Wirtschaft

Europa reformiert Lkw-Maut 2026: Höhere Tarife und neue CO2-Regeln

Europas Lkw-Maut wird 2026 umfassend reformiert, viele Staaten erhöhen Tarife und stellen auf CO2-basierte Kilometerabrechnung um. Welche Folgen hat das für Transportunternehmen im grenzüberschreitenden Verkehr?
21.02.2026 07:21
Lesezeit: 4 min
Europa reformiert Lkw-Maut 2026: Höhere Tarife und neue CO2-Regeln
Europas Lkw-Maut steigt 2026 spürbar, während zahlreiche Staaten ihre Systeme auf kilometer- und emissionsbasierte Modelle umstellen (Foto: dpa) Foto: Robert Michael

Europas Lkw-Maut vor einem tiefgreifenden Umbruch

Wo, wie und in welchem Umfang steigen 2026 in Europa die Lkw-Mautgebühren? Das Netz mautpflichtiger Straßen wächst weiter, die Tarife werden angehoben und die Berechnungsgrundlagen grundlegend umgestellt. Nach Angaben von Kristina Vučkovečki, Marketingleiterin bei Shell Adria, bringt das Jahr 2026 außergewöhnlich viele Veränderungen für den Straßengüterverkehr. Neben höheren Gebühren und einer Ausweitung der mautpflichtigen Strecken steht vor allem der Übergang zu kilometerabhängigen und emissionsbasierten Modellen im Mittelpunkt.

Mehrere Staaten haben ihre Mautsätze indexiert oder regulatorisch erhöht und gleichzeitig die Netze ausgedehnt, darunter Ungarn, Italien, Polen, teilweise die Niederlande sowie Belgien und Tschechien. Zugleich gewinnt die CO2-Komponente bei der Berechnung deutlich an Gewicht und wird zu einem zentralen Kostentreiber. In Tschechien, Belgien und Österreich stiegen die Gebühren bereits im Januar um rund zehn Prozent, überwiegend infolge einer verschärften Umweltkomponente. Vergleichbare Modelle werden inzwischen auch in weiteren europäischen Ländern vorbereitet oder bereits umgesetzt.

Höhere Kosten und wachsender Planungsdruck

Für Transportunternehmen bedeuten diese Maßnahmen vor allem steigende Betriebskosten und wachsenden administrativen Aufwand. Umso wichtiger ist es, sämtliche Änderungen genau zu verfolgen und die eigene Kalkulation systematisch anzupassen. Vučkovečki rät, in Ländern mit indexierten Erhöhungen wie Ungarn, Italien und Belgien sowie mit stärkeren Sprüngen wie in Polen oder auf einzelnen tschechischen Straßen erster Klasse die Routenrechner zu aktualisieren. In Angeboten sollten Unterschiede zwischen den Emissionsklassen konsequent berücksichtigt werden.

Zudem kann es sinnvoll sein, bestimmte Strecken neu zu planen und Alternativen zu prüfen. In Staaten mit ausgeweitetem mautpflichtigem Netz wie Polen und Tschechien sollten regionale Ausweichrouten ebenso analysiert werden wie zeitliche Beschränkungen. In Ungarn gelten darüber hinaus neue Transitregeln. Lkw über 20 Tonnen müssen grundsätzlich Autobahnen, Schnellstraßen oder offizielle Transitkorridore nutzen. Eine Durchfahrt durch Ortschaften ist nur noch für Be- und Entladungen oder verpflichtende Stopps zulässig.

Niederlande ersetzen Eurovignette durch CO2-basierte Kilometermaut

In den Niederlanden wird zum 1. Juli die Eurovignette abgeschafft und durch ein neues kilometerabhängiges System ersetzt, das sich an den CO₂-Emissionen orientiert. Künftig richtet sich die Maut für alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen nach der gefahrenen Strecke, dem Fahrzeuggewicht und der jeweiligen Emissionsklasse. Das System wird inflationsindexiert und über On-Board-Units ohne klassische Mautstationen abgewickelt. Ältere und emissionsintensive Fahrzeuge werden dadurch stärker belastet, während emissionsarme oder elektrische Fahrzeuge deutlich geringere Gebühren entrichten.

Bereits zum 1. Januar 2026 gelten auf der mautpflichtigen Verbindung A24 Blankenburg neue Tarife. Für leichte Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen steigen die Gebühren um vier Prozent, für schwere Fahrzeuge um 3,9 Prozent, zudem wird das Sanktionsregime bei Nichtzahlung verschärft. Die Umstellung markiert einen grundlegenden Systemwechsel. Statt pauschaler Zeitvignetten rückt die tatsächliche Nutzung der Infrastruktur in Verbindung mit dem Emissionsprofil des Fahrzeugs in den Mittelpunkt der Berechnung.

Technologiewechsel in der Schweiz erfordert neue Geräte

In der Schweiz wurde das 2G-Mobilfunknetz bereits Anfang 2023 abgeschaltet, was direkte Auswirkungen auf ältere Mautgeräte hat. 2G-basierte On-Board-Units funktionieren im schweizerischen System in der Regel nicht mehr. Zum 1. Juni 2025 begann die Umstellung auf das europäische EETS-System. Einzelne Anbieter haben Übergangslösungen geschaffen, die 2G-OBU-Geräte noch bis Ende Juni 2026 nutzbar machen, danach ist ein 4G-fähiges Gerät zwingend erforderlich.

Transportunternehmen sollten daher prüfen, ob ihre Geräte die technischen Voraussetzungen erfüllen. Andernfalls drohen Nutzungseinschränkungen und zusätzliche Kosten durch notwendige Ersatzbeschaffungen. Die Schweiz setzt damit nicht primär auf höhere Tarife, sondern auf eine technologische Modernisierung. Für international tätige Flottenbetreiber bedeutet dies jedoch zusätzlichen Abstimmungsbedarf.

Breite Tarifsteigerungen in vielen EU-Staaten

Österreich führte einen neuen Mauttarif ein, die durchschnittliche Erhöhung liegt bei rund zehn Prozent. In Belgien wurde in Wallonien eine inflationsbedingte Anpassung um durchschnittlich 1,91 Prozent vorgenommen, während Flandern und Brüssel die Behandlung emissionsfreier Fahrzeuge neu geregelt haben. Dort wurde die Infrastrukturkomponente von 100 auf 80 Prozent gesenkt, die externe Kostenkomponente bleibt bis Ende 2029 bei null. Bulgarien kündigte eine deutliche Erhöhung infolge eines neuen Emissionszuschlags an, konkrete Sätze stehen jedoch noch aus.

In Tschechien wurde das mautpflichtige Netz um Abschnitte der Autobahnen D1, D35 und D55 erweitert. Seit Januar 2026 gelten neue Tarife für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen mit stärkerer Gewichtung der Emissionsklasse. Auf Autobahnen steigen die Gebühren dort um 0,7 bis 1,5 Prozent. Auf Straßen erster Klasse fallen die Erhöhungen deutlich höher aus und liegen je nach Emissionsklasse und Achsenzahl zwischen rund 10 und 41,8 Prozent.

Polen und Rumänien bauen Systeme deutlich aus

Ungarn erhöhte die Maut für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen zum Jahresbeginn um 4,3 Prozent im Rahmen der Inflationsanpassung. Eine weitere Anpassung im Laufe des Jahres ist angekündigt, zusätzlich gelten neue Transitvorgaben.

In Polen liegt die durchschnittliche Erhöhung bei 5,14 Prozent. Seit dem 1. Februar 2026 wurde das eTOLL-System um rund 645 Kilometer erweitert, sodass insgesamt etwa 5.869 Kilometer mautpflichtig sind. Die elektronischen Mautsätze stiegen dort je nach Fahrzeugtyp und Emissionsklasse um rund 40 bis 42 Prozent. Damit zählt Polen zu den Ländern mit den deutlichsten finanziellen Mehrbelastungen für Spediteure. Rumänien stellt ab Juli 2026 vom Vignettenmodell auf eine kilometerabhängige Abrechnung um. Das neue System TollRo gilt für alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen und erfasst Autobahnen, Schnellstraßen sowie strategische Verkehrsachsen.

Steigende Mautlast trifft auch deutsche Spediteure

Auch in weiteren Ländern wie Portugal, Frankreich, Irland oder dem Vereinigten Königreich steigen die Gebühren moderat an. In Summe ergibt sich jedoch ein klarer Trend zu höheren Kosten und komplexeren Systemen. Für deutsche Transportunternehmen, die stark im europäischen Binnenmarkt engagiert sind, erhöht sich damit der Kalkulations- und Anpassungsdruck erheblich. Wer Emissionsklassen, Routenführung und Flottenstruktur nicht strategisch optimiert, riskiert sinkende Margen und Wettbewerbsnachteile im internationalen Geschäft.

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