Finanzen

Rentenatlas: Sorgenfreie Rente im Ausland - Immer mehr deutsche Senioren hauen ab

Deutschland rast ungebremst in eine Rentenkatastrophe, längere Lebensarbeitszeiten für weniger Rente im Alter scheinen unausweichlich, um das System vor dem Kollaps zu retten. Ein entspannter Ruhestand wird hierzulande immer unwahrscheinlicher. Kein Wunder, dass deutsche Rentner ihren Lebensabend immer lieber im Ausland verbringen. Erfahren Sie, wie das gelingt und welche Länder besonders attraktiv sind.
26.05.2025 10:57
Lesezeit: 3 min
Rentenatlas: Sorgenfreie Rente im Ausland - Immer mehr deutsche Senioren hauen ab
Den Ruhestand in einem anderen Land zu verbringen, steht bei Rentnern durchaus hoch im Kurs: Jährlich zahlt die Deutsche Rentenversicherung rund 1,8 Millionen Renten in über 150 Länder der Welt. (Foto: dpa) Foto: Jacob King

Immer mehr Menschen erhalten ihre Rente im Ausland: 2024 waren es insgesamt 237.000 Deutsche, die ihre Rente im Ausland bezogen haben – und die Zahl der Auswanderungswilligen steigt seit 20 Jahren stetig an.

Ruhestand im Ausland: Für einen entspannten Lebensabend außerhalb Deutschlands

Ob Italien, Spanien oder Thailand – ein Ruhestand im Ausland ist für viele Rentner ein Lebenstraum. Das angenehmere Klima, geringere Lebenshaltungskosten und ein entspannter Alltag versprechen einen sorgenfreien Lebensabend. Nun zeigen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung, welche Länder besonders hoch im Kurs stehen.

Einer der Hauptgründe: Die monatlichen Fixkosten sind in Ländern wie Italien, Spanien, Portugal oder Thailand deutlich geringer und ermöglichen einen höheren Lebensstandard als in Deutschland“, so Sabine Brandl, Juristin der ERGO Rechtsschutz Leistungs-GmbH.

Rentenatlas: Wie viele deutsche Rentner im Ruhestand ins Ausland ziehen

Den Ruhestand in einem anderen Land zu verbringen, steht bei Rentnern durchaus hoch im Kurs: Jährlich zahlt die Deutsche Rentenversicherung rund 1,8 Millionen Renten in über 150 Länder der Welt. Darunter an Deutsche im Ausland oder Menschen anderer Nationalitäten, die in Deutschland gearbeitet und Rentenanspruch erworben haben.

Im Rentenatlas der Deutschen Rentenversicherung wird neben allerhand Daten und Informationen zu Themen wie Einnahmen und Ausgaben der Rentenversicherung, Rentenanpassungen und der Entwicklung des Rentenbeitragssatzes auch ersichtlich, in welchem Maße Renten ins Ausland gezahlt werden. Den Daten des Rentenatlas zufolge verbringen rund sieben Prozent der Deutschen und der Ausländer mit deutschem Rentenanspruch ihren Lebensabend an einem anderen Ort als Deutschland.

Rentenatlas: In welche Länder zieht es die meisten deutschen Rentner?

Demnach zahlte die Deutsche Rentenversicherung im Jahr 2023 insgesamt mehr als 78.000 Renten in Länder wie Österreich, die Schweiz oder Spanien aus. Am Maß der Rentenzahlungen ins Ausland lässt sich so auch der Frage annähern, in welchen Ländern die meisten Deutschen ihren Ruhestand verbringen.

Ruhestand im Ausland: Das beliebteste Land für deutsche Rentner

Das beliebteste Auswanderungsland für Deutsche im Ruhestand oder Ausländer, die hierzulande ihren Rentenanspruch erworben haben, ist kein sonniges südeuropäisches Urlaubsland, wie es vielleicht vermutet werden könnte. Nein, an der Spitze der Auswanderungsdomizile im Ruhestand liegt hierzulande ein Nachbarland, das vor allem für seine bergige landschaftliche Schönheit bekannt ist: Das beliebteste Auswanderungsland für Rentner hierzulande ist Österreich. Fast 29.000 Zahlungen gingen im Kalenderjahr 2023 an Ruheständler, die ihren Wohnsitz nach Österreich verlegt haben.

Gefolgt wird Österreich von einem anderen Land in unmittelbarer Alpennähe: der Schweiz. Hierhin wurden 2023 insgesamt rund 26.600 Renten überwiesen. An dritter Stelle folgt dann aber doch ein beliebtes südeuropäisches Urlaubsland der Deutschen: Spanien. Ins Land auf der iberischen Halbinsel gelangten im Jahr 2023 rund 22.800 Renten.

Fast zwei Drittel der ausgewanderten Rentner bleiben in Europa

Mit Blick auf den Rentenatlas der Deutschen Rentenversicherung wird auch deutlich, dass Europa unter allen Kontinenten deutlich am höchsten bei deutschen Ruheständlern im Kurs steht: Ganze 72 Prozent aller deutschen Auswanderer im Rentenalter wählten ein Land innerhalb Europas als neuen Wohnsitz.

Beliebte Staaten abseits von Europa sind dagegen die USA, in die rund 21.000 Renten überwiesen wurden, gefolgt von Kanada (ca. 7800) und Australien (ca. 7400).

TOP 10: Das sind die beliebtesten zehn Auswanderungsziele für deutsche Rentner (Stand: 31.12.2023)

  1. Österreich: 28.993 Rentenzahlungen
  2. Schweiz: 26.593 Rentenzahlungen
  3. Spanien: 22.792 Rentenzahlungen
  4. USA: 20.743 Rentenzahlungen
  5. Frankreich: 18.011 Rentenzahlungen
  6. Niederlande: 10.269 Rentenzahlungen
  7. Kanada: 7.810 Rentenzahlungen
  8. Italien: 7.797 Rentenzahlungen
  9. Großbritannien: 7.561 Rentenzahlungen
  10. Australien: 7.382 Rentenzahlungen

Die Zahl der Überweisungen kann grundsätzlich auch etwas höher liegen als die Anzahl der Rentner, die ihren Wohnsitz tatsächlich in ein anderes Land verlegt haben – denn eine einzelne Person kann ja durchaus mehrere Rentenarten – darunter etwa Erwerbsminderungs-, Waisen- oder Witwenrenten beziehen.

TIPP: Wer als Rentner einen Umzug ins Ausland plant, sollte sich darauf rechtzeitig vorbereiten sowie die Rentenversicherung über seine Pläne informieren. Hilfreich für die Recherche können etwa die Länderinformationen des Auswärtigen Amtes sein, darüber hinaus wurde im Bundesverwaltungsamt aber auch eine Bundesstelle für Auswanderer und Auslandstätige eingerichtet.

Fazit: Europa könnte für die Babyboomer unattraktiver werden

Bisher dominiert ganz klar Europa als Auswanderungsziel deutscher Rentner. Es bleibt abzuwarten, ob aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation, dem Ukrainekrieg, der Migrationskrise und der hohen Lebens- und Energiekosten auf dem Kontinent, nicht andere Länder in den kommenden Jahren zum Wunschziel deutscher Ruheständler werden.

Und in den kommenden Jahren werden die Zahlen der Auswanderungswilligen immens steigen, denn die Babyboomer-Generation mit einer verhältnismäßigen guten Rente geht in den wohlverdienten Ruhestand. Zu Hause hingegen wird der demografische Wandel die Rentenkrise beschleunigen.

Fakt ist: Immer mehr Menschen werden ihre Rente im Ausland beziehen. Die Frage ist: Wie lange ist die Rente noch sicher? Noch hält die Regierung am derzeitigen Rentenniveau fest – eine Entscheidung, die laut der Wirtschaftsweisen Veronika Grimms „nicht nachhaltig“ ist. Neben einer grundlegenden Reform der Finanzierung fordert Grimm eine ehrliche Debatte auch über das Renteneintrittsalter. Längere Lebensarbeitszeiten erscheinen unausweichlich, um das System vor dem Kollaps zu retten.

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Mirell Bellmann

Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

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