Wirtschaft

Von Bier bis Cola - viele Getränke werden teurer

Nach Ankündigungen von Brauereien könnte es erstmals seit mehreren Jahren wieder zahlreiche Preiserhöhungen bei Bier geben. Krombacher und Veltins haben in diesem Monat ihre Preise für Kunden im Handel und der Gastronomie bereits erhöht. Einige andere Großbrauer folgen.
26.10.2025 09:33
Lesezeit: 3 min
Von Bier bis Cola - viele Getränke werden teurer
Krombacher und Veltins haben Preiserhöhungen sowohl für ihr Flaschenbier als auch für Fassbier vollzogen. (Foto: dpa) Foto: Rolf Vennenbernd

Von Bier bis Cola – viele Getränke werden teurer

Sechs der zehn meistgetrunkenen Biermarken in Deutschland sind nach einer Analyse des Getränkemarktfachmagazins „Inside“ aktuell oder in den kommenden Monaten von Preiserhöhungen der Großbrauereien betroffen. Neben mehreren Großbrauer erhöhten auch viele kleine Brauereien ihre Preise.

Wann kommen die höheren Preise beim Verbraucher an?

Es muss sich erst noch zeigen, in welchem Umfang die Abnehmer der Brauereien die Preiserhöhungen hinnehmen und an die Konsumenten weitergeben. „Inside“-Herausgeber Niklas Other verweist auch auf die großen Überkapazitäten in der Braubranche: Der Handel habe vor diesem Hintergrund leichtes Spiel, Bier zu möglichst günstigen Konditionen einzukaufen.

Getränkeexperte Marcus Strobl vom Marktforschungsinstitut NIQ geht davon aus, dass es noch einige Zeit dauern dürfte, bis sich die Preisschilder für die Verbraucher in den Märkten verändern. „Meine Erfahrung ist, dass der Handel mit der Umsetzung teilweise wartet bis nach Weihnachten, weil er das Weihnachtsgeschäft noch mitnehmen möchte“, sagt Strobl.

Wie können Biertrinker Preiserhöhungen ein Schnippchen schlagen?

In der Vorweihnachtszeit werden wieder zahlreiche Aktionspreise im Handel erwartet. „Sowohl im Handel als auch der Braubranche besteht ein großer Mengendruck, weil die Absätze in diesem Jahr besonders deutlich zurückgehen“, sagt Getränkeexperte Strobl. Das könnte dazu führen, dass verstärkt zu Aktionen gegriffen wird oder Preise wieder sinken, um die eigenen Ziele zu erreichen.

Wie groß ist der Preisunterschied?

Die vom Handel beworbenen Preisaktionen bei der beliebtesten Biersorte Pils nutzen die Biertrinker immer stärker. Bei den großen Pilsmarken werden laut Strobl im Schnitt bereits sieben von zehn Bierkästen mit jeweils 20 Halbliterflaschen zu Aktionspreisen im Handel verkauft. Etwa fünf Euro günstiger werde der große Kasten Pils in der Aktion angeboten gegenüber dem Standardpreis. „Das nehmen natürlich viele gern mit“, schildert er.

Dank solcher Aktionen können Verbraucher vielerorts Bier zu Preisen wie vor Jahrzehnten kaufen, sagt Other. Die vertrauten 9,99 ? pro Kiste seien mittlerweile jedoch seltener geworden; die meisten großen Pilsmarken würden im Schnitt mit 10,50 Euro beworben.

Ist auch Fassbier von Preiserhöhungen betroffen?

Krombacher und Veltins haben Preiserhöhungen sowohl für ihr Flaschenbier als auch für Fassbier vollzogen. Beim Marktführer Radeberger Gruppe betreffen die Preiserhöhungen zum 1. Januar 2026 sowohl das Fassbiersortiment als auch einen Teil des Mehrwegsortiments. Nicht nur der Handel, auch die Gastronomie sei in vielen Fällen mit Preiserhöhungen bei Bier konfrontiert, erklärt „Inside“-Herausgeber Other.

Wird damit auch das Bier in der Kneipe um die Ecke teurer?

„Der Bierpreis hat neben der tatsächlichen auch eine symbolische Wirkung für die Branche insgesamt“, sagt Thorsten Hellwig, Sprecher des Branchenverbandes Dehoga NRW. Der massive Kostendruck halte an, auch der Mindestlohn steige. „Für viele gastronomische Betriebe bedeuten gestiegene Einkaufspreise und Kosten aufgrund der wirtschaftlichen Gesamtsituation, dass Preisanpassungen immer schwieriger zu vermeiden sind“, beschreibt Hellwig.

Werden auch andere Getränke teurer?

Aktuell werden ebenfalls alkoholfreie Getränke teurer. Other verweist auf den Marktführer Coca-Cola, der zum 1. September an der Preisschraube drehte. Nach Angaben des Konzerns liegen die Preiserhöhungen gegenüber den Kunden im Handel und im Außer-Haus-Markt im Schnitt aller Produkte und Packungen im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Laut „Inside“ haben viele weitere Markenhersteller ihre Kostensteigerungen ebenfalls weitergereicht.

Bei alkoholfreien Getränken spielten die Eigenmarken des Handels eine größere Rolle. Hier habe der Handel in den vergangenen Jahren bereits erhebliche Preissteigerungen umgesetzt. „Mit absurden Folgen: Teilweise sind Markenartikel in der Aktion günstiger als die Eigenmarken bei Aldi, Lidl & Co“, sagt Other.

Warum geht der Bierkonsum in jüngster Zeit so stark zurück?

Da kommen mehrere Faktoren zusammen. „Der Bierabsatz ist tatsächlich so stark wie nie unter Druck“, betont Other. Gerade in der Gastronomie werde weniger Bier getrunken. Das belegen auch Zahlen der Marktforscher von NIQ: „Im Handel war der Absatzrückgang mit minus 2,1 Prozent bei Bier insgesamt im ersten Halbjahr 2025 gar nicht so dramatisch. In der Gastronomie ist der Bierabsatz deutlich stärker um 8,6 Prozent gesunken“, erklärt Strobl.

In Gaststätten und Kneipen machten sich umfangreiche Kostensteigerungen bereits in Preisen bemerkbar. Da sei auch eine bewusste Konsumzurückhaltung zu spüren. Strobl sagt dazu: „Wir befragen auch immer die Leute, die in die Gastronomie gehen, die dann sagen: ‚Ich trinke nur noch eins statt zwei Gläser Wein.‘ Auch bei Bier wird dann das zweite, dritte oder vierte Glas nicht getrunken.“

Hinzu kommt der Faktor Demografie, durch den der Bierkonsum bereits seit langem schrumpft. „Die Älteren trinken weniger“, sagt Other. Die Abkehr vom Alkohol treffe andere Warengattungen wie Spirituosen oder Wein noch härter.

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