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Schwarz Group plant Lidl-Rechenzentrum: Milliardenprojekt für Deutschlands KI-Infrastruktur

Die Großinvestition der Schwarz Group verdeutlicht den wachsenden Wettbewerb um digitale Infrastruktur in Europa. Doch welche Bedingungen braucht Deutschland, um im Rennen um moderne KI-Systeme dauerhaft mitzuhalten?
26.11.2025 14:53
Aktualisiert: 26.11.2025 15:09
Lesezeit: 2 min
Schwarz Group plant Lidl-Rechenzentrum: Milliardenprojekt für Deutschlands KI-Infrastruktur
Das geplante Lidl-Rechenzentrum soll Deutschlands digitale Leistungsfähigkeit und die KI-Strategie der Schwarz Group stärken (Foto: iStock.com, huettenhoelscher) Foto: huettenhoelscher

Schwarz Group investiert 11 Milliarden Euro in neues Lidl-Rechenzentrum

Die Schwarz Group, Mutterkonzern von Lidl und Kaufland, errichtet in Lübbenau in Brandenburg ein groß angelegtes Rechenzentrum zur Erweiterung der KI-Kapazitäten. Das Projekt gilt als größte Investition der Unternehmensgeschichte und umfasst bis zu 100000 spezialisierte KI-Chips. Das entstehende Lidl-Rechenzentrum wird einer der leistungsfähigsten Standorte Europas.

Der erste Bauabschnitt des Schwarz Digits Data Center soll Ende 2027 fertiggestellt sein und mit einer Anschlussleistung von rund 200 Megawatt starten. Eine spätere modulare Erweiterung ist in zwei weiteren Bauphasen möglich. Das Zentrum wird Daten für Lieferketten, Bestellungen, Zahlungen und Kundenprogramme verarbeiten und soll auch Rechenleistung für externe Kundinnen und Kunden bereitstellen.

Deutschland im globalen KI-Wettbewerb

Deutsche Medien sehen darin eine Chance, Deutschland zu einem der führenden internationalen KI-Standorte zu entwickeln. Digitalminister Karsten Wildberger erklärte, dass große Rechenkapazitäten nötig seien, um bei anspruchsvollen KI-Anwendungen mithalten zu können. Nur leistungsfähige Rechenzentren wie das Lidl-Rechenzentrum ermöglichen die Nutzung von KI im industriellen Maßstab.

Die Strategie der Schwarz Group erinnert an die digitale Ausrichtung von Amazon, dessen Dienst AWS weltweit führend bei Cloud Infrastrukturen ist. Durch eigene Kapazitäten gewinnt die Gruppe mehr Kontrolle über zentrale Technologien und stärkt ihre strategische Autonomie, was auch für das Lidl-Rechenzentrum eine wichtige Rolle spielt.

KI als Fundament moderner Handelsstrukturen

Tadas Chetkauskas von NFQ Technologies sieht die Investition als Hinweis darauf, dass große Einzelhändler KI nicht mehr als Nebenprojekt betrachten. Künstliche Intelligenz werde zu einer zentralen Infrastruktur, die über Effizienz und Wachstum entscheidet. Anwendungen wie automatisierte Abläufe, Lieferkettenprognosen und Sortimentsoptimierungen erfordern enorme Rechenleistung, die das Lidl-Rechenzentrum bereitstellen kann.

Unternehmen bewegen sich merklich von experimentellen Projekten hin zu systematischen KI-Anwendungen. Eine Investition dieser Größe ermöglicht es der Schwarz Group, Modelle für Planung, Preisgestaltung und Personalisierung ohne externe Einschränkungen zu entwickeln. Gleichzeitig sinkt die Abhängigkeit von US-Cloud-Anbietern, deren Kosten und Kontrollrahmen zunehmend kritisch gesehen werden.

Europas Handel strebt eigene digitale Souveränität an

Chetkauskas rechnet damit, dass weitere große Handelsunternehmen eine eigene Recheninfrastruktur aufbauen werden. Sie müssen keine Zentren in gleicher Dimension errichten, benötigen aber Strukturen, die den Einsatz von KI sicher und effizient ermöglichen. Wichtig sei, Datenströme, Integrationen und Sicherheit so zu organisieren, dass KI-Lösungen ein verlässlicher Bestandteil des operativen Geschäfts werden.

Evaldas Budvilaitis von Partner Tech Europe bestätigt, dass die Schwarz Group eine außergewöhnlich große Investition tätigt. Nur wenige Händler können ein solches Projekt stemmen. Dennoch dürfte Europa in den kommenden Jahren mehr Rechenzentren sehen, verbunden mit neuen Formen sektorübergreifender Kooperationen. KI spiele in Wirtschaft und Handel bereits eine zentrale Rolle, weshalb leistungsfähige Rechenzentren ein Schlüsselbereich bleiben.

Neue Dienste für Industrie, Forschung und Verwaltung

Budvilaitis betont, dass die Schwarz Group für strategische Autonomie bekannt ist und andere große Händler ihre Rechenleistung wohl nicht dort einkaufen werden. Der Konzern könne jedoch Dienste für Hersteller, Lieferanten, Forschungseinrichtungen oder staatliche Stellen anbieten.

Ein Beispiel sei die Nachfrage von Walmart in Mittel und Lateinamerika, wo direkt geklärt werden sollte, in welchem Rechenzentrum die KI-Daten gespeichert werden und nur Microsoft Azure oder Google Cloud in Betracht kamen.

Bedeutung des Lidl-Rechenzentrums für Deutschland

Die Investition stärkt Deutschlands digitale Souveränität und zeigt, dass heimische Unternehmen eigene technologische Grundlagen ausbauen. Das Lidl-Rechenzentrum setzt ein wichtiges Signal, wie Infrastruktur, Datensicherheit und Innovationskraft im Inland langfristig gesichert werden können.

Für den deutschen Handel könnte das Projekt ein zentraler Impuls sein, der die Entwicklung leistungsfähiger KI-Anwendungen beschleunigt und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts nachhaltig stärkt.

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