Wirtschaft

Trumps Kurswechsel: EU und USA kämpfen um Ausweg im Zollstreit

Im anhaltenden Zollstreit will die Europäische Union eine Verschärfung des Konflikts verhindern und die Verhandlungen am Leben erhalten. Die EU-Kommission betonte erneut ihre Bereitschaft, ein Abkommen zu schließen, erklärte eine Sprecherin. Für Montagnachmittag wurde ein weiteres Telefonat zwischen EU-Handelskommissar Maros Sefcovic und dem US-Handelsminister Howard Lutnick angesetzt.
26.05.2025 16:06
Aktualisiert: 26.05.2025 16:06
Lesezeit: 2 min

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte zuvor auf der Plattform X nach einem Gespräch mit US-Präsident Donald Trump: "Europa ist bereit, Gespräche schnell und entschlossen voranzubringen."

Zum Inhalt des Treffens, das von der Leyen angeregt hatte, äußerte sich die Sprecherin nicht – aus Rücksicht auf die laufenden Verhandlungen. Sie bekräftigte jedoch, dass weiterhin der Vorschlag der EU auf dem Tisch liege, sämtliche Zölle auf Industriegüter beiderseits abzuschaffen. "Das ist unserer Ansicht nach ein attraktiver Einstiegspunkt für erfolgreiche Gespräche, von denen beide Seiten des Atlantiks profitieren könnten", sagte sie.

Reiche warnt vor Verzögerungen im Zollkonflikt mit den USA

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zeigte sich erfreut über die Aussetzung der Zölle, mahnte jedoch zur Eile. "Sechs Wochen bleiben noch für eine Einigung", erklärte sie. "Diese Zeit muss intensiv genutzt werden. Unternehmen und Verbraucher beiderseits des Atlantiks sind auf stabile Handelsverhältnisse angewiesen. Darauf müssen wir bauen." Laut Ministeriumskreisen hatte Reiche am Wochenende nach Trumps Äußerung zu neuen US-Strafzöllen mit EU-Kommissar Sefcovic telefoniert. Dabei habe sie der Kommission Deutschlands volle Unterstützung für eine verhandlungsorientierte Lösung zugesichert.

Am Freitag hatte Trump überraschend US-Strafzölle von 50 Prozent gegenüber der EU ab dem 1. Juni angekündigt, diese dann aber in der Nacht zu Montag um etwa einen Monat verschoben. Ziel ist es nun, bis zum 9. Juli eine Lösung im Zollstreit zu finden. Das Datum ist entscheidend, weil ein im April von Trump beschlossener Aufschub anderer angekündigter Zölle dann endet. Damals wurden neue Importabgaben für weltweite Warenlieferungen nach Börsenturbulenzen für 90 Tage verschoben. Derzeit gelten bereits zusätzliche Abgaben, etwa 25 Prozent auf Stahl und Aluminium sowie Autos aus der EU, und 10 Prozent auf alle Warenkategorien.

Lange: Keine faire Behandlung durch die USA

Der Vorsitzende des Handelsausschusses im EU-Parlament, Bernd Lange (SPD), sagte im ZDF-Morgenmagazin: "Die Drohungen aus den USA sind völlig unbegründet." Er hoffe, dass bis zum 9. Juli ein Rahmenabkommen stehe, "damit zumindest die Drohkulisse und einige bestehende Zölle abgebaut werden können". Allerdings glaube er nicht, "dass Trump alle Forderungen aufgeben wird".

Lange nannte die Strafzölle erneut rechtswidrig und ungerechtfertigt. Die EU handle fair, doch man könne durchaus das Handelsbilanzdefizit der USA senken – etwa durch verstärkte Importe von LNG oder KI-Chips aus den Vereinigten Staaten. Man wolle keine Eskalation im Zollstreit. Doch wenn Trump an Zöllen zwischen 10 und 25 Prozent festhalte, werde man mit Gegenmaßnahmen reagieren.

Von Daniels: EU braucht einheitliches Auftreten im Zollstreit

Die US-Handelsexpertin Laura von Daniels von der Stiftung Wissenschaft und Politik sagte der dpa: "Offensichtlich will Präsident Trump mehr aus dem Deal holen, als Europa derzeit bietet." Nun komme es darauf an, dass die EU-Staaten geeint auftreten. "Am Ende profitieren alle, wenn sie gemeinsam handeln und nicht abweichen", betonte sie. Trump sehe in von der Leyen die Stimme Europas. "Wenn die EU im Zollstreit ein starkes Verhandlungsmoment behalten will, muss sie geschlossen auftreten."

Von Daniels betonte, dass ein umfassendes Handelsabkommen zwischen der EU und den USA nicht zwingend nötig sei. "Vielleicht genügt bereits eine vorläufige Einigung, die gegenseitige Zollsteigerungen ausschließt und den Handel stärkt." Eine solche Lösung wäre für die EU ein diplomatischer Erfolg.

VDMA: Zollstreit mit den USA trifft deutsche Unternehmen hart

Rolf Langhammer vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel äußerte sich skeptisch: "Ein umfassendes Nullzoll-Abkommen über alle Industriegüter wird es nicht geben, weil es aus US-Sicht das Handelsbilanzdefizit verschärft", erklärte er gegenüber der dpa. Ein Abkommen sei realistischer, wenn es sich auf wenige zentrale Produkte konzentriere – vor allem Agrargüter, die für die USA besonders wichtig seien.

Die unberechenbare US-Handelspolitik unter Trump sorgt bei deutschen Maschinenbauern für starke Verunsicherung. Einer Umfrage des VDMA zufolge spüren drei von vier Firmen erhebliche Auswirkungen der wachsenden globalen Unsicherheit. "Diese betrifft nicht nur den Handel mit den USA, sondern wirkt sich auch auf andere wichtige Märkte in Asien und Europa aus", sagte VDMA-Chefökonom Johannes Gernandt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Immobilien
Immobilien Heizungsgesetz gekippt: Regierung bittet Vermieter zur Kasse
30.04.2026

Heizungsgesetz: Die Koalition zieht die Reißleine und begrenzt erstmals die Heizkosten für Mieter. Doch der Kompromiss verschiebt die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitsmarkt bleibt im Frühjahr schwach
30.04.2026

Der Arbeitsmarkt zeigt auch im April kaum Bewegung. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt nur leicht, bleibt aber klar über der...

DWN
Finanzen
Finanzen BASF-Aktie: Zahlen enttäuschen Anleger
30.04.2026

BASF startet schwach ins Jahr und spürt sinkende Preise sowie Währungsdruck im globalen Chemiegeschäft. Gleichzeitig überdecken...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wirtschaft wächst trotz Krisen: Deutschland überrascht
30.04.2026

Steigende Spritpreise an den Tankstellen, Probleme in den Lieferketten: Der Iran-Krieg hinterlässt Spuren in der Wirtschaft. Im ersten...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BDI-Präsident Leibinger rechnet ab: Regierung ohne Plan, Wirtschaft ohne Vertrauen
30.04.2026

Ein Jahr nach Amtsantritt der Bundesregierung zieht der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Peter Leibinger, eine...

DWN
Finanzen
Finanzen MTU-Aktienkurs im Spannungsfeld globaler Risiken - wie Anleger reagieren sollten
30.04.2026

Trotz schwächerer Rahmenbedingungen liefert MTU überraschend stabile Ergebnisse, doch Risiken wie der US-Dollar und geopolitische...

DWN
Finanzen
Finanzen Puma-Aktie: Umsatz sinkt, Ergebnis steigt - was das für Anleger bedeutet
30.04.2026

Nach einem schwierigen Start ins Jahr liefert die Puma-Aktie gemischte Signale: Sinkende Erlöse treffen auf verbesserte Ergebnisse. Die...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie unter Druck: Gewinn bricht deutlich ein - schwache Verkäufe in China und den USA
30.04.2026

Rückläufige Verkaufszahlen und geopolitische Risiken setzen die VW-Aktie zunehmend unter Druck. Die aktuellen VW-Zahlen zeigen deutliche...