Heizöl kaufen oder abwarten? Verbraucherschützer warnen vor vollem Tank
Für Haushalte mit Ölheizung wird die Vorbereitung auf den Winter teuer: Zu Beginn der Heizsaison liegen die Heizölpreise so hoch wie seit der Energiekrise 2022 nicht mehr. Ursache sind der Iran-Krieg und die daraus entstandenen Folgen für den Energiemarkt. Am Donnerstagnachmittag kosteten 100 Liter Heizöl bei einer Abnahmemenge von 3.000 Litern bundesweit im Durchschnitt mehr als 168 Euro, berichteten die Vergleichsportale Heizoel24 und Esyoil. Immerhin: Mitte September wurden laut Heizoel24 zeitweise bereits 179 Euro erreicht. Vor einem Jahr meldeten beide Portale am 1. Oktober noch Preise von knapp 91 Euro.
"Zumindest bleibt es mild, die Vorhersage zeigt für die kommenden zwei Wochen keinen Kälteeinbruch", stellte Janin Wordel von Heizoel24 in einer Analyse fest. "Die Heizung muss also noch nicht durchlaufen." Dennoch bleibe die Nachfrage nach Heizöl robust, weil sich viele Verbraucher seit dem Frühjahr bei der Bevorratung zurückgehalten hätten. "Das wird nun nachgeholt." Wer noch genügend Heizöl im Tank habe, könne sich dadurch beim Zeitpunkt der Bestellung etwas Spielraum verschaffen.
Esyoil: Zahl der Heizöl-Bestellungen überdurchschnittlich hoch
Auch Steffen Bukold von Esyoil beschreibt den Markt als "lebendig": "Die Zahl der Bestellungen ist in dieser Woche überdurchschnittlich hoch", schreibt er in seiner jüngsten Analyse. Von einer Kaufpanik könne allerdings keine Rede sein.
"Wir empfehlen Haushalten, so wenig wie nötig zu tanken, aber genug, um über den kommenden Winter zu kommen", sage Energiemarktexpertin Christina Wallraf von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Bei Öl-Heizungen mit zentraler Warmwasserbereitung entspreche diese Menge ungefähr drei Vierteln des durchschnittlichen Jahresverbrauchs eines Haushalts.
Verbraucherschützer: Heizöltank nicht vollständig leeren
"Den Tank vollmachen sollte man nicht, da die Preise aktuell so hoch sind wie zuletzt in der Energiepreiskrise von 2022", so Wallraf weiter. Sehr kleine Mengen für nur wenige Wochen seien ebenfalls wenig sinnvoll, weil der Preis pro Liter steige, wenn weniger Heizöl bestellt werde. "Zu leer laufen lassen sollte man den Tank ebenfalls nicht, denn dann benötigt man kurzfristig neues Heizöl. Und eine kurzfristige Lieferung ist wiederum häufig mit Aufschlägen verbunden." Das sei besonders bei Onlinebestellungen üblich. Für eine Lieferung innerhalb von 24 Stunden könnten etwa 250 Euro zusätzlich verlangt werden. "Wer flexibel ist und auch eine Lieferung innerhalb weniger Wochen akzeptiert, bekommt den niedrigsten Preis."
Beim Heizölkauf im Internet warnte Wallraf zudem vor Fakeshops. "Diese haben aktuell wieder Hochsaison", sagte sie. "Wenn nur Vorauskasse möglich ist, die Preise sehr niedrig sind oder kein Impressum vorhanden ist, sollte man skeptisch werden." Sie verwies auf den Fakeshop-Finder der Verbraucherzentralen. Dort lässt sich die Internetadresse eines Online-Shops eingeben, anschließend erhalten Verbraucher eine Einschätzung der Verbraucherschützer zur Seriosität des Angebots.
Heizöl ist in Deutschland nach Erdgas der zweithäufigste Energieträger für Heizungen. Von den 43,8 Millionen Wohnungen in Deutschland werden nach Angaben des Energiewirtschaftsverbands BDEW 17,2 Prozent mit Öl beheizt. Das entspricht rund 7,5 Millionen Wohnungen.
Auch der CO2-Preis bleibt ein Kostenfaktor
Die aktuelle Preislage spricht dafür, beim Heizölkauf weder in Panik noch sorglos zu handeln. Neben Marktpreisen gewinnt auch die CO2-Bepreisung an Bedeutung: Im Jahr 2026 liegt der Preis für nationale Emissionszertifikate in Deutschland in einem Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne CO2. Das betrifft unter anderem Brennstoffe für den Wärmemarkt und damit auch Heizöl. Das Umweltbundesamt nennt den nationalen Emissionshandel ein Instrument zur Verringerung von Emissionen in Wärme und Verkehr. Für Haushalte bleibt deshalb entscheidend, kurzfristige Versorgungssicherheit und langfristige Heizkosten gemeinsam im Blick zu behalten. Preisvergleiche und ein ausreichender Tankrest können dabei zusätzlichen Spielraum schaffen.

