Finanzen

VW-Aktie glänzt: Wie geht es beim Autobauer und bei der Volkswagen-Aktie weiter?

Die VW-Aktie hat sich im frühen Donnerstagshandel stark gezeigt. Nach Zahlen scheint der größte Autobauer Deutschlands auf einem guten Weg, doch welche Rolle spielen dabei die Trump-Zölle? Und was heißt das für die Volkswagen-Aktie? Sollten Anleger nun die VW-Aktie kaufen?
13.02.2025 18:00
Lesezeit: 3 min
VW-Aktie glänzt: Wie geht es beim Autobauer und bei der Volkswagen-Aktie weiter?
Das Volkswagenwerk spiegelt sich in einem VW-Logo. Das Unternehmen scheint auf dem richtigen Weg - sollten Anleger nun die VW-Aktie kaufen? (Foto: dpa) Foto: Felix Kästle

VW-Aktie legt im Donnerstagshandel kräftig zu

Die Volkswagen-Vorzüge (VW-Aktie) starteten mit deutlichen Zugewinnen in den Börsenhandel am Donnerstag. Während der VW-Anteilsschein gestern noch mit einem Schlusskurs von 93,74 Euro aus dem Handel ging, legte er im frühen Donnerstagshandel um starke 5,5 Prozent zu und notierte zeitweise über der magischen Marke von 100 Euro - bei allerdings geringem Handelsvolumen.

Dennoch zeigt sich eine klare Erholungstendenz, nachdem die VW-Aktie in den vergangenen Monaten deutliche Verluste hinnehmen musste. Aktuell liegt das Papier zwar noch über 25 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 128,50 Euro, doch seit Jahresbeginn kletterte das Papier des größten deutschen Autobauers um über 13 Prozent nach oben. Mit einem Schlusskurs von 98,32 Euro und einem Kursplus von 4,26 Prozent ging die VW-Aktie aus dem Donnerstagshandel. Wie also geht es weiter - bei der VW-Aktie und beim Unternehmen?

VW-Aktie: Dividende und aktuelle Geschäftszahlen

Das vergangene Geschäftsjahr konnte Volkswagen mit einem beeindruckenden Umsatz von 279,23 Milliarden Euro und einem Gewinn von 22,04 Milliarden Euro abschließen. Dennoch sorgten zuletzt schwächere Quartalszahlen für Verunsicherung bei den Anlegern. Im vergangenen Quartal lag der Gewinn je Aktie nur noch bei 2,42 Euro, während im Vorjahreszeitraum noch 7,76 Euro pro Aktie erwirtschaftet wurden - lesen Sie dazu auch unsere VW-Analyse.

Trotzdem bleibt Volkswagen als einer der größten Autobauer weltweit ein Schwergewicht im DAX. Mit einer Marktkapitalisierung von annähernd 50 Milliarden Euro hat das Unternehmen einen DAX-Anteil von über 2,3 Prozent. Im Jahr 2023 wurde eine Dividende von 9,06 Euro pro Aktie ausgeschüttet, für 2024 wird eine Ausschüttung von 6,38 Euro je Aktie erwartet. Analysten sehen das mittelfristige Kursziel bei 111,43 Euro.

Besonders optimistisch haben sich die Aktienexperten von RBC Capital Markets positioniert: Die kanadische Bank hob nach Zahlen das Kursziel für die VW-Aktie von 100 auf 117 Euro an, die Einstufung blieb auf "Sector Perform". RBC-Analyst Tom Narayan trug damit in seinem Branchenkommentar vom 3. Februar höheren Erwartungen an die Ergebnisse des vierten Quartals Rechnung.

Das Analysehaus Jefferies belässt Volkswagen auf "Buy" belassen, empfiehlt die Aktie also zum Kauf. Die US-Einfuhrzölle für Waren aus Mexiko, Kanada und China dürften die Fahrzeugpreise in den USA bzw. die Produktionskosten in den USA um durchschnittlich 6 Prozent steigen lassen. Am stärksten betroffen davon seien die drei großen US-Hersteller und unter diesen vor allem General Motors (GM). Bei den US-Elektroautobauern Tesla, Rivian und Lucid begrenze die komplette Montage in den USA die Risiken. Vergleichsweise geringere Gefahren sieht Houchois wegen der globaleren Aufstellung bei Stellantis und Volkswagen, und BMW sowie Mercedes-Benz seien wertmäßig Netto-Exporteure aus den USA.

Nicht ganz so positiv sieht das US-Analysehaus Bernstein Research die Situation. Die Einstufung für die Volkswagen-Aktie lautet "Market-Perform", der faire Wert 102 Euro. Auch hier führen die Aktienprofis die beschlossenen US-Zölle gegen Kanada, Mexiko und China an. Viele Marktteilnehmer hätten erwartet, dass Steuersenkungen allen wichtigen Entscheidungen über Zölle vorausgehen würden, schrieb Analyst Stephen Reitman in einer am Montag vorliegenden Studie. Wegen der inflationären Wirkung und angekündigten Vergeltungsmaßnahmen bleibt der Bernstein-Analyst aber skeptisch, dass die neuen Zölle von Dauer sein werden.

VW-Charttechnik: Bodenbildung oder langfristiger Abwärtstrend?

Die charttechnische Situation der Volkswagen-Aktie bleibt herausfordernd. Seit April 2021 befindet sich das Papier in einem anhaltenden Abwärtstrend. Doch es gibt auch positive Signale: Eine fünfmonatige Bodenbildung im Bereich einer wichtigen Unterstützung bei 86,40 Euro könnte auf eine Stabilisierung hindeuten. Sollte die Aktie die Barriere bei 98,40 Euro nachhaltig überwinden, könnte ein erstes Kaufsignal mit einem Kursziel von 111,40 Euro ausgelöst werden.

Langfristig bleibt das Bild jedoch noch bearish. Um aus diesem Abwärtstrend auszubrechen, müsste die Volkswagen-Aktie das Preisband zwischen 126 und 128 Euro überwinden. Erst dann würde sich das langfristige Sentiment in eine bullische Richtung drehen.

Wie sollten Anleger jetzt reagieren?

Angesichts der aktuellen Kursentwicklung stellt sich die Frage, wie Investoren mit der Volkswagen-Aktie umgehen sollten.

  1. Kurzfristige Trader könnten von den aktuellen Schwankungen profitieren. Ein Anstieg über die Marke von 98,40 Euro könnte ein Kaufsignal liefern, während ein Abrutschen unter die Unterstützung bei 86,40 Euro als Warnsignal zu deuten wäre.

  2. Langfristige Anleger, die an die Zukunft des Autobauers glauben, könnten sich weiterhin auf Fundamentaldaten stützen. Volkswagen bleibt einer der Marktführer in der Automobilbranche und treibt seine Elektrifizierungsstrategie weiter voran.

  3. Dividenden-Investoren sollten die jährliche Ausschüttung im Blick behalten. Die prognostizierte Dividende von 6,38 Euro für 2024 bietet eine solide Rendite, auch wenn sie unter dem Vorjahreswert liegt.

Fazit: Ist die VW-Aktie jetzt ein Kauf?

Die VW-Aktie zeigt kurzfristige Erholungstendenzen, steht aber weiterhin unter dem Einfluss des langfristigen Abwärtstrends. Anleger sollten die 98,40-Euro-Marke genau im Auge behalten. Sollte diese nachhaltig überschritten werden, könnte weiteres Aufwärtspotenzial entstehen. Langfristig bleibt jedoch abzuwarten, ob Volkswagen die nötigen Impulse setzen kann, um aus dem bearishen Trend auszubrechen.

Klar ist, dass die VW-Aktie sich in den vergangenen Monaten sehr volatil gezeigt hat. Für risikobewusste Anleger könnte sich aber gerade deshalb hier eine interessante Einstiegschance bieten. Wer auch bei größeren Kursverlusten ruhig schlafen kann, sollte das Papier unbedingt auf seine Watchliste nehmen - oder sogar jetzt schon die VW-Aktie kaufen.

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Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

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