Bundesregierung senkt Wachstumsprognose für Deutschland
Die Bundesregierung hat ihre Konjunkturprognose im Rahmen des Jahreswirtschaftsberichts nach unten korrigiert. Der Bericht wurde am Mittwoch, den 28. Januar, beschlossen und veröffentlicht, wie das Handelsblatt unter Berufung auf Regierungsunterlagen berichtet.
Für das laufende Jahr senkt die Bundesregierung die Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts auf ein Prozent. In der Herbstprognose war noch von einem Plus von 1,3 Prozent ausgegangen worden. Für das Jahr 2027 erwartet die Bundesregierung nun ein Wachstum von 1,3 Prozent und damit 0,1 Prozentpunkte weniger als zuvor. Auch das potenzielle Wachstum der deutschen Wirtschaft fällt in den kommenden Jahren geringer aus als bislang angenommen.
Schwaches konjunkturelles Comeback belastet den Ausblick
Die deutsche Wirtschaft ist drei Jahre in Folge kaum gewachsen. Im vergangenen Jahr lag das Wachstum lediglich bei 0,2 Prozent. Zwar sollen die Wachstumsraten wieder anziehen, doch reichen sie nicht aus, um die wirtschaftlichen Rückstände der Vorjahre auszugleichen.
Zusätzlich hat sich das Wachstum des Produktionspotenzials verschlechtert. Dieses beschreibt die Entwicklungsmöglichkeiten der Wirtschaft bei normaler Auslastung ohne externe Einflüsse. Während die Bundesregierung im Herbst noch von einer früheren Belebung ausgegangen war, rechnet sie nun erst ab dem Jahr 2029 mit einer spürbaren Verbesserung.
Außenhandel unter strukturellem Druck
Als zentrale Ursache für die schwächeren Wachstumsaussichten nennt die Bundesregierung Probleme im Außenhandel. Das Bundeswirtschaftsministerium verweist auf einen doppelten Gegenwind durch China und die Vereinigten Staaten.
Hinzu kommen strukturelle Schwächen in Deutschland, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten Unternehmen beeinträchtigen. Entsprechend rechnet die Bundesregierung nur noch mit einem geringen Exportwachstum. Für das Jahr 2026 wird ein Anstieg von 0,8 Prozent erwartet statt der zuvor prognostizierten 1,2 Prozent. Für 2027 bleibt die Prognose bei 1,6 Prozent.
Zurückhaltende Dynamik im privaten Sektor
Auch die binnenwirtschaftliche Entwicklung bleibt gedämpft. Zwar stellt das Bundeswirtschaftsministerium fest, dass die konjunkturelle Erholung zunehmend von der Inlandsnachfrage getragen wird, doch wächst die private Konsumnachfrage nur moderat. Für 2026 wird ein Zuwachs von 0,8 Prozent erwartet, für 2027 von 1,1 Prozent.
Stärker wirkt der Staat als Nachfragefaktor. Die staatlichen Konsumausgaben sollen im laufenden Jahr um 2,4 Prozent steigen. Die Sparquote der privaten Haushalte bleibt weitgehend stabil. Für dieses Jahr wird eine Quote von 10,5 Prozent erwartet, für 2027 von 10,4 Prozent. Die anhaltende Vorsicht der Verbraucher bleibt damit ein belastender Faktor.
Investitionen steigen vor allem durch staatliche Impulse
Deutlich kräftiger sollen sich laut Prognose die Investitionen entwickeln. Die Bruttoanlageinvestitionen sollen im Jahr 2026 um drei Prozent und 2027 um 3,1 Prozent zulegen, nachdem sie in den beiden Vorjahren rückläufig waren.
Diese Entwicklung ist jedoch vor allem auf staatliche Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung zurückzuführen. Private Investitionen bezeichnet das Bundeswirtschaftsministerium weiterhin als zentrale Herausforderung für eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung.
Demografischer Wandel begrenzt das Wachstumspotenzial
Als größte strukturelle Belastung bewertet die Bundesregierung die demografische Entwicklung. Trotz des Abbaus industrieller Kapazitäten bleibt die Arbeitslosenquote stabil. Für das laufende Jahr wird eine Quote von 6,2 Prozent erwartet, für 2027 von sechs Prozent.
Gleichzeitig leiden viele Unternehmen in anderen Branchen weiterhin unter Arbeitskräftemangel. Dieser Mangel senkt das langfristige Wachstumspotenzial der deutschen Wirtschaft und begrenzt die Entwicklungsmöglichkeiten.
Haushaltslage verschärft Reformdruck in Deutschland
Das geringere Wirtschaftswachstum führt zu niedrigeren Einnahmen im Bundeshaushalt. Dies verschärft die finanzielle Lage der Bundesregierung, die bereits unter hohem Ausgabendruck steht. Teilweise wird der Haushalt durch zusätzliche Verschuldungsspielräume entlastet.
Künftig sind 16,5 Milliarden Euro an zusätzlicher Neuverschuldung möglich, fast eine Milliarde Euro mehr als bislang vorgesehen. Für das Jahr 2027 steigt der Spielraum auf 9,6 Milliarden Euro statt zuvor 8,5 Milliarden Euro.
Nach Einschätzung des Handelsblatts dürfte die gesenkte Wachstumsprognose die Auseinandersetzungen über wirtschaftspolitische Reformen innerhalb der Bundesregierung weiter verschärfen, da insbesondere CDU, CSU und SPD in zentralen Fragen weit auseinanderliegen.

