Politik

Was bedeutet der schwarz-rote Koalitionsvertrag für Ihren Geldbeutel?

Ob Steuern, Rente, Bafög oder Förderprogramme: Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD geht es auf vielen Seiten um das Geld der Bürgerinnen und Bürger. Nach Berechnungen von Steuerexperten des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln sieht der Vertrag Entlastungen in einem mittleren zweistelligen Milliardenbereich vor. Teils profitieren Unternehmen davon, vieles dürfte sich aber auch auf den Konten von Familien, Rentnern und anderen Bürgern niederschlagen. Zwar sind die Pläne oft noch nicht konkret genug für Prognosen auf Euro und Cent. Und alles steht unter dem Vorbehalt ausreichender Mittel. Doch es zeigt sich, wer profitiert, wer sparen könnte – und wer künftig womöglich schlechter dasteht.
10.04.2025 09:23
Lesezeit: 3 min
Was bedeutet der schwarz-rote Koalitionsvertrag für Ihren Geldbeutel?
Mehr Euros im Portemonnaie? Der neue Koalitionsvertrag könnte dafür sorgen, dass Verbraucher mehr Geld haben. (Foto: dpa) Foto: Federico Gambarini

Einkommensteuer

Das bleibt die größte Unbekannte in der Rechnung. Union und SPD planen eine Steuerreform, die kleine und mittlere Einkommen entlasten soll – und zwar ab der Mitte der Legislaturperiode, also in etwa zwei Jahren. Doch sie bleiben vage: Wer genau künftig wie viel weniger zahlen muss, ist völlig unklar. Fest steht hingegen, dass die Pendlerpauschale steigt: Ab 2026 soll sie ab dem ersten Kilometer 38 Cent betragen – und nicht erst ab dem 21. Kilometer wie bisher. Alle Pendler, ob mit Auto, Bahn oder Fahrrad, können damit höhere Kosten steuerlich geltend machen.

Rente

Ebenfalls im Jahr 2026 soll eine "Frühstart-Rente" eingeführt werden. Für jedes Kind vom sechsten bis zum achtzehnten Lebensjahr, das in Deutschland eine Schule oder andere Bildungseinrichtung besucht, fließen dann pro Monat zehn Euro in ein Altersvorsorgedepot. Im Erwachsenenalter soll man privat weiter einen bestimmten Betrag einzahlen können. Die Erträge aus dem Depot bleiben bis zum Renteneintritt steuerfrei – ausgezahlt wird das Geld allerdings erst im Rentenalter.

Von einer Angleichung profitieren viele Rentnerinnen, die für ihre Kindererziehungszeit Mütterrente erhalten. Künftig soll es unerheblich sein, ob die Kinder vor 1992 oder danach geboren wurden. Wer früh Kinder bekam, kann also mit mehr Geld rechnen.

Freiwillige Mehrarbeit

Künftig soll es sich lohnen, freiwillig mehr zu arbeiten – mit Überstunden oder auch im Rentenalter. Auf Zuschläge für Überstunden, die über die tariflich vereinbarte Vollzeitarbeit hinausgehen, soll man keine Steuern zahlen müssen. Menschen im Rentenalter, die freiwillig weiterarbeiten, sollen bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei erhalten dürfen. Auch wer von Teilzeit auf Vollzeit erhöht, soll steuerlich belohnt werden.

Familien mit Kindern

Wer nach der Geburt eines Kindes nicht oder nur wenig arbeitet und mit seinem Partner nicht zu viel verdient, hat Anspruch auf Elterngeld. Das könnte spürbar steigen, denn Union und SPD wollen sowohl den Mindestsatz als auch den Höchstbetrag anpassen. Genaue Zahlen nennen sie allerdings nicht. Wer als Familie wenig Geld hat und beispielsweise auf Bürgergeld angewiesen ist, kann auch auf etwas mehr Unterstützung bei alltäglichen Unternehmungen der Kinder hoffen. Der sogenannte Teilhabebetrag, mit dem Kosten für Sportverein, Musikschule oder kulturelle Aktivitäten abgefedert werden, soll von 15 auf 20 Euro im Monat steigen.

Hohe Mieten

Union und SPD wollen dafür sorgen, dass Vermieter sich stärker an die Mietpreisbremse halten, also beim Umzug in eine begehrte Wohngegend nicht zu viel Miete verlangen. Dafür erwägen sie Bußgelder bei Verstößen.

Stromkosten

Dieser Plan soll vor allem die Industrie entlasten, es profitieren aber auch alle Bürger: Die Stromsteuer soll auf den in der EU erlaubten Mindestwert sinken, ebenso Umlagen und Netzentgelte. Dadurch könnten mindestens fünf Cent pro Kilowattstunde eingespart werden. Erdgas könnte durch die geplante Abschaffung der Gasspeicherumlage günstiger werden. Nach Berechnung des Portals Verivox könnte eine Familie im Einfamilienhaus mit Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden rund 71 Euro sparen, ein Single-Haushalt mit 5.000 Kilowattstunden rund 18 Euro.

Bafög

Union und SPD planen zum Wintersemester 2026/2027 eine Bafög-Erhöhung. Die Wohnkostenpauschale für Studierende, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, soll von derzeit 380 auf 440 Euro im Monat steigen. Außerdem soll der Grundbedarf, der aktuell bei 475 Euro monatlich liegt, in zwei Schritten an das Niveau der Grundsicherung angepasst werden: zum Wintersemester 2027/2028 und ein weiteres Mal ein Jahr später. Der eigentliche Bafög-Satz soll weiterhin individuell nach Einkommen der Eltern und anderen Faktoren berechnet werden.

Heizungstausch

Wer eine klimafreundliche Heizung wie eine Wärmepumpe einbaut, kann weiterhin mit einer staatlichen Förderung rechnen. Doch völlig unklar ist, wie hoch diese künftig ausfällt. Denn das umstrittene Heizungsgesetz der Ampel-Regierung soll abgeschafft und durch ein neues Gebäudeenergiegesetz ersetzt werden. "Die Sanierungs- und Heizungsförderung werden wir fortsetzen", heißt es im Koalitionsvertrag.

Deutschlandticket

Das beliebte Pauschalticket für Busse und Bahnen soll erhalten bleiben – Fahrgäste müssen sich aber ab 2029 auf höhere Preise einstellen. Bereits zu Jahresbeginn war der Preis des Tickets für den bundesweiten Nahverkehr von 49 Euro auf 58 Euro im Monat gestiegen. Was es ab 2029 kosten könnte, ist noch unklar.

Führerschein

Viele junge Erwachsene können es sich kaum leisten, den Führerschein zu machen. Durch eine Reform der Fahrausbildung soll das wieder erschwinglicher werden. Wie genau das erreicht werden soll, sagen Union und SPD allerdings nicht.

Flugtickets

Die Luftverkehrsteuer soll wieder sinken – das könnte sich auf die Preise für Flugtickets auswirken. Airlines hatten unter Verweis auf die höheren Kosten Flüge von deutschen Flughäfen gestrichen. Die Hoffnung könnte auch sein, dass bald wieder mehr Ziele angeflogen werden. Sicher ist das jedoch nicht.

Trainer und Übungsleiter

Für Trainer im Sportverein, Chorleiter und andere ehrenamtliche Übungsleiter soll die Steuerpauschale erhöht werden. Sie könnten damit bis zu 3.300 Euro für ihre Tätigkeit verdienen, ohne zusätzlich Steuern zahlen zu müssen.

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