Wirtschaft

US-Boykott: Wie Dänen amerikanische Produkte aus dem Einkauf verbannen

Der politische Streit um Grönland erreicht den Alltag der Verbraucher. In Dänemark meiden viele gezielt US-Produkte, unterstützt von Boykott-Apps mit erstaunlicher Reichweite. In Deutschland ist die Empörung spürbar, doch noch bleibt der Protest verhalten.
22.01.2026 14:58
Lesezeit: 3 min
US-Boykott: Wie Dänen amerikanische Produkte aus dem Einkauf verbannen
Eine Person hält ein Smartphone auf dem die dänische App «UdenUSA» zu sehen ist. Diese hilft Verbraucherinnen und Verbrauchern in Dänemark, Waren aus den USA in Supermärkten zu erkennen, um sie vermeiden zu können. Zwei Freunde haben die App als Reaktion auf Trumps Drohungen gegen Grönland und Dänemark entwickelt. (Foto: dpa) Foto: Julia Wäschenbach

"Kauft nicht bei Amazon" – kommt jetzt der große US-Boykott?

Der Grönland-Konflikt erreicht den Supermarkt: In Dänemark helfen Apps Verbrauchern, Lebensmittel aus den USA zu meiden. Greift der Protest gegen Trump auch auf Deutschland über?

Einige Verbraucher schauen in diesen Tagen sehr genau hin: Was aus den USA stammt, landet bei manchem nicht mehr im Einkaufswagen. Vor allem in Dänemark bewegt der Grönland-Konflikt einige Menschen dazu, US-amerikanische Lebensmittel zu boykottieren.

Apps helfen den Dänen sogar dabei, Produkte aus den USA im Supermarkt zu meiden. Eine dieser Apps ist "UdenUSA" ("Ohne die USA"). Sie schlägt Alternativen vor, mit denen Verbraucher stattdessen europäische Unternehmen unterstützen können. Die Idee findet offenbar Anklang: Im dänischen App-Store lag "UdenUSA" am Donnerstag auf Platz eins der Download-Hitliste der kostenlosen Apps. Auf Platz drei fand sich eine weitere App, die dabei hilft, US-Produkte zu umgehen.

Im Nachbarland Deutschland ist die unmittelbare Betroffenheit zwar geringer, dennoch beschäftigt das Thema viele Menschen. "Sicher werden einige überlegen, welche Maßnahmen sie ergreifen können, um amerikanische Produkte zu meiden", sagt Katharina Gangl, Direktorin des Nürnberger Instituts für Marktentscheidungen.

Entscheidend sei, ob sich eine soziale Bewegung bilde, die bestimmte Konsumgüter oder Unternehmen gezielt ins Visier nehme, die Trump unterstützen. Ein Verzicht auf Apple-Produkte, Amazon oder Facebook liege nahe. Auch McDonald's und Amazon könnten laut Gangl betroffen sein. Sie hält dies jedoch erst dann für realistisch, wenn sich die Lage weiter zuspitzt. Dann könnte ein Aufruf wie "Kauft nicht bei Amazon, sondern bei Otto" möglicherweise erfolgreich sein.

"Empörung und Abscheu deutlich spürbar"

Ralf Deckers vom Handelsforschungsinstitut IFH Köln sagt: "In der Bevölkerung sind Empörung und teils auch Abscheu deutlich spürbar." Ein gewisser Anti-Amerikanismus sei in Deutschland traditionell verbreitet. Eine IFH-Umfrage zeigt: Für 61 Prozent kommen bestimmte amerikanische Produkte wie Tesla nicht mehr infrage, 36 Prozent lehnen sie komplett ab. Die repräsentative Befragung mit knapp 500 Teilnehmern wurde im März 2025 durchgeführt, damals brach der Zollstreit aus. Aktuellere Daten liegen nicht vor.

Spüren US-Unternehmen in Deutschland den Ärger? Der Onlinehändler Amazon, die Fastfoodkette McDonald's, der Lebensmittelhersteller Mars sowie CCEP, der Abfüller von Coca-Cola, äußerten sich auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur zunächst nicht.

Burger King Deutschland betonte, das Unternehmen agiere eigenständig und sei stark lokal verwurzelt. "Unsere Gäste differenzieren klar zwischen unseren Restaurants in Deutschland und internationalen Diskussionen."

Folgen für Supermärkte und Discounter?

Der Lebensmitteleinzelhandel verzeichnet bislang keine Auswirkungen. In Deutschland seien keine Veränderungen in den Verkaufszahlen amerikanischer Produkte zu erkennen, teilt Lidl mit. Andere Handelsketten wie Aldi oder Edeka äußerten sich nicht konkret. "Wir nehmen keinen Protest wahr. Die entsprechenden Produkte werden weiter nachgefragt", sagt Philipp Hennerkes vom Branchenverband BVLH.

Bei einer möglichen Eskalation zeige sich nur punktuell und kurzfristig ein Vermeidungsverhalten, sagt Experte Deckers, "weil viele Menschen ihre eingeübten Konsumgewohnheiten nur ungern infrage stellen". In der Branche wird auf weitere Faktoren verwiesen. Viele bekannte US-Produkte wie Coca-Cola, M&M's, Pringles und Kellogg's werden in Europa hergestellt. Oft wissen Verbraucher zudem nicht, welche Marken zu US-Unternehmen gehören. Auch Rabattaktionen beeinflussen das Kaufverhalten.

Konsumforscher Ole Kelm von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf sagt: "Die Nutzung von Boykott-Apps wird keinen großen Effekt auf die Verkaufszahlen amerikanischer Produkte haben." Dafür seien die Unternehmen zu groß. Allerdings fürchteten viele Konzerne Imageschäden, die durch Boykottaufrufe oder entsprechende Berichterstattung entstehen könnten.

Viele Dänen wollen US-Waren boykottieren

In Dänemark hatte es schon im vergangenen Jahr Initiativen gegeben, mit denen die Menschen ein Zeichen gegen Trumps Handelspolitik setzen wollten – so hatten etwa dänische Supermärkte Waren europäischer Produzenten mit einem Stern auf dem Preisschild gekennzeichnet.

Auch die Idee für "UdenUSA" kam den jungen Entwicklern im vergangenen Jahr, als Trump erstmals ernsthaft damit drohte, Grönland zu übernehmen. "Wir haben gemerkt, dass es vielen Menschen wichtig ist, auf Lebensmittel aus den USA zu verzichten", sagt App-Entwickler Pipper. "Aber es ist nicht immer so leicht, die im Supermarkt auch zu erkennen." Deshalb habe man den Dänen ein Werkzeug an die Hand geben wollen. Vor wenigen Tagen ist die App an den Start gegangen.

Aus einer Welle des Protests entstand in Dänemark 2025 die Facebook-Gruppe "Boykottiert Waren aus den USA", in der sich Dänen darüber austauschen, wie sie amerikanische Produkte am besten meiden können. Inzwischen hat die Gruppe mehr als 110.000 Mitglieder. Zur Einordnung: Dänemark hat rund sechs Millionen Einwohner.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik USA verschärfen Ton gegenüber Teheran: Diplomatie unter maximalem Druck
26.03.2026

Washington droht dem Iran mit einer massiven Ausweitung der Militärschläge, falls die Führung in Teheran nicht einlenkt....

DWN
Politik
Politik EU und Ungarn: Spionageverdacht erschüttert Vertrauen in Europa
26.03.2026

Misstrauen breitet sich in der Europäischen Union aus und trifft einen ihrer eigenen Mitgliedstaaten. Der Verdacht, dass Ungarn...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienmarkt in Gefahr: Investoren warnen vor Eskalation im Iran-Konflikt
25.03.2026

Die Märkte geraten ins Wanken, während geopolitische Spannungen eskalieren. Investoren befürchten nach den Drohungen eines eskalierenden...

DWN
Politik
Politik Russlands Ölexport unter Beschuss: Energiekrieg erreicht neue Stufe
25.03.2026

Explosionen in russischen Ostseehäfen lassen den Ölfluss abrupt versiegen. Die Angriffe treffen Moskaus Energieinfrastruktur empfindlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarif-Durchbruch in der Chemie: Mehr Geld und Jobgarantie für 585.000 Beschäftigte
25.03.2026

Lohnplus trotz Krise: Die rund 585.000 Beschäftigten der deutschen Chemie- und Pharmabranche erhalten künftig deutlich mehr Geld. Nach...

DWN
Politik
Politik Turbo für die Verteidigung: EU plant Millionen-Spritze für Militär-Innovationen
25.03.2026

Die EU-Kommission will die militärische Schlagkraft Europas durch schnellere Innovationszyklen sichern. Ein neues Förderinstrument namens...

DWN
Politik
Politik Digitale Gewalt: Was die Regierung jetzt plant
25.03.2026

Deepfakes, Überwachung, intime Bilder – digitale Gewalt nimmt zu, und der politische Druck wächst. Die Bundesregierung arbeitet an...

DWN
Politik
Politik Recht auf Reparatur: So sparen Sie künftig Geld bei Handy, Waschmaschine & Co.
25.03.2026

Schluss mit der Wegwerf-Kultur: Das neue „Recht auf Reparatur“ soll die Lebensdauer von Haushaltsgeräten und Smartphones deutlich...