Lithium-Boom inmitten von Deutschland: Warum wir zum Lithium-Exporteur werden können
Lithium ist der zentrale Grundstoff für die Lithium-Ionen-Batterien, die den Strom für alle möglichen Elektrogeräte vom Handy bis zum E-Auto speichern. Daher gilt "das weiße Gold" in der Europäischen Union als kritischer Rohstoff für die Energiewende, was einen intensiven Wettbewerb um dessen Förderung und Verarbeitung auslöst. Darunter werden Materialien verstanden, die für die heimische Wirtschaft große Bedeutung, aber ein hohes Versorgungsrisiko haben.
Bisher importieren die Länder der Europäischen Union fast alles, was an Lithium für Akkus und Batterien benötigt wird - einschließlich Deutschland. Das Lithium in deutschen Akkus kommt vor allem aus Chile, Australien und China. Doch Deutschland will unabhängiger von Importen werden und erkundet deshalb seit einigen Jahren eigene Vorkommen.
Rohstoffe und Energie: Deutschland hat große Lithium-Vorkommen
Denn Deutschland verfügt möglicherweise über drei beträchtliche Vorkommen des Batterie-Rohstoffs Lithium – und zwar im Oberrheingraben (Europas größte Lagerstätte, hier hauptsächlich gelöst in heißem Thermalwasser) sowie in Altmarkt (Sachsen-Anhalt) und im Erzgebirge (Sachsen). Durch innovative Extraktionsverfahren (DLE) kann es ermöglicht werden, die Vorkommen nachhaltig zu gewinnen und Deutschland so zu einem wichtigen Akteur in der Batteriezellproduktion zu machen.
Forschende der Fraunhofer Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie haben dazu eine Studie vorgelegt: Das Potenzial schätzen die Forscher zwischen 0,39 und 26,51 Millionen Tonnen - alleine bei der Gewinnung von Lithium aus Tiefenwässern in Norddeutschland. Zum Vergleich: Deutschlands Jahresbedarf könnte laut einer Schätzung der Deutschen Rohstoffagentur im Jahr 2030 bei 0,17 Millionen Tonnen liegen. Die Erschließung würde sich also lohnen. Bei den bundesweiten Lithiumvorkommen liege Deutschland weltweit sogar auf dem siebten Platz: Rund 3,8 Millionen Tonnen des Alkalimetalls sollen im Untergrund lagern.
Erkundungsvorhaben: Deutschland vor heimischen Lithium-Boom
Eine große Lagerstätte befindet sich im Erzgebirge, zum Teil in Sachsen, zum Teil in der Tschechischen Republik. Es ist eine der größten Lithium-Lagerstätten in Europa. "Die Lagerstätte unter Zinnwald ist eine der größten Festgesteinslagerstätten für Lithium in Europa", erklärt Marko Uhlig. Er ist Geschäftsführer des Bergbau-Unternehmens "Zinnwald Lithium", das seit 2011 eine Lizenz zur Erkundung des Lithiumvorkommen in Zinnwald hält – und die Festgestein-Lagerstätte erschließen will. Festgestein bedeute, "das Lithium ist irgendwo in Mineral eingebaut", so Uhlig.
Lithium, Zinn & Co. Was verbirgt sich im Erzgebirge?
Das Europäische Gesetz zu kritischen Rohstoffen gibt vor: Auch in Europa sollen wieder verschiedene Rohstoffe abgebaut werden, um den eigenen Bedarf zumindest teilweise zu decken. Dabei rückt auch das Erzgebirge wieder in den Fokus, denn kein Rohstoff-Projekt ist so weit fortgeschritten wie das Fördervorhaben in Zinnwald im Erzgebirge. Der Schatz im Untergrund: Wird Mitteldeutschland zum Lithiumland? Denn mitten im Erzgebirge liegt Europas drittgrößtes Vorkommen für wertvolles Lithium und zwar im Zinnwald, einem Ortsteil der Stadt Altenberg im Osterzgebirge. Die Entstehung der Lagerstätte in Zinnwald geht auf Vulkanismus vor rund 300 Millionen Jahren zurück. Damals entstand die Teplice-Caldera, ein großer Krater. Heiße Gase aus dem Erdinnern verursachten eine Vererzung des Gesteins. Zinn, Wolfram und Lithiumglimmer, bekannt als Zinnwaldit, lagerten sich ein. Das Mineral Zinnwaldit wurde 1845 weltweit erstmals aus Zinnwald (Cínovec) im Erzgebirge beschrieben.
Die Zinnwald Lithium GmbH will diesen Rohstoff fördern und Europas führender Lieferant für Hersteller von fortschrittlichen Technologien werden. Etwa 1,5 Millionen Tonnen Lithiumerz sollen jährlich gefördert werden.
Lithiumabbau im Osterzgebirge ab 2030 geplant
Eine Machbarkeitsstudie über den geplanten Lithiumabbau im Zinnwald hat ergeben, dass der Abbau des seltenen Leichtmetalls technisch möglich und wirtschaftlich rentabel sei. Danach könnte ab 2030 der Leichtmetall-Rohstoff aus Tiefen von bis zu 400 Metern in Sachsen aus dem Berg geholt werden. Der untertägige Abbau soll unterhalb des historischen Altbergbaus in Zinnwald erfolgen, die Aufbereitung ist im Altenberger Ortsteil Liebenau vorgesehen. Für den Transport über die rund neun Kilometer lange Strecke ist eine Bandanlage vorgesehen. Wegen des geringeren Flächenverbrauchs werde nach der Raumverträglichkeitsprüfung die Variante eines Fördertunnels favorisiert, so die Landesdirektion. Insgesamt werden den Angaben nach für die Erz-Aufbereitung rund 110 Hektar beansprucht.
Nach bisherigen Plänen des Bergbauunternehmens Zinnwald Lithium könnte 2028 der Bau des Bergwerkes beginnen und zwei Jahre später die Produktion anlaufen. Das Unternehmen rechnet mit bis zu 1.200 direkten und indirekten Arbeitsplätzen, darunter 300 bis 400 im Bergwerk und der Aufbereitung.
Heimischer Lithiumabbau in der Kritik
Die Förderung des heimischen Lithiums kann nicht nur die Abhängigkeit von Importen verringern, sondern auch einen echten Beitrag zur Versorgungssicherheit Deutschlands leisten und vor allem neue Perspektiven für die Region eröffnen: Arbeitsplätze, Investitionen, Wertschöpfung vor Ort.
Doch der geplante Lithiumabbau im Osterzgebirge bietet laut einer neuen Analyse auch Konfliktpotenzial: Einerseits bestehe die Aussicht auf neue Arbeitsplätze sowie wirtschaftliche und regionale Entwicklung, informierte die Landesdirektion Sachsen zum Abschluss der Raumverträglichkeitsprüfung. Andererseits stünden dem mögliche Auswirkungen für naturnahe Quellbereiche und Fließgewässer, den Wasserhaushalt sowie auf nahegelegene Kur- und Erholungsorte gegenüber.
"Das Ergebnis ist keine Entscheidung", betont Behördenchef Béla Bélafi. Zuständig für das Zulassungsverfahren sei das Oberbergamt. Das Ziel dieser Raumverträglichkeitsprüfung für das Vorhaben sei es, frühzeitig Probleme zu erkennen und Lösungen zu finden, erklärt Bélafi. Rund 600 Bürgerinnen und Bürger hätten sich mit Hinweisen beteiligt, ebenso 50 öffentliche Stellen.
Fazit: Lithiumabbau - Chance oder Risiko?
In Zukunft wird es eine explodierende Nachfrage für Lithiumionenakkus geben. Derzeit wird das meiste Lithium noch in Australien gewonnen, wo das Lithium ähnlich wie im Erzgebirge insbesondere in Festgesteinslagerstätten auftritt. Danach folgen Chile und Argentinien, wo Lithium in Salzseen angereichert ist. Auf Basis der derzeit bekannten Lithiumvorräte bieten neben Zinnwald auch weitere Vorkommen im Oberrheingraben sowie in Altmarkt (Sachsen-Anhalt) zukünftig die Chance, mit Lithium einen essenziellen Rohstoff für Europa selbst zu erschließen. Doch werden die Vorhaben auch umgesetzt? Oft scheitern in Deutschland Genehmigungen an einer geringen Akzeptanz für die heimische Rohstoffgewinnung oder umwelttechnischen Bedenken.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Deutschland ein enormes Potenzial an Lithium besitzt, das durch neue Technologien erschlossen werden kann, um so die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und rohstoffunabhängiger von anderen Ländern zu werden. Denn das Alkalimetall ist der meistgefragte Rohstoff der Welt. Laut Expertenprognosen dürfte sich der weltweite Lithium-Bedarf gegenüber 2017 bis zum Jahr 2028 fast verzehnfachen.
Zinnwaldit: Sächsischer Bergbau mit Tradition
Der Zinnwald ist eine Bergbausiedlung auf dem Erzgebirgskamm deutscher und auf tschechischer Seite. Vor Hunderten von Jahren wurde hier bzw. im benachbarten tschechischen Cínovec schon Bergbau betrieben, um unter anderem Zinnstein (Zinn), Wolframit (Wolfram) und ab 1890 auch in geringerem Umfang "Zinnwaldit" (Lithiumglimmer) zu fördern. Mit Beendigung des 2. Weltkrieges wurde wegen Erschöpfung der Erzvorräte der Bergbau in Sächsisch-Zinnwald eingestellt. Die unter- und übertägigen Betriebsanlagen auf sächsischer Seite wurden im Rahmen von Reparationsforderungen im Auftrag der sowjetischen Besatzungsmacht demontiert. Auf tschechischer Seite endete der Bergbau erst 1990.
In den 1990er-Jahren bestand kein Interesse am Erzabbau im Erzgebirge, weil er mit den Weltmarktpreisen nicht konkurrenzfähig war. Das änderte sich Mitte der 2000er Jahre: Seit 2006 sind in Sachsen Vorkommen sogenannter "kritische Rohstoffe" wieder im Fokus von Bergbauunternehmen.
- 2009 begann an der TU Bergakademie Freiberg die Erforschung von Erz aus Zinnwald auf die Möglichkeit, daraus Lithium zu gewinnen.
- Der Solarworld-Konzern stieg in das Projekt ein und erhielt 2011 über seine Tochterfirma 'Solarworld Solicium GmbH Freiberg' vom Sächsischen Oberbergamt die Erkundungslizenz „Zinnwald“.
- 2012/13 folgten Erkundungsbohrungen. Solarworld geriet ab 2013 in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wurde 2017/2018 aufgelöst.
- 2017 stieg das kanadische Rohstoffunternehmen Bacanora Minerals in das Lithiumprojekt ein, übernahm die Hälfte der Anteile und benannte das Unternehmen in „Deutsche Lithium GmbH“ um. Bacanora trieb die Erkundung weiter voran, so mit einer Bohrkampagne 2017, konzentrierte sich aber später auf ein anderes Lithiumprojekt in Mexiko.
- Seit dem Jahr 2019 ist der Zinnwalder Zinnerzbergbau Bestandteil des „UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge“.
- 2020 verkaufte Bacanora seine Anteile an der Deutsche Lithium GmbH weiter an die 'Erris Ressources PLC'. Diese nannte sich fortan Zinnwald Lithium PLC und die Deutsche Lithium GmbH wurde in Zinnwald Lithium GmbH umfirmiert.
- 2021 übernahm sie die restlichen Anteile des insolventen Solarworld-Konzerns und konzentriert sich seitdem darauf, das Projekt in Zinnwald zu entwickeln. Die Planungen wurden überarbeitet.
- Im März 2023 stieg der Metallurgiekonzern AMG bei Zinnwald Lithium PLC ein. Er hält (Stand Juni 2025) 29,57 Prozent der Unternehmensanteile.

