrainischen Militärbeobachter des Kanals DeepState kennzeichneten unterdessen eine Fläche von etwa 140 Quadratkilometer im Kursker Gebiet mit drei Dörfern als ukrainisch kontrolliert. Die Kreisstadt Sudscha steht demnach nicht unter ukrainischer Kontrolle. Zu den Vorgängen gibt es aufgrund einer offensichtlich verhängten Informationssperre von ukrainischer Seite kaum Aufnahmen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte kurz vorher eine Ausweitung des Krieges auf Russland angekündigt. „Russland hat den Krieg in unser Land gebracht und soll spüren, was es getan hat“, sagte der Staatschef in seiner abendlichen Videoansprache am Donnerstag, ohne auf die Kämpfe im Gebiet Kursk näher einzugehen.

Russische Drohnenangriffe auf die Ukraine abgewehrt

Auch Russland griff Ziele in der Ukraine mit Kampfdrohnen an. Die ukrainische Luftwaffe informierte über 27 russische Drohnen iranischer Bauart, die alle abgeschossen oder durch radioelektronische Mittel abgefangen worden sein sollen. Die Flugabwehr ist demnach über den zentralukrainischen Gebieten Kiew und Poltawa, dem grenznahen Sumy im Nordosten, im Süden über den Regionen Mykolajiw und Cherson und im Osten über den Gebieten Donezk und Dnipropetrowsk aktiv gewesen. Über Schäden wurde vorerst nichts bekannt.

Parallel dazu wurden im ostukrainischen Gebiet Donezk örtlichen Behörden zufolge durch russische Bombardements und Artillerieangriffe mindestens vier Zivilisten getötet und zwölf verletzt. Mindestens fünf verletzte Menschen wurden auch im benachbarten Gebiet Charkiw registriert. Im Gebiet Cherson wurden demnach sechs Personen verletzt.

Russland hatte seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 begonnen. Besonders in den Grenzregionen bekommen auch Russen die Kriegsfolgen immer wieder zu spüren. Die Schäden stehen zumeist in keinem Vergleich zu den verheerenden Zerstörungen und den vielen Toten und Verletzten auf ukrainischer Seite durch die russischen Angriffe.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Offshore-Windkraft vor Comeback: Energieriesen setzen wieder auf Europa
23.05.2026

Die Offshore-Windkraft hat schwere Jahre hinter sich. Jetzt wittern Energieriesen in Europa wieder Chancen, doch aus Optimismus wird nur...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft 39 Billionen Dollar Schulden: Amerikas größter Gläubiger heißt Amerika
23.05.2026

Die USA häufen alle drei Monate eine Billion US-Dollar Schulden an und zahlen inzwischen mehr als eine Billion Dollar Zinsen pro Jahr. Wer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mythos Fachkräftemangel beendet: Deutschlands Arbeitsmarkt bricht langfristig ein
23.05.2026

Schwache Frühjahrsbelebung, keine Trendumkehr: Der deutsche Arbeitsmarkt kippt langfristig in eine neue Massenarbeitslosigkeit. Warum es...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fußball-WM 2026: Sporthändler hoffen auf Umsatzboom durch Trikotverkäufe – ist das realistisch?
23.05.2026

Fußball-WM als Umsatzmotor? Die Sporthändler setzen auf Fans, die nicht nur zum Public Viewing, sondern auch in die Geschäfte kommen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Netzplan im Projektmanagement: Wie Unternehmen ihre Projekte planbar machen
23.05.2026

Der Netzplan macht im Projektmanagement sichtbar, was Bauchgefühl übersieht. Warum die Netzplantechnik 2026 wieder Konjunktur hat – und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Cupra Terramar im Test: Strafzettel wegen zu schnellen Fahrens ist nur noch Erinnerung
23.05.2026

Der Cupra Terramar will nicht brav sein. Er kombiniert SUV-Format, Premium-Gefühl und sportliche Optik mit einem Benziner, der mehr kann,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hohe Ölpreise: IEA erwartet neuen Wachstumsschub für Elektroautos
23.05.2026

Elektroautos verkaufen sich weltweit so stark wie nie zuvor. Hohe Energiepreise und die Krise im Nahen Osten könnten diesen Trend...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ökonomen ratlos: Stehen wir vor einer großen Weltwirtschaftskrise?
23.05.2026

Pessimisten warnen vor Stagflation, Optimisten vertrauen auf KI und starke Unternehmen. Die Wahrheit über die Weltwirtschaft könnte...