Panorama

Aus nach 170 Jahren: Schokohersteller Cadbury ist kein Hoflieferant mehr

Das nennt man wohl: aus der königlichen Gunst gefallen. Die Chocolatiers von Cadbury müssen zu Weihnachten einen schweren Schlag verkraften. Sie sind nicht mehr Hoflieferanten des Königshauses von England.
25.12.2024 09:50
Lesezeit: 2 min
Aus nach 170 Jahren: Schokohersteller Cadbury ist kein Hoflieferant mehr
Das letzte königliche Kunstwerk: Die Chocolatiers von Cadbury World, Dawn Jenks und Donna Oluban, geben einer 45 cm hohen Schokoladennachbildung der St. Edward's Crown den letzten Schliff. (Foto: dpa) Foto: Jacob King

Queen Elizabeth II. soll ein großer Fan gewesen sein - nun schmeckt es ihrem Sohn und Nachfolger König Charles III. aber offenbar nicht mehr. Nach 170 Jahren darf sich der britische Schokoladenhersteller Cadbury nicht mehr königlicher Hoflieferant nennen.

1854 hatte Queen Victoria dem Unternehmen aus Birmingham den begehrten Zusatz erteilt. Zur Krönung von Charles im Mai 2023 produzierte Cadbury noch aufwendig eine Krone aus Schokolade. Jetzt erhält der Hersteller vom Palast nicht mehr die begehrte Auszeichnung "Royal Warrant".

Großbritanniens bekanntester Schokoladenproduzent hat zwölf Monate Zeit, um alle Markenzeichen, die auf den königlichen Hoflieferanten hinweisen, von seinen Artikeln zu entfernen.

Auch ein Großkonzern ist betroffen

Gründe wurden nicht genannt, der Palast kommentierte die Entscheidung nicht. Die Zeitung "Guardian" schrieb, es gebe vermutlich keinen Zusammenhang mit Boykott-Aufforderungen. Zwar mache Cadbury-Eigentümer Mondelez weiterhin Geschäfte mit Russland. Andere Unternehmen, die ebenfalls noch in Russland aktiv sind, stünden aber noch auf der Palast-Liste.

"Wir sind zwar enttäuscht, dass wir wie Hunderte anderer Unternehmen und Marken im Vereinigten Königreich kein neues Gütesiegel erhalten haben, aber wir sind auch stolz darauf, bereits eines besessen zu haben, und respektieren die Entscheidung voll und ganz", teilte das Unternehmen dem "Guardian" mit. Auch der Konzern Unilever , der in Großbritannien unter anderem den bekannten Marmite-Aufstrich und "Magnum"-Eis vertreibt, wurde gestrichen.

Im Gegenzug sind einige Anbieter neu auf der Liste. Darunter sind die Friseurin von Charles' Ehefrau Königin Camilla, Jo Hansford, sowie der Juwelier Wartski, der die Eheringe des Königspaars zur Hochzeit 2005 fertigte.

Hunderte Anbieter halten königliches Siegel

Laut Palast gibt es etwa 800 Einzelpersonen, Marken und Unternehmen, die sich königliche Hoflieferanten nennen dürfen. Sie dürfen dann das königliche Wappen auf ihren Artikeln verwenden. "Die Hoflieferanten stellen den königlichen Haushalten ihre Waren und Dienstleistungen nicht kostenlos zur Verfügung, und alle Transaktionen erfolgen auf streng kommerzieller Basis", betont der Palast. Die "Royal Warrants" werden für fünf Jahre vergeben und können beliebig häufig verlängert werden.

In Dänemark hatte das Königshaus im November mitgeteilt, keine Prädikate für sogenannte Hoflieferanten mehr zu verlängern, bestehende dürfen noch bis zum 31. Dezember 2029 verwendet werden. Zur Begründung hieß es, es sei nicht mehr zeitgemäß, dass einzelne Unternehmen eine besondere Würdigung über eine Dauer von mehreren Jahren durch das dänische Königshaus reklamierten. Zudem belieferten einige der ausgezeichneten Unternehmen nur selten und in eingeschränktem Ausmaß das Königshaus.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Der wachsende Trend zu flexiblen Konsumausgaben bei deutschen Verbrauchern

Deutsche Haushalte verändern ihr Ausgabeverhalten grundlegend. Wo früher feste Sparpläne und monatliche Budgets den Alltag bestimmten,...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Sandisk und SK Hynix unter den zulegenden Chip-Aktien, während S&P 500 Rekordhoch erreicht
13.08.2026

Spannung an den US-Börsen: Erfahren Sie, welche überraschenden Entwicklungen die Märkte am Donnerstag bewegten.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Wirtschaft vor der Wende: Warum ausgerechnet Saab neue Hoffnung macht
13.08.2026

Deutschlands Autobauer bauen Stellen ab, doch gleichzeitig wächst die Wirtschaft stärker als erwartet. Neue Startups, mehr Kapitalmarkt...

DWN
Technologie
Technologie Elon Musk und die KI: Wer regiert bald die Welt?
13.08.2026

Elon Musk warnt vor KI, Bürgerkrieg und dem Aufstieg neuer Supermächte – doch zugleich verkörpert er selbst die beispiellose Macht der...

DWN
Politik
Politik NATO-Reform: Saluschnyj erklärt das mächtigste Militärbündnis der Welt für überholt
13.08.2026

Die Ukraine wollte jahrelang von der NATO lernen. Nun erklärt ihr früherer Oberbefehlshaber das Bündnis für militärisch überholt und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Trockenheit kostet Landwirte 600 Millionen Euro
13.08.2026

Die Dürre hinterlässt auf deutschen Feldern deutliche Spuren: Millionen Tonnen Getreide und Raps sind bereits verloren. Für Verbraucher...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Aktien unter Druck: Milliardenverlust zeigt die verborgene Gefahr
13.08.2026

Ein gefeierter Tech-Investor setzte mit gewaltigem Hebel auf KI-Aktien und verlor innerhalb weniger Wochen rund 35 Milliarden US-Dollar....

DWN
Politik
Politik Rentensplitting statt Witwenrente: Steht die Hinterbliebenenrente vor dem Aus?
13.08.2026

Im Rahmen der Rentenreform steht plötzlich auch die Witwenrente zur Diskussion. Ein Expertenvorschlag: Ein verpflichtendes Rentensplitting...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo ES90 im Test: Ein guter Grund, den Deutschen Lebewohl zu sagen?
13.08.2026

Der Volvo ES90 ist kein Elektroauto für Käufer, die möglichst günstig in die Premiumklasse einsteigen wollen. Doch wer Komfort,...