Unternehmen

Flixtrain bereit zum harten Wettbewerb um Bahn-Kunden

Im Fernverkehr auf deutschen Schienen herrscht bislang wenig Wettbewerb. Das könnte sich in den kommenden Jahren ändern. Ein kleiner Konkurrent der Deutschen Bahn gibt sich kämpferisch.
18.11.2025 17:30
Lesezeit: 2 min

Flixtrain: Ausbau mit 65 neuen Zügen geplant

Der private Mobilitätsanbieter Flixtrain rüstet sich für einen harten Wettbewerb im deutschen Schienen-Fernverkehr. Der Konkurrent der Deutschen Bahn AG mit einem derzeitigen Marktanteil von rund fünf Prozent und 13 Zügen will sein Angebot mit 65 neu bestellten Zügen kräftig ausbauen.

Markteintritte aus Italien kein Garant für Erfolg

Mögliche weitere Markteintritte etwa der italienischen Bahnbetreiber Italo und Trenitalia würden wahrscheinlich nicht den optimalen Bahnbetrieb in Deutschland ergeben, sagte Flix-Chef André Schwämmlein beim Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW). Beispiele aus anderen europäischen Ländern zeigten, dass positive Ergebnisse am ehesten mit zwei Spielern erzielt würden. Er bleibe aber gelassen: "Wir sind schon im Markt. An unseren Plänen ändert sich nichts. Wir fürchten uns nicht vor anderen."

Saubere Rahmenbedingungen verlangt

Voraussetzung für ein gutes Fernverkehrsangebot mit günstigen Tickets seien niedrige Trassenpreise und ein unabhängiger Netzbetrieb, betonte Schwämmlein. Die Politik müsse saubere Rahmenbedingungen setzen und entscheiden, wie viel Wettbewerb sie auf der Schiene will. Die Unternehmen müssten sich bei ihrem Angebot kooperativ verhalten und so planen, dass das Netz nicht überlastet werde. "Es sollte keine politischen Fahrpläne geben."

Infrastruktur soll zügig saniert werden

Der DB-Herausforderer zeigte sich optimistisch, dass das deutsche Netz zügig saniert werden kann. "Die Infrastruktur ist in einem schlechten Zustand, aber es gibt keinen Geldmangel mehr." Schon seit mehreren Jahren fließen große Mittel in die Infrastruktur. "Das muss eine Wirkung haben."

Mehr Sitze und flexiblere Züge

Mit seiner neuen Flotte sieht sich der Flix-Chef klar im Vorteil. Längere Züge ohne Bistro werden nach seiner Ankündigung deutlich mehr Sitzplätze haben als bei der Konkurrenz und zumindest im deutschen Netz genauso schnell unterwegs sein wie die ICE. Die Kosten für den einzelnen Sitzplatzkilometer sollen bei Flix auch wegen des flexiblen und kostengünstigeren Lok-Wagen-Systems niedriger bleiben.

Einen Zeitpunkt für den ersten Einsatz der neuen Züge mit Talgo-Wagen und Siemens-Lokomotiven hat Flix bislang nicht genannt. Sie sollen in mindestens sechs europäischen Ländern technisch einsetzbar sein. Rabattkarten und Abonnements soll es nicht geben, dafür aber reservierte Sitzplätze für alle Gäste. Sein Unternehmen wolle mit einem simplen und günstigen Angebot mehr Nachfrage erzeugen, sagt Schwämmlein. "Es müssen mehr Menschen Zug fahren. Der Markt muss wachsen."

Vom Fernbus zum Schienenbetrieb

Flix ist zunächst als Plattform für Fernbusverbindungen groß geworden und bietet seine Dienste inzwischen in mehr als 40 Ländern auf vier Kontinenten an. Den Betrieb der grünen Busse überlässt das Unternehmen in den meisten Ländern privaten Buspartnern, sodass ein eigener milliardenschwerer Bahnbetrieb ein erheblicher Einschnitt ist. Das notwendige Kapital stammt vom schwedischen Private-Equity-Fonds EQT und aus dem Family Office des Milliardärs Klaus-Michael Kühne.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Exporte brechen ein
08.09.2026

Nach fünf Monaten Wachstum verzeichnen Deutschlands Exporte im Juli erstmals wieder einen Rückgang. Schwierig bleiben die Geschäfte mit...

DWN
Technologie
Technologie OpenAI-Agenten bauten geheimes Kommunikationsnetz auf deutschsprachiger Website
08.09.2026

KI-Agenten nutzten eine deutsche Website zur Koordination, zur Umgehung von Beschränkungen und zur Verschleierung ihrer Spuren. OpenAI...

DWN
Politik
Politik "Der Sieg ist nah", behauptet Kremlsprecher Peskow
08.09.2026

Die USA nehmen einen neuen Anlauf in ihren Vermittlungsbemühungen für ein Ende des Ukraine-Kriegs. Doch der Kreml betont die...

DWN
Finanzen
Finanzen Legende Warren Buffett hielt lange am Geld fest – jetzt sorgt er mit einer großen Investition für Aufsehen
08.09.2026

Warren Buffett hat jahrelang mehr Aktien verkauft als gekauft und bei Berkshire Hathaway einen gigantischen Geldberg aufgebaut. Nun sorgt...

DWN
Politik
Politik Deutschland entkommt russischem Gas und landet in der nächsten Falle
08.09.2026

Deutschland hat sich vom russischen Pipelinegas gelöst und setzt nun stark auf Flüssiggas. Doch inzwischen kommt ein Großteil des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Der Winter kommt und Deutschlands Gasspeicher sind fast leer
08.09.2026

Deutschlands Gasspeicher sind deutlich schlechter gefüllt als vor einem Jahr. Ein sehr kalter Winter könnte die Reserven bereits Anfang...

DWN
Technologie
Technologie Kündigungsgefahr: Was Arbeitnehmer online auf Social Media posten dürfen – und was nicht
08.09.2026

Meinungsfreiheit ist nicht grenzenlos. Wann Social-Media-Aktivitäten arbeitsrechtliche Folgen haben und worauf Beschäftigte achten...

DWN
Finanzen
Finanzen Zucker-Preis schlägt die Rendite des S&P 500
08.09.2026

Der Zucker-Preis ist im August um 21,5 Prozent gestiegen und hat damit den stärksten Monat seit 2010 erlebt. Seit Jahresbeginn liegt die...