Wirtschaft

Dollar-Abwertung: Historische Maßstäbe für den aktuellen Wertverlust beim Dollarkurs

Der Dollarkurs verliert an Wert und steht damit erneut im Fokus der globalen Wirtschafts- und Finanzmärkte. Wie weit reicht die aktuelle Abwertung im historischen Vergleich und welche Kräfte sprechen für oder gegen einen dauerhaft schwächeren Dollarkurs?
12.02.2026 14:47
Lesezeit: 3 min
Dollar-Abwertung: Historische Maßstäbe für den aktuellen Wertverlust beim Dollarkurs
Die jüngste Abwertung des Dollar relativiert sich im historischen Vergleich, da sein realer Wert bislang deutlich weniger gefallen ist als in früheren Phasen (Foto: dpa) Foto: Marius Becker

Warum der Dollarkurs derzeit weltweit für Aufmerksamkeit sorgt

Der Rückgang des Dollarkurses gilt derzeit als eines der wichtigsten wirtschaftlichen Phänomene weltweit. Er spiegelt tiefgreifende Verschiebungen in der globalen Politik wider, erhöht zugleich die Risikobereitschaft der Investoren und erleichtert die Lage vieler Schwellenländer. Offen bleibt jedoch, wie lange dieser Trend anhalten kann.

Eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht. Historische Vergleiche legen jedoch nahe, dass die Bewegung der vergangenen zwölf Monate bislang eher moderat ausfällt. Gemessen an früheren Abwertungsphasen befindet sich der Dollar weiterhin in einem frühen Stadium der Korrektur.

Chinesische Investoren setzen auf einen langfristig schwächeren Dollar

Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang eine Aussage aus einem Bloomberg-Beitrag, in dem der chinesische Analyst Gao Yin von einem breiten Konsens in China über einen langfristigen Anstieg der Metallpreise und einen strukturellen Bärenmarkt für den Dollar spricht.

Anlass waren kurzfristige Schwankungen bei Gold und Kupfer, doch die Aussage verweist auf eine tiefer liegende Stimmung unter Investoren in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Besonders bemerkenswert ist die Erwartung einer anhaltenden Dollar-Abwertung. Dahinter steht offenbar die Annahme, dass die geopolitische Rivalität die USA dazu zwingen könnte, ihre Währung gezielt zu schwächen, um die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Industrie zu erhöhen. Als historisches Vorbild gilt dabei häufig der wirtschaftliche Konflikt zwischen den USA und Japan in den 1980er Jahren, der in einer realen Abwertung des Dollars um rund 40 Prozent mündete.

Dollar-Kurs: Drei große Abwertungsphasen seit dem Ende von Bretton Woods

Ob diese Einschätzung zutrifft, ist offen. Sollte die Geschichte jedoch als Orientierung dienen, hätte der Dollar durchaus noch Spielraum nach unten. Seit dem Ende des Bretton-Woods-Systems im Jahr 1971, als Präsident Richard Nixon die Goldbindung des Dollars aufhob und damit flexible Wechselkurse einleitete, kam es zu drei ausgeprägten Abwertungsphasen.

Die erste folgte unmittelbar in den frühen 1970er Jahren nach der Aufhebung der Goldkonvertibilität. Die zweite trat Mitte der 1980er Jahre im Zuge des Plaza-Abkommens ein, das eine koordinierte Aufwertung anderer Währungen gegenüber dem Dollar vorsah. Die dritte Phase erstreckte sich über die erste Dekade des 21. Jahrhunderts und war unter anderem Folge hoher fiskalischer und außenwirtschaftlicher Defizite der USA. In allen drei Fällen fiel der reale effektive Wechselkurs des Dollars um etwa 30 bis 40 Prozent. Im Vergleich dazu beträgt der Rückgang im vergangenen Jahr lediglich rund acht Prozent.

Nachlassende Nachfrage nach US-Anlagen als möglicher Auslöser

Ein zentraler Treiber einer stärkeren Abwertung könnte ein sinkendes Interesse internationaler Investoren an amerikanischen Finanzanlagen sein. Die USA nutzen ihre Stellung im globalen Finanzsystem zunehmend auch für politische Sanktionen, was das Bedürfnis nach alternativen sicheren Anlageformen verstärken dürfte. Der kräftige Preisanstieg bei Metallen im vergangenen Jahr wird häufig in diesem Zusammenhang gesehen.

Gleichzeitig lässt sich die Dollar-Schwäche auch weniger politisch deuten. Sie kann als Korrektur einer langen Phase struktureller Ungleichgewichte verstanden werden. Über Jahre hinweg waren amerikanische Vermögenswerte deutlich attraktiver als vergleichbare Anlagen in anderen Regionen.

Warum US-Aktien lange alternativlos erschienen

Die Zeit nach der globalen Finanzkrise war geprägt von einer außergewöhnlichen Dominanz amerikanischer Anlagen, insbesondere von Aktien. Die USA führten die digitale Transformation an und boten Investoren Zugang zu den zentralen Gewinnern dieser Entwicklung. Europa zeigte hingegen zunehmende Anzeichen struktureller Stagnation, während viele asiatische Staaten den Zufluss ausländischen Kapitals begrenzten.

Vor diesem Hintergrund galt die Anlage in US-Aktien für viele Investoren als naheliegende Entscheidung. Entsprechend stieg der Anteil der USA an der globalen Börsenkapitalisierung zwischen 2010 und 2024 von rund 30 auf etwa 50 Prozent. Parallel dazu wertete der reale effektive Dollarkurs in diesem Zeitraum um etwa 25 Prozent auf. In realer Betrachtung wurde der Dollar so stark, dass Investoren US-Anlagen zunehmend als teuer empfanden und in den USA selbst Zweifel an der eigenen preislichen Wettbewerbsfähigkeit aufkamen.

Amerikas strukturelle Stärke spricht gegen ein Einbahnstraßenszenario

Trotz vieler Argumente für eine längerfristige Dollar-Abwertung weist dieses Narrativ eine entscheidende Schwäche auf. Die wirtschaftliche Attraktivität der USA bleibt in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich hoch. Das Land liegt abseits der zentralen militärischen Konfliktzonen, verfügt über eigene Rohstoffressourcen, prägt entscheidende Schlüsseltechnologien und besitzt eine flexiblere Wirtschaftsstruktur als China.

Hinzu kommt eine hohe Anziehungskraft auf qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland. Kapitalzuflüsse halten selbst dann an, wenn sie politisch nicht immer erwünscht sind. Für viele Unternehmen und Investoren gelten Engagements in den USA weiterhin als eine der verlässlichsten Anlagemöglichkeiten weltweit. Der Abwertungstrend des Dollars steht damit starken strukturellen Gegenkräften gegenüber.

Was ein schwächerer Dollarkurs bedeutet

Für Deutschland hätte eine anhaltende Dollar-Schwäche mehrere, teils gegenläufige Effekte. Einerseits könnten Exporte in den Dollar-Raum an preislicher Wettbewerbsfähigkeit verlieren, was insbesondere für die Industrie relevant wäre. Andererseits würden sich Rohstoffimporte verbilligen, was Kosten entlasten und Inflationsdruck mindern könnte.

Zugleich dürfte eine breitere Umschichtung globaler Kapitalströme die Attraktivität europäischer und deutscher Anlagen wieder stärker in den Fokus rücken. Ob Deutschland davon profitiert, hängt jedoch maßgeblich davon ab, ob es gelingt, strukturelle Wachstumshemmnisse abzubauen und Investoren langfristig überzeugende Perspektiven zu bieten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Wall Street gibt nach, während die Anleiherenditen sinkentitle
29.09.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Impulse die US-Märkte im späten Handel bewegten.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Förderprogramm für Azubi-Vermittlung vor dem Aus – trotz offener Ausbildungsplätze
29.09.2026

Viele offene Lehrstellen, viele Jugendliche ohne Perspektive – und trotzdem soll ein bewährtes Förderprogramm für die Azubivermittlung...

DWN
Finanzen
Finanzen Geldvermögen: Haushalte so reich wie nie - Rekordsumme ungleich verteilt
29.09.2026

Das weltweite Geldvermögen erreicht laut Allianz ein Rekordhoch. Doch der Zuwachs kommt bei Milliarden Menschen nicht an. Die Unterschiede...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Funflation: Warum selbst der Spaß immer teurer wird
29.09.2026

Urlaub, Restaurant oder Hobby: Wer seine Freizeit genießen will, muss immer tiefer in die Tasche greifen. Eine Analyse der Bank of America...

DWN
Politik
Politik Kippt der Länderfinanzausgleich? Union droht bei Linksregierung mit Geldentzug
29.09.2026

Nach dem Wahlsieg der Linkspartei in Berlin könnte diese bald die Regierung anführen. Die CDU- und CSU-geführten Bundesländer drohen...

DWN
Finanzen
Finanzen Reicher Westen, armer Osten: Enorme Vermögensungleichheit verschärft sich 2025
29.09.2026

Am 36. Jahrestag der Wiedervereinigung herrschen enorme Unterschiede bei der Vermögensverteilung: Alleine im Jahr 2025 entfielen 95...

DWN
Politik
Politik Deutschland vergreist: Kinderwunsch sinkt – das sind die Folgen
29.09.2026

In Deutschland sinkt nicht nur kontinuierlich die Geburtenrate, sondern erstmals seit vielen Jahren sogar auch der Wunsch nach eigenen...

DWN
Finanzen
Finanzen Lateinamerika-Aktien: Das Comeback, das kaum jemand auf dem Radar hat
29.09.2026

Jahrelang mieden Anleger Lateinamerika, nun schlägt die Region sogar den S&P 500. Rohstoffe, Banken und überraschend niedrige Bewertungen...