Ein riskantes Jahr im politischen Börsenzyklus der USA
Vor den Finanzmärkten liegt das zweite Jahr der zweiten Amtszeit von Donald Trump. Historisch betrachtet gelten genau diese Jahre als besonders anfällig für Kursverluste an der Wall Street. Dieses Muster zeigte sich sowohl während Trumps erster Präsidentschaft als auch unter seinem Nachfolger Joe Biden.
Während seiner ersten Amtszeit verwies Trump regelmäßig auf steigende Aktienkurse und schrieb die damalige Hausse seiner Wirtschaftspolitik zu. Tatsächlich trug die von seiner Regierung beschlossene Senkung der Körperschaftsteuer erheblich zu höheren Unternehmensgewinnen und steigenden Bewertungen bei. Die Kursentwicklung hatte also eine reale ökonomische Grundlage.
Im Jahr 2017 legte der S&P 500 um fast 20 Prozent zu und markierte eine ungewöhnlich lange Serie neuer Höchststände. Für Anleger war es ein nahezu ideales Börsenjahr mit starkem Wertzuwachs bei minimaler Volatilität. Bereits 2018 änderte sich das Bild jedoch deutlich, als Zinserhöhungen der Federal Reserve den Index um 6,2 Prozent fallen ließen.
Von der Börseneuphorie zur politischen Zäsur
Trotz der anschließenden Erholung verlor Trump die Präsidentschaftswahl und musste Joe Biden Platz machen. Dieser knüpfte zunächst an die expansive Marktphase an und unterstützte die Wirtschaft 2021 mit einem umfangreichen Fiskalpaket. Der S&P 500 erzielte in diesem Jahr eine Rendite von nahezu 27 Prozent. Doch auch unter Biden wiederholte sich das bekannte Muster. Im zweiten Jahr seiner Amtszeit gerieten die Märkte unter Druck. Der Krieg in der Ukraine, der Inflationsschock und eine deutlich restriktivere Geldpolitik der US-Notenbank führten zu einem Rückgang des S&P 500 um fast 20 Prozent. Trotz späterer Kursgewinne verfehlte auch Biden die Wiederwahl.
Nach vier Jahren Unterbrechung kehrte Donald Trump ins Weiße Haus zurück. Unter seiner erneuten Präsidentschaft entwickelten sich die US-Börsen positiv, wenn auch weniger dynamisch als während seiner ersten Amtszeit. Im Jahr 2025 stieg der S&P 500 um 16,4 Prozent, der Nasdaq gewann 20,4 Prozent hinzu.
Handelspolitik als Belastungsfaktor für die Märkte
Diese Entwicklung vollzog sich trotz erheblicher politischer Unsicherheit. Im April kam es zu einem scharfen Kursrutsch, ausgelöst durch Trumps Ankündigung umfassender gegenseitiger Strafzölle auf Importe in die USA. Anders als in seiner ersten Amtszeit zeigte sich der Präsident zunächst wenig kompromissbereit gegenüber den Finanzmärkten. Am 4. April erklärte Trump öffentlich, seine Politik werde sich nicht ändern. Er bezeichnete die Phase als ideale Gelegenheit, Vermögen aufzubauen. Bereits fünf Tage später folgte jedoch eine Kehrtwende. Die angekündigten Zölle wurden zunächst ausgesetzt und später deutlich reduziert, nachdem Investoren begonnen hatten, US-Aktien und Staatsanleihen zu verkaufen.
Rückblickend behielt Trump dennoch in einem Punkt recht. Wer die Kurseinbrüche zum Einstieg nutzte, erzielte erhebliche Gewinne. Gleichwohl verdeutlichte die Episode, wie sensibel die Märkte auf handelspolitische Eskalationen reagieren und wie begrenzt der politische Spielraum selbst eines präsidentiellen Hardliners ist.
Der Präsidentenzyklus als wiederkehrendes Marktphänomen
Die schwache Börsenentwicklung im zweiten Amtsjahr ist kein Zufall, sondern Teil des sogenannten Präsidentenzyklus. Dieser beschreibt eine statistisch belegte Tendenz, wonach die höchsten Aktienrenditen im dritten Jahr einer US-Präsidentschaft erzielt werden. Das zweite Jahr gilt dagegen als besonders anfällig für Rückschläge.
Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs lag die durchschnittliche jährliche Rendite des US-Aktienmarkts bei rund acht Prozent. Auffällig ist jedoch die Verteilung innerhalb der Amtsperioden. Während das dritte Jahr überdurchschnittlich stark ausfällt, brachte das zweite Jahr in 45 Prozent der Fälle Kursverluste. Insgesamt lag der Anteil negativer Börsenjahre im selben Zeitraum lediglich bei 26 Prozent. Erklärt wird dieses Muster mit der politischen Logik des Regierens. In den ersten Jahren werden häufig unpopuläre Maßnahmen umgesetzt, während im Vorfeld von Wahlen expansive Fiskalpolitik dominiert. Die Aktienmärkte antizipieren diese Strategie und reagieren entsprechend frühzeitig.
Warum ein starkes Börsenjahr unwahrscheinlich bleibt
Überträgt man diese Logik auf das laufende Jahr, gibt es wenig Anlass für Optimismus. Selbst ein leicht positives Jahresergebnis des S&P 500 wäre bereits als Erfolg zu werten. Die statistische Ausgangslage spricht klar gegen überdurchschnittliche Renditen am US-Aktienmarkt. Hinzu kommt die politische Unsicherheit, die Trumps Wirtschaftskurs begleitet. Handelspolitische Drohungen, abrupte Richtungswechsel und der Einfluss kurzfristiger Marktreaktionen erschweren verlässliche Prognosen. Anleger agieren entsprechend vorsichtiger als in früheren Phasen expansiver Geldpolitik.
Die Kombination aus zyklischen Mustern und politischer Volatilität erhöht das Risiko, dass die US-Börsen in diesem Jahr hinter den Erwartungen zurückbleiben. Für internationale Investoren gewinnt damit die Diversifikation über andere Märkte zusätzlich an Bedeutung.
Der Dollar als wirtschaftspolitisches Instrument
Aus europäischer Sicht fällt eine weitere Parallele zu Trumps erster Amtszeit ins Auge. Die Entwicklung des Dollar-Wechselkurses ähnelt auffällig dem Verlauf nach der Wahl im Jahr 2016. Auch damals wertete der Dollar zunächst deutlich auf, bevor eine längerfristige Abschwächung einsetzte. Der Markt kam sowohl damals als auch heute rasch zu dem Schluss, dass ein schwächerer Dollar besser zur wirtschaftspolitischen Agenda von America First passt. Eine niedrigere Bewertung der US-Währung verbessert die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Exporte und unterstützt das Ziel, das Handelsdefizit zu verringern und die Industrieproduktion auszuweiten.
Sollte sich diese Analogie fortsetzen, könnte der Dollar in den kommenden Monaten deutlich nachgeben. Ein Rückgang des USD gegenüber dem Zloty bis in den Bereich von 3,30 wäre denkbar. Kurzfristig würde selbst ein Niveau um 3,75 zum Jahresende 2026 in dieses historische Muster passen.
Europäische Perspektiven auf US-Zyklen und Währungstrends
Für Deutschland sind diese Entwicklungen nicht nur von akademischem Interesse. Viele institutionelle Anleger sind über Fonds und Indizes stark in den USA engagiert. Schwächere US-Märkte können daher direkte Auswirkungen auf Renditen deutscher Investoren haben. Ein nachlassender Dollar würde zugleich die preisliche Wettbewerbsposition deutscher Exporteure verbessern, insbesondere in der Industrie und im Maschinenbau. Gleichzeitig könnten erhöhte Marktschwankungen das Risikobewusstsein stärken und Kapital stärker in europäische Anlageklassen lenken.
Auch wenn historische Analogien keine Prognosen ersetzen, liefern sie wertvolle Orientierung. Der politische Börsenzyklus der USA und die geldpolitischen Implikationen einer Trump-Präsidentschaft bleiben zentrale Faktoren, die deutsche Anleger und Unternehmen aufmerksam verfolgen sollten.

