Wirtschaft

Boliden-Chef: Mikael Staffas verteidigt Trump-Stahlzölle

Der CEO von Boliden, Mikael Staffas, verteidigt Trumps Stahlzölle und warnt vor der chinesischen Konkurrenz. Europa steckt in lähmender Bürokratie – mit Folgen auch für Deutschland.
07.09.2025 09:49
Lesezeit: 2 min
Boliden-Chef: Mikael Staffas verteidigt Trump-Stahlzölle
Mikael Staffas, Präsident von Boliden Mines und CFO von Boliden, warnt vor China und kritisiert Europas Bürokratie (Foto: Boliden).

US-Stahlzölle: Boliden-Chef gibt Trump Recht

US-Präsident Donald Trump liegt nach Ansicht von Mikael Staffas, CEO des schwedischen Bergbau- und Schmelzunternehmens Boliden, mit seiner Politik der Stahlzölle richtig. Auf dem Seminar „Industrie – unsere beste Verteidigung“, das von fünf führenden schwedischen Industrieverbänden organisiert wurde, betonte Staffas, dass Zölle auf Stahl und Aluminium unerlässlich seien, um die Industrie in den USA zu sichern.

„Die Zölle auf Stahl und Aluminium sind absolut notwendig, wenn man will, dass überhaupt noch eine Industrie in den USA existiert. China hat diese Märkte mit billigem Geld und staatlicher Unterstützung übernommen“, sagte Staffas.

Auch auf dem Kupferschmelzmarkt, in dem Boliden tätig ist, zeichne sich ein ähnliches Szenario mit massiver Konkurrenz aus China ab. Schweden stehe als Industrieland zwar vergleichsweise gut da, doch unfaire Wettbewerbsbedingungen setzten auch dort einzelne Branchen zunehmend unter Druck. Fehlende Maßnahmen könnten dazu führen, dass ganze Industriezweige verschwinden, so der Manager.

Langwierige Verfahren als Standortnachteil

Besonders kritisch sieht Staffas die langen Genehmigungsprozesse in Europa. Bolidens Antrag auf eine Bergbaukonzession für die Laver-Lagerstätte wurde zwar jüngst nach zehn Jahren bewilligt, doch Umweltgenehmigungen – darunter Natura-2000-Auflagen – stehen weiterhin aus. Erst danach könne über Investitionen in die potenziell größte Kupfermine Europas entschieden werden. „Wir brauchen einen kleineren, effizienteren öffentlichen Sektor, der Genehmigungen in angemessener Zeit bearbeitet“, forderte Staffas.

Mit Blick auf das von Trump und Elon Musk gegründete „Effizienzministerium“ warnte er vor dem Risiko, dass Frust über lange Verfahren in Europa ebenfalls zu drastischen Kürzungen führen könnte.

Thomas Östros, Vizechef der Europäischen Investitionsbank, widersprach teilweise. Nicht die Zahl der Staatsbediensteten sei das Problem, sondern die Überkomplexität der EU-Regeln. Europa müsse hier dringend vereinfachen.

Bedeutung für Deutschland und Europa

Die Debatte ist nicht nur für Schweden relevant. Auch die deutsche Industrie – von Stahl bis Automobil – ist stark von globalen Märkten abhängig. Sollten Zölle und lange Genehmigungsverfahren die Wettbewerbsfähigkeit Europas weiter schwächen, könnten Unternehmen in Deutschland ihre Produktion verlagern oder Investitionen aufschieben. Angesichts der Konkurrenz aus China und der geopolitischen Spannungen wirkt die Diskussion über Stahlzölle auch auf deutsche Schlüsselindustrien zurück, die vor ähnlichen Herausforderungen wie Boliden stehen.

Östros betonte, dass China mit enormem Tempo in Schlüsselindustrien wie der Automobil- und Energiewirtschaft aufhole und damit sowohl die USA als auch Europa herausfordere. Europa müsse sicherstellen, sich nicht von China abhängig zu machen – insbesondere, wenn Peking Russland weiter im Ukraine-Krieg unterstützt.

Kapitalmärkte und Währungsrisiken

Darüber hinaus warnte Östros vor der Abhängigkeit Schwedens von einer schwachen Krone, die seit Jahrzehnten an Wert verloren hat. Dänemark habe mit seiner festen Währungspolitik vorgemacht, wie Stabilität geschaffen werden könne. Positiv hob er die Struktur des schwedischen Kapitalmarktes hervor, der Innovationen fördere und durch kapitalgedeckte Rentensysteme einen Wettbewerbsvorteil gegenüber vielen europäischen Staaten besitze.

Das Seminar, organisiert von Skogsindustrierna, Ikem, Jernkontoret, Teknikföretagen und Svemin, machte deutlich: Stahlzölle, Wettbewerbsbedingungen und die geopolitische Rolle Chinas bleiben die zentralen Fragen für die europäische Industriepolitik.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kappa Rus: Wie Putin einen Unternehmer um sein Lebenswerk bringt
20.10.2026

Jahrelang baute ein schwedischer Unternehmer in Russland ein millionenschweres Geschäft auf. Nun nimmt ihm Wladimir Putin per Dekret die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Leere Lager, stockende Bänder: Die deutsche Industrie im Würgegriff neuer Materialengpässe
20.10.2026

Elektronikkomponenten und chemische Rohstoffe werden zur Mangelware. Die neuesten ifo-Daten zeigen, wie fragil der Standort Deutschland im...

DWN
Finanzen
Finanzen Altersvorsorgedepot: Sozialverband warnt vor staatlich geförderter Kostenfalle
20.10.2026

Maximal ein Prozent Gebühren pro Jahr darf das neue Altersvorsorgedepot ab dem 1. Januar 2027 kosten. Dennoch warnt der Sozialverband vor...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-Aktie: Musk verspricht jedem US-Kind eine Aktie seiner Weltraumfirma
20.10.2026

Jedes Kind in den USA soll von Elon Musk eine Aktie seiner Weltraumfirma SpaceX bekommen. Wie genau das passieren soll, ist noch unklar....

DWN
Finanzen
Finanzen Staatsverschuldung: Wie teuer Deutschlands Schulden jetzt werden
20.10.2026

Deutschlands Staatsschulden wachsen, während die Zinsen an den Anleihemärkten steigen. Der Bund muss immer mehr Geld aufnehmen und...

DWN
Politik
Politik Sonntagsumfrage: AfD bleibt stärkste Kraft
20.10.2026

Die AfD liegt in der YouGov-Umfrage weiter vorn, während sich bei mehreren Parteien kaum etwas bewegt. Welche Verschiebungen es im...

DWN
Finanzen
Finanzen Vier Jahre Kursentwicklung an der Wall Street: Jetzt wird der Aufschwung auf die Probe gestellt
20.10.2026

Der US-Aktienmarkt hat sich in vier Jahren mehr als verdoppelt. Doch hohe Zinsen und Finanzierungssorgen für den KI-Boom haben nun für...

DWN
Finanzen
Finanzen Buffer-ETFs: Warum der Airbag fürs Depot vor allem Rendite kostet
20.10.2026

Buffer-ETFs versprechen Aktienrenditen ohne die schlaflosen Nächte. In den USA ist daraus ein 78-Milliarden-Dollar-Business geworden, in...