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Aldi und Lidl vor juristischen Hürden: Expansion in Irland stößt auf Widerstand

Aldi und Lidl stoßen bei ihrer Expansion in Irland zunehmend auf Widerstand durch Wettbewerber, die Planungsverfahren und Gerichte strategisch einsetzen. Verlagert sich der Konflikt im irischen Einzelhandel damit vom Preiskampf auf das Planungsrecht?
24.02.2026 16:00
Lesezeit: 4 min
Aldi und Lidl vor juristischen Hürden: Expansion in Irland stößt auf Widerstand
Die Expansion von Lidl und Aldi in Irland wird zunehmend durch juristische Einwände und planungsrechtliche Verfahren von Wettbewerbern gebremst (Foto: iStock.com, Jacek Politowski) Foto: Jacek Politowski

Preiswettbewerb und neue Fronten im irischen Lebensmittelhandel

Als Aldi und Lidl vor mehr als 25 Jahren in Irland ihre ersten Filialen eröffneten, warnten etablierte Supermarktketten vor einem drohenden Preiskrieg. Am Tag der ersten Lidl-Eröffnung erklärte ein Betreiber von SuperValu gegenüber RTÉ, man werde zwar preislich konkurrieren, sehe die Expansion der deutschen Anbieter jedoch nicht als gravierendes Problem.

Der Preiskampf setzte tatsächlich ein. Händler senkten ihre Preise, um Kunden zu halten, während viele Verbraucher gezielt zu den günstigsten Angeboten wechselten. Die deutschen Discounter bauten ihre Marktanteile Schritt für Schritt aus.

Abseits der bekannten Aktionsflächen entwickelte sich jedoch ein zweiter Konflikt. Die Expansion von Aldi und Lidl wurde zunehmend durch planungsrechtliche Einwände und juristische Verfahren gebremst, die von direkten Wettbewerbern angestoßen wurden.

Planungsrecht als Hebel im Wettbewerb

Eine Recherche des Business Post zeigt, dass seit 2021 insgesamt 58 Berufungen gegen neue Filialen von Lidl und Aldi bei der irischen Planungsbehörde An Coimisiún Pleanála eingereicht wurden. In 28 Fällen stammten die Einwände von unmittelbaren Konkurrenten, darunter SuperValu, Tesco, Centra, Iceland, Eurospar sowie der Verband RGDATA.

Von den 58 Verfahren betrafen 37 geplante Lidl-Standorte und 21 Projekte von Aldi. Robert Ryan, Vorstandschef von Lidl Irland und Nordirland, sprach von einem gezielten Versuch, die Expansion seines Unternehmens zu verlangsamen. Begründungen etwa zum Verkehrsmanagement seien aus seiner Sicht wenig stichhaltig, da solche Fragen bereits im Rahmen der Vorabstimmungen mit lokalen Behörden geklärt würden.

Ryan zeigte sich enttäuscht über Praktiken, die als wettbewerbswidrig verstanden werden könnten oder auf aus seiner Sicht konstruierten Argumenten beruhten. Verzögerungen im Genehmigungsverfahren hätten erhebliche Auswirkungen auf Zulieferer. Im Jahr 2025 gab Lidl mehr als 2 Milliarden Euro für Waren und Dienstleistungen aus, ein Anstieg um 20 Prozent gegenüber 2024.

Ein Sprecher von Aldi bezifferte die wirtschaftlichen Folgen ebenfalls deutlich. Für jeden Monat Verzögerung einer Planungsentscheidung gingen dem Unternehmen nach eigenen Angaben rund 1,7 Millionen Euro an Ausgaben bei Lieferanten verloren.

Marktanteile und ehrgeizige Investitionspläne

Nach Daten von Worldpanel hält Dunnes Stores mit 24,8 Prozent den größten Anteil am irischen Lebensmittelmarkt. Es folgen Tesco mit 24,4 Prozent und SuperValu mit 19,4 Prozent. Lidl und Aldi belegen mit 13,2 beziehungsweise 10,4 Prozent die Plätze vier und fünf. Gleichwohl verfolgen beide Discounter ambitionierte Ausbaupläne. Lidl kündigte Investitionen von 600 Millionen Euro für 35 neue Filialen bis 2030 an. Aldi stellte 400 Millionen Euro für 30 neue Standorte bis 2031 in Aussicht.

Um diese Ziele zu erreichen, müsste Lidl im Durchschnitt sieben neue Märkte pro Jahr eröffnen, Aldi etwa sechs. Im vergangenen Jahr verfehlte Lidl sein Ziel und eröffnete lediglich sechs neue Filialen, da zwei gerichtliche Überprüfungsverfahren vor dem High Court in Galway die Expansion verzögerten. Aldi eröffnete 2025 landesweit drei neue Filialen. Im Oktober hob ein Richter des High Court die Genehmigung für einen neuen Standort in Limerick auf, nachdem ein örtliches Einkaufszentrum eine gerichtliche Überprüfung beantragt hatte.

Gerichtliche Verfahren und lokale Einwände

Seit 2021 wurde ein Aldi-Projekt durch den High Court gestoppt, ein weiteres in Galway erhielt keine Genehmigung von der Planungsbehörde. Zwei Verfahren zu geplanten Lidl-Standorten sind weiterhin beim High Court anhängig, ein weiteres wird noch von An Coimisiún Pleanála geprüft.

Eigentümer von SuperValu reichten zwei gerichtliche Überprüfungen gegen Lidl-Projekte ein. Zusätzlich wurden sechs Berufungen gegen drei geplante Lidl- und drei Aldi-Standorte eingelegt. Begründet wurden diese unter anderem mit möglicher Überentwicklung und negativen Auswirkungen auf umliegende Immobilien.

McInerney’s SuperValu in Loughrea argumentierte, ein geplanter Lidl-Markt werde sich erheblich auf den lokalen Einzelhandel und die Verkehrssituation auswirken. O’Meara’s SuperValu in Portumna beantragte eine gerichtliche Überprüfung, nachdem eine zuvor verweigerte Genehmigung für einen Lidl-Bau aufgehoben worden war. Das Projekt berücksichtige zentrale Fragen zur Sicherheit und Anbindung von Fuß- und Radwegen nicht ausreichend.

Auch ein Centra-Betreiber legte eine Berufung gegen einen geplanten Aldi-Standort ein und äußerte sich kritisch zu einem Lidl-Projekt. SuperValu und Centra gehören zu Musgrave Retail Partners Ireland, die Franchiselizenzen an selbstständige Händler vergeben. Ein Sprecher betonte, die Märkte seien unabhängig geführt und ihren Gemeinden verpflichtet.

Breite Front gegen die Discounter

RGDATA, der Verband von 3.500 familiengeführten Lebensmittel- und Nahversorgern, reichte seit 2021 fünf Berufungen gegen geplante Lidl- und Aldi-Standorte ein. Drei betrafen Lidl, zwei Aldi. Zudem wurde eine Stellungnahme gegen ein weiteres Aldi-Projekt abgegeben.

In Clare sprach der Verband von einer erheblichen Bedrohung für die Vitalität des Stadtzentrums durch ein geplantes Lidl-Projekt. In Galway wurden nachteilige Auswirkungen eines Aldi-Standorts auf Anwohner befürchtet. In Cavan warnte RGDATA, ein weiterer Aldi-Markt könne kleinere Geschäfte verdrängen und den Handel im Zentrum dominieren.

Auch Tesco Ireland griff mehrfach ein. Seit 2021 wurde eine Berufung gegen einen Aldi-Standort eingelegt sowie sieben Stellungnahmen zu sechs Lidl- und einem Aldi-Projekt abgegeben. Kritisiert wurden unter anderem Nachhaltigkeit, Gestaltung und mögliche Verkehrsfolgen.

In Mitchelstown bemängelte Tesco eine aus seiner Sicht unzureichende Informationsgrundlage für ein Lidl-Projekt. In Douglas seien anerkannte Gestaltungsstandards nicht berücksichtigt worden, in Carrigaline wurden Parkflächen als städtebaulich unpassend bewertet. Eine Sprecherin erklärte, man äußere sich nur dann, wenn Anträge nicht mit den geltenden Einzelhandelsrichtlinien vereinbar seien.

Standortkonflikte als strategisches Instrument

Iceland Stores Ireland legte ebenfalls Berufung gegen einen Aldi-Standort ein. Der Fall wurde später vom Einkaufszentrum Watchhouse in Moyross gerichtlich überprüft. Der High Court hob die Genehmigung schließlich auf. Auch wenn viele Einwände bislang nicht erfolgreich waren, sind die Fronten im irischen Lebensmittelhandel klar gezogen. Neben dem Preis entscheidet zunehmend das Planungsrecht über Tempo und Umfang der Expansion.

Für Deutschland ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung. Auch hier konkurrieren Discounter, Vollsortimenter und inhabergeführte Märkte um attraktive Standorte. Der Fall Irland zeigt, wie juristische Verfahren und kommunale Planung im Wettbewerb um Marktanteile zu strategischen Instrumenten werden können.

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