Steuerliche Anreize sollen Elektroauto-Käufe in Deutschland fördern
Die deutsche Automobilindustrie befindet sich derzeit in einer schwierigen Phase, da zahlreiche Unternehmen vor tiefgreifenden Veränderungen stehen. Vor diesem Hintergrund plant die Bundesregierung, die bestehenden Steuererleichterungen beziehungsweise Steuerbefreiungen für Käufer von Elektrofahrzeugen bis zum Jahr 2025 zu verlängern. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur DPA, dass es entscheidend sei, jetzt die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Zahl der Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen in den kommenden Jahren deutlich zu erhöhen. Die steuerlichen Anreize sollen insbesondere den Besitz von ausschließlich elektrisch betriebenen Fahrzeugen fördern und so die Transformation der Automobilbranche hin zu umweltfreundlicher Mobilität beschleunigen.
Nach den bisher geltenden Regelungen würde die Steuerbefreiung für neu zugelassene reine Elektrofahrzeuge am 1. Januar 2026 auslaufen. Die geplante Gesetzesänderung sieht vor, diese Befreiung um weitere fünf Jahre zu verlängern und so Fahrzeugbesitzer gezielt zu fördern. Konkret sollen Fahrzeuge, die erstmals bis zum 31. Dezember 2030 zugelassen werden, von der Steuerbefreiung profitieren können. Eine maximale zehnjährige Befreiung soll dabei bis zum 31. Dezember 2035 gelten. Nach Angaben von Marketscreener soll die Maßnahme vor allem den frühzeitigen Kauf von Elektroautos attraktiv machen und damit die Nachfrage in einer Phase steigender Herausforderungen für die Branche stabilisieren. Die geplante Reform betrifft eine Änderung des Kraftfahrzeugsteuergesetzes und wird nach ersten Einschätzungen in den kommenden Jahren einen Einnahmeverlust in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro für den Bundeshaushalt bedeuten. Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass die Steuervergünstigungen ausschließlich für in Deutschland hergestellte Fahrzeuge gelten. Die Bundesregierung will die Anreize branchenweit wirken lassen, um die Marktakzeptanz von Elektrofahrzeugen zu erhöhen. Weitere Informationen zu den steuerlichen Regelungen sind auf entsprechenden deutschen Webseiten verfügbar.
Themen des Automobilgipfels am Donnerstag
Finanzminister Klingbeil bezeichnete die Steuerbefreiung als einen der zentralen Bausteine der Maßnahmen, die am kommenden Donnerstag beim sogenannten „Automobildialog“ diskutiert werden sollen. Das Treffen wird von Kanzler Friedrich Merz (CDU) ausgerichtet und soll ein umfassendes Paket von Maßnahmen hervorbringen, das die deutsche Automobilindustrie in die Zukunft führt und Arbeitsplätze sichert. Klingbeil betonte, dass Deutschland weiterhin die besten Fahrzeuge produzieren müsse und dass die Sicherung von Arbeitsplätzen in der Branche oberste Priorität habe. Angesichts der schwierigen Lage der Industrie, in der Unternehmen zeitweise Werke schließen und Personal abbauen, sollen diese politischen Impulse zur Stabilisierung beitragen. Die deutsche Automobilindustrie steht vor erheblichen Herausforderungen. Bis 2030 sollen nach bisherigen Unternehmensankündigungen über 92.000 Arbeitsplätze wegfallen. Im Jahr 2024 waren nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) rund 770.000 Menschen in der Branche beschäftigt, was eine Reduzierung um etwa 12 Prozent bedeuten würde. Die geplanten Einschnitte betreffen sowohl Fertigung als auch Forschung und Entwicklung und spiegeln die tiefgreifenden Umstrukturierungen wider, die durch den Übergang zur Elektromobilität und die internationale Konkurrenz erforderlich werden.
Konkret sehen die aktuellen Pläne der deutschen Unternehmen laut Bloomberg wie folgt aus: Volkswagen plant, bis 2030 insgesamt 35.000 Stellen in Deutschland zu streichen. Robert Bosch will die Beschäftigtenzahl um 18.500 reduzieren, insbesondere in den Bereichen Mobilität und automatisiertes Fahren. ZF Friedrichshafen plant bis Ende 2028 einen Rückgang von 14.000 Arbeitsplätzen. Continental will 10.150 Stellen abbauen, vor allem in Forschung und Entwicklung in Deutschland und im Ausland, unter anderem durch Werksschließungen in Hessen. Audi plant eine Reduzierung um 7.500 Beschäftigte, während Schaeffler bis Ende 2029 4.700 Stellen abbauen wird, mehr als die Hälfte davon in Deutschland. Porsche plant einen Rückgang um 1.900 Beschäftigte bis 2029. Ford will 1.000 Arbeitsplätze streichen, insbesondere in der Fabrik für Elektrofahrzeuge in Köln. Diese Zahlen verdeutlichen die Dimension der Transformation, die die Branche derzeit durchläuft, und die Dringlichkeit von politischen Maßnahmen.
Beim Treffen am Donnerstag werden neben Bundesministern auch Vertreter der Bundesländer, der Automobilindustrie und der Gewerkschaften teilnehmen. Die Branche sieht sich mit einer verlangsamten Nachfrage, zunehmender Konkurrenz aus China und dem strukturellen Wandel hin zur Elektromobilität konfrontiert. Zusätzlich belasten ein Zollstreit mit den USA und steigende Kosten die Unternehmen. Viele Firmen führen daher Sparmaßnahmen durch, reduzieren ihre Belegschaften und passen ihre Produktionsstrategien an die neuen Rahmenbedingungen an. Der Automobilgipfel soll dazu beitragen, gemeinsame Strategien zu entwickeln, die sowohl die Wettbewerbsfähigkeit der Branche sichern als auch Arbeitsplätze erhalten.
Mögliche zusätzliche Maßnahmen
Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), forderte die Koalition auf, die Steuerbefreiung für vollständig elektrische Fahrzeuge wie im Koalitionsvertrag vorgesehen bis 2035 zu verlängern. Sie betonte, dass die Steuerbefreiung sich bereits als effektiver Anreiz für den Kauf von Elektrofahrzeugen erwiesen habe. Würde sie ab dem 1. Januar 2026 nicht mehr für Neuzulassungen gelten, hätte dies erhebliche negative Folgen für die weitere Entwicklung der Elektromobilität im Personen- und Nutzfahrzeugbereich. Neben der Verlängerung der Steuerbefreiung könnten beim Automobilgipfel auch weitere Maßnahmen vorgestellt werden. Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD ist ein „Programm für Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen“ vorgesehen, das gezielt den Übergang zu umweltfreundlicher Mobilität unterstützen soll und die finanziellen Hürden für den Kauf von Elektrofahrzeugen abmildert.
Die geplante Verlängerung der Steuerbefreiung für Elektrofahrzeuge ist ein zentraler Schritt, um die deutsche Automobilindustrie in Zeiten tiefgreifender Veränderungen zu stabilisieren. Angesichts der angekündigten Arbeitsplatzabbaupläne und der Herausforderungen durch internationale Konkurrenz, insbesondere aus China, kann die Maßnahme dazu beitragen, die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen zu sichern und den Produktionsstandort Deutschland langfristig zu stärken. Gleichzeitig wird deutlich, dass zusätzliche gezielte Förderprogramme notwendig sind, um sowohl die wirtschaftliche Stabilität als auch den Übergang zu klimafreundlicher Mobilität nachhaltig zu gewährleisten und die Transformation der Branche sozial ausgewogen zu gestalten.

