Politik

EU plant 18. Sanktionspaket gegen Russland: Ölpreisobergrenze im Visier

Die EU verschärft den Druck auf Moskau – mit einer neuen Preisgrenze für russisches Öl. Doch wirkt die Maßnahme überhaupt? Und was bedeutet sie für Deutschland?
14.07.2025 16:00
Lesezeit: 2 min
EU plant 18. Sanktionspaket gegen Russland: Ölpreisobergrenze im Visier
Ursula von der Leyen vor der nächsten Eskalationsstufe: Mit dem 18. Sanktionspaket will die EU Russlands Ölprofite systematisch eindämmen. (Foto:dpa) Foto: Helena Dolderer

Die Europäische Union steht kurz vor einer Einigung über ihr mittlerweile 18. Sanktionspaket gegen Russland. Laut Angaben aus EU-Kreisen soll die neue Runde auch eine gesenkte Preisobergrenze für russisches Öl enthalten – ein Schritt, der die Einnahmen des Kreml weiter beschneiden soll.

Vier EU-Quellen berichteten nach einem Treffen am Sonntag, dass man sich grundsätzlich auf alle Elemente des Sanktionspakets verständigt habe. Ein Mitgliedstaat habe jedoch weiterhin technische Einwände gegen die vorgesehene neue Ölpreisobergrenze, wie Reuters unter Berufung auf diplomatische Kreise meldet.

Eine endgültige Einigung könnte bereits am Montag erfolgen, also noch vor dem Treffen der EU-Außenminister am Dienstag in Brüssel. Dort soll das Paket offiziell beschlossen werden.

Dynamischer Preisdeckel auf russisches Öl

Kernpunkt der neuen Maßnahmen ist ein dynamischer Preismechanismus. Die Europäische Kommission hatte am Freitag vorgeschlagen, eine flexible Ölpreisobergrenze einzuführen, die 15 Prozent unter dem durchschnittlichen Marktpreis der letzten drei Monate liegen soll.

Laut einer Quelle soll der Startpreis bei rund 43,40 Euro pro Barrel (entspricht etwa 47 US-Dollar) liegen, basierend auf dem durchschnittlichen russischen Ölpreis der letzten 22 Wochen, abzüglich der vereinbarten 15 Prozent. Der Referenzpreis soll künftig nur noch zweimal jährlich – alle sechs Monate – überprüft werden, statt wie ursprünglich geplant vierteljährlich.

Die Slowakei, die die Verhandlungen über das Paket lange blockiert hatte, fordert weiterhin Garantien von der EU-Kommission in Bezug auf geplante Eingriffe in die russischen Gaslieferungen. Dennoch hat das Land dem Paket nach Angaben der Quellen bereits zugestimmt.

Da Sanktionen in der EU einstimmig beschlossen werden müssen, war die Zustimmung Bratislavas entscheidend.

Deutschland steht unter Anpassungsdruck

Die erneute Verschärfung der Ölpreisgrenze betrifft auch Deutschland unmittelbar. Zwar bezieht die Bundesrepublik laut Regierung keine direkten russischen Öllieferungen mehr – doch durch internationale Marktverflechtungen wirken Preisdeckel indirekt auf Raffinerien, Händler und Versicherungen in Europa. Zudem könnten Reaktionen Russlands auf die Preisobergrenze – etwa durch Angebotsverknappung – zu Preissprüngen auf den globalen Märkten führen, was Industrie und Verbraucher auch in Deutschland belastet.

Die Bundesregierung steht somit vor der Herausforderung, eigene Reserven und Energiebeziehungen so zu steuern, dass neue Schocks vermieden werden. Auch der Finanzsektor dürfte betroffen sein, da die EU laut Entwurf gezielt gegen Umgehungskanäle russischer Kapitalströme vorgeht.

Ziel: Moskaus Energieeinnahmen weiter schwächen

Die Preisobergrenze der G7 wurde ursprünglich im Dezember 2022 eingeführt, um die russischen Einnahmen aus dem Ölgeschäft zu begrenzen. Inzwischen hat sich jedoch gezeigt, dass der damalige Wert von 60 US-Dollar pro Barrel (aktuell rund 55 Euro) weitgehend seine Wirkung verloren hat – nicht zuletzt, weil die Preise an den Terminmärkten gefallen sind.

Die Maßnahme untersagt den Transport, Handel sowie die Versicherungs- und Rückversicherungsdienste für russisches Öl, wenn dieses über dem festgelegten Höchstpreis verkauft wird – und zwar bei Tankerexporten.

Das neue Paket, das die EU-Kommission Anfang Juni vorgeschlagen hatte, zielt auf eine weitere Austrocknung der russischen Energieeinnahmen. Neben dem Ölpreisdeckel beinhaltet es ein Verbot von Finanztransaktionen im Zusammenhang mit den Nord-Stream-Pipelines. Zudem soll der Zugriff Russlands auf Finanzsysteme und Sanktionsumgehungsnetze weiter eingeschränkt werden.

Laut einer der Quellen sind auch eine russische Ölraffinerie in Indien sowie zwei chinesische Banken von den Maßnahmen betroffen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Welche Funktionen sind 2026 bei Trading-Plattformen wirklich wichtig?

Trading-Plattformen entwickeln sich rasant weiter. Im Jahr 2026 geht es längst nicht mehr nur darum, Wertpapiere oder andere...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Marius Vaitiekūnas

Zum Autor:

Marius Vaitiekūnas ist ein ausgewiesener Experte für Geopolitik und internationale Wirtschaftsverflechtungen. Geboren 1985 in Kaunas, Litauen, schreibt er als freier Autor regelmäßig für verschiedene europäische Medien über die geopolitischen Auswirkungen internationaler Konflikte, wirtschaftlicher Machtverschiebungen und sicherheitspolitischer Entwicklungen. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind die globale Energiepolitik und die sicherheitspolitischen Dynamiken im osteuropäischen Raum.

DWN
Panorama
Panorama Warum die Welt besser ist, als viele denken: Zehn wenig bekannte Trends
02.08.2026

Kriege, Katastrophen und wirtschaftliche Krisen bestimmen die Nachrichten. Doch während die Schlagzeilen den Eindruck eines globalen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Algerien: Wenn ein Gebrauchtwagen teurer ist als ein Neuwagen
02.08.2026

Algerien will weniger abhängig von Öl und Gas werden und setzt auf eine eigene Autoindustrie. Nach Jahren des Mangels, explodierenden...

DWN
Finanzen
Finanzen Adieu Frankreich, adieu Deutschland: Wohin Europas Reiche ziehen
02.08.2026

Politische Unsicherheit, hohe Steuern: Das sind die wichtigsten Gründe, warum Reiche die zwei stärksten Länder Europas verlassen. Wohin...

DWN
Finanzen
Finanzen Neue Entwürfe für die Euro-Banknoten: Stimmen Sie für Ihren Favoriten ab!
01.08.2026

Die Europäische Zentralbank hat zehn Entwürfe für neue Euro-Banknoten vorgestellt. Bürger können bis zum 21. September über ihr...

DWN
Panorama
Panorama Bahn, Solarstrom und Ganztag: Das ändert sich im August
01.08.2026

Mit dem Start in den August treten mehrere Neuerungen in Kraft, die Millionen Menschen in Deutschland betreffen. Ob auf der Schiene, im...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft In europäischen Fabriken gehen die Lichter aus: Wer schließt sie, wer entlässt Mitarbeiter?
01.08.2026

VW, Bosch, BASF, Evonik, ThyssenKrupp, Michelin: In der Automobil-, Chemie- und Stahlindustrie reihen sich Werksschließungen, Entlassungen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Der beste Freund des Recruiters: Tiere im Büro ziehen Talente stärker an als Boni
01.08.2026

Viele Unternehmen holen ihre Beschäftigten zurück ins Büro. Doch klassische Benefits verlieren an Zugkraft. Eine neue Studie zeigt: Für...

DWN
Unternehmen
Unternehmen BYD Sealion 5 im Test: Viel Auto für vergleichsweise wenig Geld
01.08.2026

Der BYD Sealion 5 verbindet viel Platz, hohen Komfort und einen erstaunlich großen Aktionsradius. Als Plug-in-Hybrid schafft er im Test 80...