Finanzen

Drohende Commerzbank-Übernahme: Bund plant keine Abwehr

Die Bundesregierung hat zwar eindeutig vor einer feindlichen Übernahme der Commerzbank durch die italienische Großbank Unicredit gewarnt, plant aber keine Abwehr des Übernahmeversuchs. Die Gründe dafür sind, nach Ansicht der Regierung, klar.
26.09.2024 07:30
Lesezeit: 3 min
Drohende Commerzbank-Übernahme: Bund plant keine Abwehr
Die italienische Großbank Unicredit ist überraschend im großen Stil bei der Commerzbank eingestiegen. (Foto: dpa) Foto: Salmoirago/Fotogramma

Die Bundesregierung hat eindringlich vor einer feindlichen Übernahme der Commerzbank durch die italienische Großbank Unicredit gewarnt. Das Institut sei eine sehr wichtige Bank für die deutsche Wirtschaft, sagte Regierungssprecher Hebestreit in Berlin. Es gebe jedoch keine weiteren Überlegungen, etwas abzuwehren, das sei „Sache der Kapitalmarktakteure.“

Inmitten des Übernahmekampfs besetzt die Commerzbank vorzeitig ihre Konzernspitze neu. Die künftige Vorstandschefin Bettina Orlopp kann schon kommende Woche das Ruder übernehmen. Der bisherige Vorstandschef Manfred Knof tritt zum Monatsende ab. „Darauf haben sich der 59-Jährige und der Aufsichtsrat verständigt“, teilte die Commerzbank mit. Unicredit-Chef Andrea Orcel hält sich alle Optionen offen.

Die Unicredit war überraschend im großen Stil bei der Commerzbank eingestiegen. Zuletzt hatten sich die Italiener über Finanzinstrumente die Option gesichert, ihren Anteil von neun auf 21 Prozent aufzustocken. Damit wäre die Unicredit mit Abstand größter Aktionär - vor dem Bund, der rund zwölf Prozent hält. Zugleich beantragte die Unicredit die behördliche Erlaubnis, ihren Anteil auf bis zu 29,9 Prozent zu erhöhen. Damit wird ein offizielles Übernahmeangebot für die Commerzbank wahrscheinlicher.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sprach jüngst erst von einer „unfreundlichen Attacke.“ Der Bund hat entschieden, bis auf Weiteres keine Commerzbank-Aktien mehr zu verkaufen.

Vorzeitiger Wechsel an der Führungsspitze

Mit dem vorzeitigen Chefwechsel schafft Deutschlands zweitgrößte Privatbank Klarheit angesichts einer drohenden Übernahme durch die Mailänder Großbank Unicredit. Die Commerzbank hatte erst am Dienstagabend erklärt, dass sie ihre Führungsspitze rasch neu besetzt und Orlopp (54) mit dem Ausscheiden von Knof „zeitnah“ auf den Chefposten rücken soll. Nun wird der Zeitpunkt konkret. „Manfred Knof hat sich bleibende Verdienste um die Commerzbank erworben“, sagte Aufsichtsratschef Jens Weidmann. Knof habe das Geldhaus in einer schwierigen Lage übernommen und zurück auf Erfolgskurs geführt.

Anfang September hatte der Frankfurter Dax Konzern mitgeteilt, dass Knof seinen Ende 2025 auslaufenden Vertrag nicht verlängern wolle. Er führt die Bank seit 2021 und hatte den Umbau des Instituts vorangetrieben. Im vergangenen Jahr schrieb die Commerzbank einen Rekordgewinn. Doch mit dem Einstieg der Unicredit geriet die Commerzbank unter Druck, Investoren forderten schnelle Klarheit in der Führungsfrage. „Jetzt ist angesichts der Rahmenbedingungen der richtige Zeitpunkt, meine Amtsgeschäfte als CEO der Bank auf meine Nachfolgerin überzuleiten“, sagte Knof nun.

Orlopp galt schon lange als die Favoritin für die Nachfolge. Die promovierte Betriebswirtin ist bereits Vize-Chefin und seit Herbst 2017 Teil des Commerzbank-Vorstands. Sie wird die erste Chefin in der 154-jährigen Geschichte der Commerzbank und erst die zweite Frau überhaupt, die alleine einen Dax-Konzern führt - neben Merck-Chefin Belen Garijo.

Unicredit hält sich alle Optionen offen

Unicredit-Chef Andrea Orcel hält sich nach dem Einstieg bei der Commerzbank alle Optionen offen. „Die Commerzbank ist ein Investment. Nichts anderes. Derzeit gebe es kein Übernahmeangebot“, sagte Orcel auf einer Branchenkonferenz in London. Ein Zusammengehen mit der Commerzbank könne aber zum „Testfall für Europa werden“, das größere Banken brauche. Die Commerzbank passe strategisch gut zur Unicredit.

Der deutsche Bankenmarkt sei fragmentiert und Unicredit habe Erfahrung vor Ort, sagte Orcel in Anspielung auf die Tochter HypoVereinsbank (HVB), die 2005 von der Unicredit übernommen worden war. Zugleich betonte Orcel erneut, die Unicredit sei nicht unter Zugzwang. „Wir können den Commerzbank-Anteil auch wieder verkaufen.“ Bei großen Fusionen brauche es Einigkeit auf beiden Seiten.

Berlin plant keine Abwehr von Unicredit - und übt Kritik

Finanzminister Christian Lindner (FDP) kritisierte im Bundestag den Stil der Unicredit. Das Vorgehen habe die Bundesregierung überrascht und „nicht Vertrauen in die Unicredit gestärkt.“ Jetzt liege alles Weitere in der Hand von Management und Aufsichtsrat der Commerzbank. Vonseiten der Bundesregierung stehe kein weiterer Schritt an. Lindner stellte jedoch klar: „Wenn die Bundesregierung Anteile veräußert, dann sind wir zu einem diskriminierungsfreien Verfahren gezwungen.“

Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch hatte die Bundesregierung zuvor aufgefordert, die Übernahme der Commerzbank durch Unicredit zu verhindern. Es sei „ziemlich einmalig, dass die Bundesrepublik als eine der größten Wirtschaftsmächte der Erde bei einer ihrer größten Banken ihres Landes Anteilsverkäufe avisiert und diese dann zu einer feindlichen Übernahme führen, weil man die Ausschreibung nicht so gestaltet hat, dass kein einzelner Übernehmer alles bekommt“, sagte Koch der Berliner Zeitung.

Deutsche Bank will nicht eingreifen

Nicht nur die Bundesregierung, auch die Deutsche Bank will sich aus dem Übernahmeringen heraushalten. Das Institut konzentriere sich auf sich selbst, sagte Finanzvorstand James von Moltke auf einer Branchenkonferenz. Die Deutsche Bank habe noch Arbeit vor sich, bevor sie bereit sei, an einer Branchenkonsolidierung teilzunehmen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie PC-Gaming in Europa erlebt eine Phase der Zurückhaltung

Einst galt PC-Gaming in Europa als lohnende Langzeitinvestition. Man baute sich einen Rechner zusammen oder rüstete ihn auf, zahlte im...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Waffenruhe im Iran-Krieg: Trumps riskante Atempause – Probleme im Iran-Konflikt bleiben ungelöst
11.04.2026

Donald Trump feiert die Waffenruhe als Erfolg im Iran-Krieg. Doch entscheidende Fragen bleiben offen, während geopolitische Spannungen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Porsche kämpft mit schwachen Zahlen: Wie Michael Leiters den Kurs verbessern will
11.04.2026

Porsche steht nach schwachen Geschäftszahlen und sinkenden Margen vor einer tiefgreifenden Neuausrichtung unter CEO Michael Leiters....

DWN
Finanzen
Finanzen ETF oder Investmentfonds: Warum viele Anleger das falsche Produkt wählen
11.04.2026

ETF, Investmentfonds oder Rentenfonds. Viele Anleger glauben, die richtige Wahl hänge vor allem von der Rendite ab. Tatsächlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI-Jobabbau: Warum Frauen besonders betroffen sind
11.04.2026

Künstliche Intelligenz verändert den Bankensektor schneller als erwartet. Tausende Jobs stehen auf der Kippe, während Unternehmen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Meta-Urteil: Datenübertragung in die USA erlaubt – es bleiben Fragen
11.04.2026

Dürfen persönliche Daten von Facebook- und Instagram-Nutzern in die USA übertragen werden? Ein aktuelles Meta-Urteil sorgt für Klarheit...

DWN
Finanzen
Finanzen MSCI stuft Griechenland als entwickelten Markt ein: Chancen und Risiken für Anleger
11.04.2026

Griechenland steht mit der Aufnahme in die MSCI-Indizes wieder stärker im Fokus internationaler Investoren und signalisiert eine neue...

DWN
Immobilien
Immobilien Senkt schnelleres Bauen wirklich die Wohnkosten? Der Bauturbo- und Maßnahmen-Check
11.04.2026

Schwarz-Rot verspricht, dass der Bauturbo und sonstige Maßnahmen, die den Bau von Immobilien beschleunigen, unweigerlich zu Preisfall auf...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Eine nervöse Erholung an der Wall Street, während der brüchige Frieden hält
10.04.2026

Zwischen Hoffen und Bangen: Entdecken Sie, welche verborgenen Marktdynamiken aktuell den Takt vorgeben und für Überraschungen sorgen.