Politik

US-Urteil bremst Trumps Zollpolitik: Indien setzt weiterhin auf russisches Öl

Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA begrenzt den handelspolitischen Spielraum von Präsident Trump und beeinflusst die Debatte über Indiens Ölimporte aus Russland. Welche Folgen hat das für die Energiepartnerschaft zwischen Neu-Delhi und Moskau?
27.02.2026 08:15
Lesezeit: 2 min

Indien setzt Ölimporte aus Russland voraussichtlich fort

Das Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA, mit dem die von Präsident Donald Trump eingeführten Gegenzölle für rechtswidrig erklärt wurden, schränkt den handelspolitischen Spielraum des Weißen Hauses ein. Nach Einschätzung mehrerer Analysten spricht dies dafür, dass Indien seine umfangreichen Ölimporte aus Russland fortführen wird, berichtet CNBC.

Sarang Shidore, Direktor des Global-South-Programms am Quincy Institute for Responsible Statecraft, verweist darauf, dass die Möglichkeiten des Präsidenten, Zölle aus politischen Motiven zu verändern, nun deutlich begrenzt seien. Dies betreffe auch Maßnahmen, die mit Indiens Kauf russischer Energierohstoffe begründet würden. Entsprechend erwartet er, dass Neu-Delhi seine energiepolitische Kooperation mit Moskau aufrechterhält.

Eine vollständige Abkehr von russischem Rohöl hält Shidore für wenig realistisch. Zwar seien moderate Anpassungen der Importmengen denkbar, doch die gewachsene energiepolitische Verflechtung zwischen beiden Staaten spreche gegen einen abrupten Kurswechsel.

Importvolumen bleibt voraussichtlich stabil

Muyu Xu, Ölanalystin beim Datenanbieter Kpler, geht davon aus, dass sich die indischen Importe russischen Öls künftig in einer Spanne von 0,8 bis 1,0 Millionen Barrel pro Tag bewegen werden. Im Februar lag das Importtempo nach Kpler-Daten noch bei rund 1,16 Millionen Barrel täglich.

Auch Pankaj Srivastava, Vizepräsident für Rohstoffmärkte bei Rystad Energy, betont, dass Indien trotz der angedrohten US-Zölle weiterhin russisches Öl bezieht. Die jüngsten Entwicklungen deuteten darauf hin, dass Washington den Druck auf Neu-Delhi in dieser Frage vorerst nicht verschärfen werde.

Aus Sicht der Experten mindert das Gerichtsurteil die Wahrscheinlichkeit zusätzlicher handelspolitischer Strafmaßnahmen. Damit bleibt Indien in der Lage, seine Energiepolitik in erster Linie an wirtschaftlichen Erwägungen auszurichten.

Preisüberlegungen stehen im Mittelpunkt der Strategie

Alexandra Hermann, Chefökonomin bei Oxford Economics, erinnert daran, dass etwaige Zusagen Indiens zur Reduzierung russischer Ölimporte nie formell festgeschrieben worden seien. Zudem hätten entsprechende Erwartungen stets als schwer umsetzbar gegolten.

Eine umfassende Substitution russischer Lieferungen durch US-Öl hält sie für unwahrscheinlich. Indiens Energiestrategie orientiere sich vor allem an Preisvorteilen und an dem Ziel, die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten zu begrenzen.

Nachdem zahlreiche Staaten infolge der russischen Invasion in die Ukraine im Februar 2022 ihre Ölimporte aus Russland stark reduzierten, entwickelte sich Indien schrittweise zum größten Abnehmer russischen Rohöls. Erst im November des vergangenen Jahres wurde das Land in dieser Rolle von China abgelöst.

Auswirkungen auf globale Märkte und deutsche Industrie

Die anhaltend hohen indischen Abnahmemengen tragen dazu bei, dass russisches Öl weiterhin in großem Umfang auf dem Weltmarkt platziert wird. Dies stabilisiert die globalen Handelsströme und beeinflusst die internationale Preisbildung.

Für Deutschland als stark exportorientierte und energieintensive Volkswirtschaft bleibt diese Entwicklung von Bedeutung. Veränderungen in den asiatischen Importstrukturen wirken über Preis- und Angebotsmechanismen mittelbar auf die Kostenbasis der deutschen Industrie und damit auf ihre Wettbewerbsfähigkeit.

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