Wirtschaft

Leitende Politiker kritisieren Trump auf dem WEF in Davos: „Hat den Bezug zur Realität verloren“

Mehrere Spitzenpolitiker haben beim Weltwirtschaftsforum in Davos sowohl offen als auch indirekt Seitenhiebe gegen US-Präsident Donald Trump ausgeteilt – mit der gemeinsamen Botschaft, dass sie Grönlands Recht auf Selbstbestimmung unterstützen. „Wir sollten keine Zeit mit verrückten Ideen verschwenden“, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.
Autor
avtor
20.01.2026 18:03
Lesezeit: 2 min

Macron setzt auf Handelsbazooka und mehr europäische Eigenständigkeit

Der französische Präsident nannte Donald Trump in seiner Rede beim Weltwirtschaftsforum kein einziges Mal beim Namen, machte seine Botschaft an den US-Präsidenten jedoch unmissverständlich klar: „Wir sollten keine Zeit mit verrückten Ideen verschwenden. Wir sollten nicht die Büchse der Pandora öffnen oder neue Themen auf die Agenda setzen. Das ist keine Zeit für einen neuen Imperialismus oder eine neue Form von Kolonialismus. Das ist eine Zeit der Zusammenarbeit“, sagte Macron. „Wir sollten keine globale Ordnung akzeptieren, die von denen diktiert wird, die behaupten, die lauteste Stimme zu haben.“

Frankreich werde deshalb – als diesjähriger G7-Vorsitzender – darauf hinarbeiten, die Gruppe der sieben führenden Industrienationen wieder zu einem Forum für offenen Dialog zwischen den großen Volkswirtschaften sowie für kollektive und kooperative Lösungen zu machen, sagte Macron.

Bei seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos trat Macron mit einer auffälligen Pilotenbrille auf. Eine konkrete Erklärung für seinen ungewöhnlichen Auftritt lieferte Macron nicht, aber bereits am vergangenen Freitag zeigte er sich bei einer Sitzung im Élysée-Palast in Paris mit dieser Brille. „Bitte entschuldigen Sie meine Brille, sie ist einem kleinen Problem geschuldet", sagte Macron bei der Gesprächsrunde. "Ich muss sie eine Weile tragen, also müssen Sie sich vorerst damit abfinden.“

Macron setzt auf Handelsbazooka und mehr europäische Eigenständigkeit

Macron wiederholte in Davos seine bereits früher geäußerte Position, dass Europa bei Bedarf den sogenannten „Handelsbazooka“-Mechanismus nutzen müsse – und stellte eine neue Strategie vor, um Europas wirtschaftliche Eigenständigkeit zu stärken: durch Schutzmaßnahmen, Deregulierung und Vereinfachung sowie Investitionen in den europäischen Binnenmarkt.

„Die Europäer sind die Einzigen, die ihre eigenen Unternehmen und Märkte nicht schützen, wenn andere Länder sich nicht an das Prinzip gleicher Wettbewerbsbedingungen halten“, sagte Macron.

Belgien zieht rote Linie: De Wever warnt Trump wegen Grönland

Belgiens Premierminister Bart De Wever, der am Mittwoch ein bilaterales Treffen mit Donald Trump führen wird, erklärte, er werde dem US-Präsidenten deutlich machen, dass dieser in der Frage Grönlands eine rote Linie überschritten habe. „Wenn äußerer Druck entsteht, kann man sich entweder zusammenschließen oder in alle möglichen Richtungen auseinanderbrechen – und ich glaube, Europa steht an einem Scheideweg, an dem eine Entscheidung getroffen werden muss“, sagte er.

„Bislang haben wir versucht, den neuen Präsidenten im Weißen Haus zu besänftigen. Wir waren bei den Zöllen sehr nachgiebig – in der Hoffnung, seine Unterstützung für den Krieg in der Ukraine zu erhalten“, sagte De Wever. „Aber wenn wir jetzt zurückweichen, verlieren wir unsere Würde. Und das ist vermutlich das Wertvollste, was man in einer Demokratie haben kann: seine Würde.“

Gavin Newsom: Gegen Trump hilft nur Stärke – nicht Diplomatie

In den Gängen von Davos war auch Kaliforniens demokratischer Gouverneur Gavin Newsom zu sehen. Die Europäer müssten verstehen, dass die einzige Sprache, die Donald Trump verstehe, Macht sei, betonte er. „Man muss Feuer mit Feuer bekämpfen, man muss zu seinen Überzeugungen stehen“, sagte er und ergänzte, Trump verliere zunehmend den Halt.

„Er hat den Kontakt zur Realität verloren. Das ganze Grönland-Thema ist absurd“, sagte Newsom. „Die Menschen müssen erkennen, womit sie es zu tun haben – und entschlossen bleiben, Rückgrat zeigen und mit einer Stimme sprechen. Schlag ihm ins Gesicht. Das ist Wahnsinn.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Brady TwinLead: Wenn das Etikett plötzlich mitdenkt

Ein Etikett bleibt am Produkt, doch die Informationen dahinter können sich verändern. Mit TwinLead verbindet Brady physische...

avtor1
Malin Rising

Malin Rising ist seit 20 Jahren Journalistin. Erfahrung sammelte sie als Reporterin, Korrespondentin, Redakteurin und Podcast-Produzentin für internationale Zeitungen. Sie war beispielsweise für The Wall Street Journal tätig und arbeitet nun als Europa-Reporterin bei der schwedischen Wirtschaftszeitung Dagens Industri.

DWN
Politik
Politik Gas-Preis könnte auf 90 Euro steigen: Ökonomen warnen vor hartem Winter
14.10.2026

Europa steht vor einem Winter mit hohen Gaspreisen und relativ geringen Lagerbeständen. Experten rechnen nicht mit einer Wiederholung der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russland erzielt mit Europas Energiekäufen Einnahmen von rund 322 Milliarden Euro
14.10.2026

Europa will seine Energieabhängigkeit von Russland beenden. Doch trotz Sanktionen fließt weiterhin eine große Menge Kapital nach Moskau....

DWN
Politik
Politik Stoppen, abschwächen, zerschlagen: NATO-Oberbefehlshaber erläutert Reaktion auf einen Angriff
14.10.2026

General Alexus Grynkewich, Oberster Alliierter Befehlshaber der NATO in Europa, hat beim Warsaw Security Forum die „Theorie des Sieges“...

DWN
Finanzen
Finanzen Roboter-Aktien: Investoren sehen Chancen im globalen Robotik-Wettlauf
14.10.2026

Physische KI gilt für viele Techinvestoren als das nächste große Thema an den Aktienmärkten. Mehrere Roboter-Aktien könnten davon...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Sie sollen Palantir beim französischen Geheimdienst ersetzen, jetzt nehmen sie Dänemark ins Visier
14.10.2026

Mehrere europäische Staaten hinterfragen ihre Abhängigkeit von amerikanischer Sicherheitssoftware. Davon will das französische...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street gibt wegen schwacher Chip-Aktien nach
13.10.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Entwicklungen die Wall Street heute bewegt haben.

DWN
Finanzen
Finanzen Rente 2026: Fast 2.000 Euro? Für die meisten ein Traum – 5 Zahlen zeigen die Realität
13.10.2026

Die Politik verweist auf ein stabiles Rentenniveau und knapp 2.000 Euro Standardrente. Doch amtliche Zahlen zeigen: Das ist ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland baut neue Bahnstrecke von Hamburg nach Hannover – aber erst 2050
13.10.2026

Überlastete Strecke: Zwischen Hamburg und Hannover fahren täglich rund 200 Güterzüge, dazu ICE- und Regionalzüge. Staus und...