Wirtschaft

OECD: Aufstieg im Arbeitsmarkt für Zugewanderte besonders schwer

Der OECD-Migrationsausblick 2025 zeigt, wie groß der Einkommensabstand zwischen Zugewanderten und Einheimischen in Deutschland ausfällt. Warum hält sich die Lohnlücke so hartnäckig – und welche Rolle spielen Unternehmen, Branchen und der erste Job dabei?
22.12.2025 07:55
Lesezeit: 2 min

OECD-Migrationsausblick 2025: Warum Aufstieg oft scheitert

Der Einkommensnachteil von Einwanderern ist in Deutschland im internationalen Vergleich hoch. Das zeigt der OECD-Migrationsausblick 2025, der in 15 OECD-Ländern die Rolle von Unternehmen für die Chancen auf Einkommen von Eingewanderten untersucht. Zu den betrachteten Ländern gehören Frankreich, Spanien, Italien und die Niederlande.

Im OECD-Migrationsausblick 2025 liegt die Lohnlücke zwischen Zugewanderten und der inländischen Bevölkerung beim Eintritt in den Arbeitsmarkt bei 43 Prozent. Zum Vergleich: Im OECD-Schnitt lag sie bei 34 Prozent. Eingewanderte arbeiten in Deutschland länger in schlecht bezahlten Jobs als in anderen OECD-Ländern. Nach fünf Jahren sinkt die Lohnlücke in Deutschland auf 31 Prozent, im OECD-Schnitt sind es 28 Prozent.

Wie der OECD-Migrationsausblick 2025 festhält, wurde der Zeitraum von 2000 bis 2019 betrachtet. Zu zwei Dritteln sei die Lücke darauf zurückzuführen, dass Zugewanderte in Sektoren und Unternehmen tätig sind, in denen weniger verdient wird.

Flucht statt Arbeitsmigration

Ein Grund dafür sei, dass die Migrationsbewegung in den Jahren zwischen 2000 und 2015, die in der Studie beleuchtet werden, vor allem von Fluchtzuwanderung und Familiennachzug geprägt gewesen seien. Migrationsbewegungen, die eben nicht "die Integration in Arbeit als Ziel haben und die auch unabhängig davon erfolgen", erklärte die Fachkräfteexpertin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Gunilla Fincke. Das mache für die Arbeitsmarktintegration einen großen Unterschied, so der OECD-Migrationsausblick 2025.

Wer unten startet, kommt dort schwer weg

"Der erste Job kann einen sogenannten Klebeeffekt haben", sagte Migrationsforscherin Yuliya Kosyakova vom IAB. Wer nach seiner Ankunft in prekären, schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen lande, für den sei der Aufstieg in besser bezahlte Jobs, in denen sich Weiterbildungsmöglichkeiten böten, kaum möglich.

Auch sei es "für manche Geflüchtete schwierig, die Motivation über so lange Zeit aufrechtzuerhalten", wenn die Perspektiven im Arbeitsmarkt so vage blieben, berichtete Finke. Wer die Folgen der Überalterung für die Wirtschaft durch Arbeitskräftezuwanderung abfangen wolle, dessen Botschaft müsse in sich stimmig sein, sagte Finke. Arbeitskräftezuwanderung funktioniere nicht wie ein Hahn, den man auf- und zudrehen könne, sondern sei eine langfristige Investition. 38 Staaten sind Mitglieder der OECD, darunter die Industriestaaten Europas, Nordamerikas, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Verpackungsverordnung macht EU-Versand für kleine Händler zum Verlustgeschäft
23.08.2026

Europa verspricht kleinen Unternehmen einen grenzenlosen Binnenmarkt, doch neue Verpackungsregeln bewirken zunehmend das Gegenteil....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Herbert Wertheim macht aus Geduld Milliarden und aus 35 Millionen Euro einen Ferrari
23.08.2026

35 Millionen Euro für einen elektrischen Ferrari wirken selbst unter Milliardären außergewöhnlich. Für Herbert Wertheim folgt der...

DWN
Technologie
Technologie Roboter rücken in den Supermarkt vor: Beginnt der Wandel am Arbeitsmarkt?
23.08.2026

In Dänemark sollen humanoide Roboter nachts Supermarktregale auffüllen. Gesteuert werden sie zunächst von Menschen mit VR-Headset, doch...

DWN
Technologie
Technologie KI-Sicherheitsrisiken außer Kontrolle? Wenn Maschinen selbstständig angreifen
23.08.2026

KI-Systeme finden selbstständig Sicherheitslücken, führen Cyberangriffe aus und können sogar neue Viren entwerfen. Die technologische...

DWN
Finanzen
Finanzen ETF-Risiken: Die gefährliche Macht der großen Indexfonds
23.08.2026

ETF gelten als günstig, bequem und vergleichsweise sicher. Doch je mehr Kapital automatisch in dieselben Aktien fließt, desto stärker...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft China-Handel: Deutschland wird zum größten Warnsignal für Europa
23.08.2026

Chinas Exportoffensive trifft Europas Industrie immer härter, besonders Deutschland gerät unter Druck. Brüssel sucht nach...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Echt oder Kopie? Billige Labordiamanten erobern den Markt
22.08.2026

Labordiamanten kosten nur einen Bruchteil natürlicher Steine und erobern den wichtigsten Diamantenmarkt der Welt. Für Juweliere,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutsche Bahn: Vandalismusschäden in Höhe von 34 Millionen Euro
22.08.2026

Graffitis an Bahnhofswänden, Kabeldiebstahl, zerkratzte Scheiben in Zügen - die Deutsche Bahn ist ständig mit Vandalismus konfrontiert....