Politik

Rentenpaket im Bundestag: Folgen für Rentner und Beitragszahler

Der Bundestag hat das Rentenpaket mit knapper, aber eigener Mehrheit durchgesetzt und eine Koalitionskrise verhindert. Doch hinter den Zahlen brodelt ein Generationenkonflikt, eine Rentenreform ist es jedenfalls nicht geworden.
05.12.2025 16:26
Lesezeit: 3 min

Rentenpaket: Umstrittenes Rentengesetz verabschiedet – höhere Leistungen für Rentner, Mütter und arbeitende Senioren

Nach langen Monaten der Debatte hat der Bundestag das heftig kritisierte Rentengesetz mit absoluter Mehrheit der Regierungsfraktionen verabschiedet und so eine drohende Regierungskrise verhindert. 318 Abgeordnete stimmten mit Ja, 224 mit Nein, 53 enthielten sich. Damit übertraf Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Marke der "Kanzlermehrheit" von mindestens 316 Stimmen um zwei Stimmen. Für die Koalition ist das Votum ein wichtiges Signal der Handlungsfähigkeit, nachdem die Auseinandersetzung die Reihen über Wochen belastet hatte und auch viele Rentner auf das Ergebnis warteten.

Die 318 Ja-Stimmen kamen ausschließlich aus CDU, CSU und SPD, also aus der Koalition selbst. Sämtliche 120 SPD-Abgeordneten votierten für das Rentengesetz. In der Unionsfraktion gab es Abweichungen: Von 208 Parlamentariern stimmten sieben mit Nein, zwei enthielten sich, einer fehlte. AfD und Grüne hatten ihre Ablehnung vor der Abstimmung angekündigt. Entsprechend votierten alle anwesenden Mitglieder beider Fraktionen mit Nein. Die 50 anwesenden Abgeordneten der Linken enthielten sich geschlossen.

Merz, Spahn und Klingbeil zeigen Erleichterung

Führende Köpfe der Koalition reagierten erleichtert. Merz betonte, dass auf das Rentenpaket noch eine umfassende Rentenreform folgen müsse. "Das ist nicht das Ende der Rentenpolitik, sondern erst der Anfang", sagte er. Der "erste Schritt in die richtige Richtung" sei damit getan.

Unionsfraktionschef Jens Spahn sprach von einem guten Tag für das Bündnis. "Sie debattiert, aber dann entscheidet sie auch." Seine Fraktion habe zusammengehalten. Zugleich forderte der CDU-Politiker eine bessere Zusammenarbeit in der Koalition. "Nach dem Manöver braucht es auch Manöverkritik." Das sei offensichtlich. Was er mit "Manöverkritik" konkret meinte, ließ er offen.

Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) sprach von einem "klaren Ergebnis". "Ich bin dankbar dafür, dass wir jetzt die Entscheidung haben", sagte er dem Sender Phoenix. Nun müssten die internen Streitpunkte zurückgestellt werden, entscheidend sei, worum es im Rentenpaket gehe. "Diese Koalition hat gerade für Millionen Rentnerinnen und Rentner dafür gesorgt, dass sie eine auskömmliche Rente bekommen, dass die Renten stabil bleiben."

Bundesrat stimmt am 19. Dezember 2025 ab

Passiert der Entwurf auch den Bundesrat am 19. Dezember, kann das Gesetz zum 1. Januar 2026 in Kraft treten. Der Abstimmung war ein monatelanger Konflikt vor allem in der Union vorausgegangen. 18 junge Abgeordnete der CDU/CSU-Fraktion, die zu Beginn der Legislatur nicht älter als 35 waren, gingen wegen eines einzigen Satzes im Entwurf von Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) auf Konfrontationskurs.

Im Kern dreht sich der Streit um das Rentenniveau ab 2032. Die Junge Gruppe akzeptiert ein bis 2031 bei 48 Prozent fixiertes Niveau, lehnt aber mit Blick auf erwartete Milliardenkosten ab, dass es danach höher liegen soll als nach geltender Rechtslage. Bas werfen die Kritiker vor, bei der Festlegung der sogenannten Haltelinie über den Koalitionsvertrag hinauszugehen.

Rentengesetz: Für Spahn stand viel auf dem Spiel

In der Auseinandersetzung stellte sich Kanzler Merz auf die Seite der SPD. Die Renten-Rebellen aus der Union wurden in Einzelgesprächen bearbeitet, vor allem durch Spahn. Ihm war bereits das Scheitern der Richterwahl im ersten Versuch im Sommer vorgehalten worden. Deshalb ging es für ihn bei der Abstimmung auch um seinen Posten. Ein Scheitern hätte womöglich sein Ende als Fraktionschef bedeutet.

Vor der Abstimmung lief eine aufgewühlte Debatte, die der Kanzler größtenteils verpasste. Erst nach mehr als 50 Minuten Verspätung nahm er demonstrativ gut gelaunt auf der Regierungsbank Platz. Am Donnerstagabend hatte Merz die Erwartungen noch einmal erhöht und die "Kanzlermehrheit" als Ziel ausgegeben. Der Begriff gilt, weil diese Mehrheit nur in wenigen Situationen – etwa bei der Wahl des Kanzlers oder bei einer Vertrauensfrage – erforderlich ist. "Wir haben 630 Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Die Mehrheit ist 316. Wir haben 328 und ich würde mir ein Ergebnis wünschen zwischen 316 und 328", sagte er.

Indirekte Vertrauensfrage über das Rentenpaket

Damit machte Merz erneut deutlich, dass es bei der Entscheidung nicht nur um das Rentengesetz geht, sondern um das Vertrauen in die Koalition und letztlich ihren Fortbestand. Einige interpretierten das Vorgehen sogar als indirekte Vertrauensfrage. Zu diesem Zeitpunkt wusste Merz allerdings bereits, wie viele Abweichler sich bei der Fraktionsführung gemeldet hatten. Dafür lief eine Frist bis Mittwoch 12.00 Uhr.

Öffentlich ein Nein angekündigt hatte zuletzt nur ein Unionsabgeordneter: JU-Chef Johannes Winkel. In der Debatte schloss sich Pascal Reddig, Vorsitzender der Jungen Gruppe, an. Der Entwurf stehe gegen seine "fundamentalen Überzeugungen", gegen vieles, wofür er Politik mache, und gegen Generationengerechtigkeit. "Und deshalb habe ich mich entschieden, diesem Gesetz nicht zuzustimmen", sagte Reddig. Am Ende folgten insgesamt neun Abgeordnete dem Kanzler und der Fraktionsspitze nicht. Bei einer Probeabstimmung am Dienstag waren noch 10 bis 20 Gegenstimmen und etwa eine Handvoll Enthaltungen erwartet worden.

Rentenstreit hinterlässt Folgen – 2026 wird für Schwarz-Rot härter

Trotz erreichter Kanzlermehrheit: Der Konflikt um das Rentenpaket wird nachwirken. Zwischen Merz und vielen jungen Unionsabgeordneten ist das Vertrauen dauerhaft beschädigt. Die Junge Gruppe dürfte weiterhin klare Linien ziehen, wenn sie Interessen der jungen Generation bedroht sieht. Das betrifft vor allem die angekündigte größere Rentenreform im kommenden Jahr.

Für die Koalition dürfte 2026 eher schwieriger als einfacher werden. Fünf Landtagswahlen stehen an, unter anderem in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, wo die AfD in Umfragen an die 40 Prozent heranreicht. Im ständigen Wahlkampf müssen daher Reformentscheidungen gefällt werden, die anspruchsvoller sind als das, was Schwarz-Rot in den ersten sieben Monaten nach nur einer Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen beschlossen hat. Die Spannungen aus dem Rentenstreit dürften deshalb auch im zweiten Koalitionsjahr deutlich spürbar bleiben.

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