Wirtschaft

Revolut Bank: Wie ein britisches Fintech Europas Bankenaltbau ins Wanken bringt

Die Revolut Bank stellt das gesamte europäische Bankensystem infrage: Mit 75 Milliarden Dollar Bewertung, aggressiver Expansion und digitaler Präzision attackiert das britische Fintech die träge Elite der Finanzwelt – und zwingt traditionelle Banken, um ihre Zukunft zu fürchten.
25.10.2025 11:00
Lesezeit: 3 min
Revolut Bank: Wie ein britisches Fintech Europas Bankenaltbau ins Wanken bringt
Revolut Bank: Vom einstigen Start-up zum Symbol des digitalen Umbruchs in der Bankenwelt. (Foto: dpa/dpa-Zentralbild | Monika Skolimowska) Foto: Monika Skolimowska

Vom Smartphone-Start-up zum Milliardenkonzern: Wie die Revolut Bank Europas Finanzordnung herausfordert

Der britische Finanztechnologie-Gigant Revolut Bank steht vor der Herausforderung, seine gewaltige Bewertung zu rechtfertigen, berichten die Kollegen von Verslo žinios. Im Juli 2015 gründeten Nikolay Storonsky und Vlad Yatsenko in Großbritannien das Fintech-Start-up Revolut Bank. Zehn Jahre später ist die Revolut Bank das wertvollste private Unternehmen Europas – mit dem Ziel, einen globalen Neobank-Konzern aufzubauen. Ende September eröffneten die Gründer ein neues Büro im Londoner Finanzzentrum Canary Wharf – ein symbolischer „Siegeslauf“ für das Unternehmen. Zur Eröffnung erschien neben der gesamten Führungsriege auch die britische Finanzministerin Rachel Reeves. Sie bezeichnete die Finanztechnologiebranche als Vorzeige-Sektor und hob die Offenheit Großbritanniens für Investoren hervor – gerade zu einem Zeitpunkt, in dem die USA unter Präsident Donald Trump protektionistische Züge zeigen. Nur wenige Tage zuvor hatten die US-Behörden eine neue Gebühr von 100.000 US-Dollar für H-1B-Visa angekündigt. „Wir sind Großbritannien als unserem Heimatmarkt verpflichtet“, erklärte Storonsky bei der Eröffnung. „In den kommenden Jahren wollen wir drei Milliarden Pfund investieren und mindestens 1.000 neue Mitarbeiter einstellen.“

Das neue Büro im Gebäude „YY London“ reiht sich visuell in die Skyline von HSBC, Barclays oder Citi ein – ein deutlicher Wandel für ein Unternehmen, das einst als kleiner Herausforderer der Großbanken galt. Die Geschichte der Revolut Bank ist eng mit Litauen verbunden: Dort wurde die App früh populär, und 2021 erhielt das Unternehmen von der Lietuvos Bankas die erste vollwertige Banklizenz. Für Litauen war die Revolut Bank Symbol seiner Fintech-Ambitionen – der schnelle Aufstieg eines globalen Players aus Vilnius. Doch heute spielt der litauische Markt kaum noch eine Rolle: Revolut Bank zählt weltweit über 60 Millionen Kunden. Als das Unternehmen in diesem Jahr eine zweite EU-Lizenz in Frankreich beantragte, kamen Zweifel an seiner Zukunft in Litauen auf. Mitgründer Yatsenko wies diese zurück: „Wir wachsen weiter und bleiben hier.“

Revolut Bank: 75 Milliarden US-Dollar Bewertung

Kürzlich wurde bekannt, dass Revolut Bank bei einem internen Aktienverkauf bestehender Mitarbeiter mit 75 Milliarden US-Dollar bewertet wurde – eine Summe, die keine andere private europäische Firma erreicht. Diese Bewertung wirft Fragen auf: So ist etwa Barclays an der Börse weniger wert, obwohl sie höhere Umsätze und Gewinne erzielt. Zudem besitzt Revolut Bank in Großbritannien noch immer keine vollwertige Banklizenz. Storonsky erklärt den hohen Wert durch ein anderes Geschäftsmodell: „95 Prozent unserer Einnahmen stammen aus Abonnements und Transaktionsgebühren. Unsere Struktur ähnelt eher einem Softwareunternehmen als einer klassischen Bank.“ Siddharth Jajodia, Chef des US-Geschäfts, ergänzt: „Der Vorteil von Revolut Bank liegt im integrierten Technologiestack. Die Kosten für neue Kunden liegen fast bei null – dadurch können wir effizient in neue Märkte eintreten.“

Expansion und neue Produkte

Revolut Bank wagt zunehmend den Schritt in klassische Bankensegmente. In Litauen startete sie etwa mit der Refinanzierung von Hypotheken – ein Pilotprojekt, das künftig international ausgerollt werden soll. Seit der Gründung 2015 hat sich das Produktportfolio auf rund 100 Angebote erweitert – von Kreditkarten bis zu Investmenttools. Bis 2027 will die Revolutbank 100 Millionen Kunden erreichen und bis 2030 in 30 weitere Länder expandieren. In die USA sollen allein 425 Millionen Euro fließen.

Der Unternehmensbereich „Revolut Business“ erwirtschaftet bereits rund 850 Millionen Euro jährlich. Laut Business-Chef James Gibson liegt die Stärke in der Effizienz: „Bei traditionellen Banken dauert es Wochen, ein Geschäftskonto zu eröffnen – wir schaffen das meist am selben Tag. Und unsere Transaktionsgebühren liegen oft unter 0,5 Prozent.“ Auch die Nutzerfreundlichkeit sei entscheidend: „Viele alte Banken zwingen ihre Kunden noch immer in Filialen. Die Revolut Bank bietet dagegen eine vollständig digitale Erfahrung.“ Innerhalb weniger Jahre hat sich die Revolut Bank damit zu einem der führenden europäischen B2B-Fintechs entwickelt – mit einer Bewertung, die das Selbstverständnis des Unternehmens prägt: global, technologiegetrieben und angriffslustig.

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