Wirtschaft

FlixTrain rüstet auf: Milliardeninvestition verschärft Wettbewerb mit der DB im Fernverkehr

FlixTrain investiert Milliarden in neue Fernzüge und baut sein Angebot im deutschen Fernverkehr deutlich aus. Kann der private Anbieter damit der Deutschen Bahn im wichtigsten europäischen Bahnmarkt spürbar Konkurrenz machen?
13.03.2026 19:00
Aktualisiert: 16.03.2026 06:05
Lesezeit: 3 min
FlixTrain rüstet auf: Milliardeninvestition verschärft Wettbewerb mit der DB im Fernverkehr
FlixTrain bestellt neue Hochgeschwindigkeitszüge beim spanischen Hersteller Talgo und will damit sein Angebot im deutschen Fernverkehr deutlich ausbauen (Foto: iStock.com, Cineberg) Foto: Cineberg

FlixTrain investiert Milliarden in neue Züge und macht der DB Konkurrenz

Der private deutsche Bahnbetreiber FlixTrain baut sein Fernverkehrsnetz weiter aus und verschärft damit den Wettbewerb mit der Deutschen Bahn. Das Unternehmen hat beim spanischen Hersteller Talgo bis zu 65 neue Fernzüge im Wert von rund 2,4 Milliarden Euro bestellt. Die ersten Züge sollen in etwa zwei Jahren in Betrieb gehen.

Die Bestellung umfasst zunächst 30 neue Hochgeschwindigkeitszüge. Hinzu kommt eine Option auf weitere 35 Einheiten, die FlixTrain nach eigenen Angaben ebenfalls nutzen will. Derzeit verfügt das Unternehmen über 15 Züge, bei denen es sich überwiegend um modernisierte gebrauchte Garnituren handelt.

Mehr Sitzplätze und dichtere Takte auf wichtigen Strecken

Bis zur Auslieferung der neuen Züge will FlixTrain weiterhin modernisierte Gebrauchtzüge einsetzen. In den kommenden zwei Jahren soll die Zahl der verfügbaren Sitzplätze auf diese Weise ungefähr verdoppelt werden. Gleichzeitig plant das Unternehmen, die Zahl der Abfahrten auf wichtigen Verbindungen spürbar zu erhöhen.

Auf zentralen Strecken soll künftig etwa alle zwei Stunden ein Zug verkehren. FlixTrain setzt dabei vor allem auf stark nachgefragte Verbindungen zwischen deutschen Metropolen. Ziel ist es, das Angebot günstiger Fernreisen auszubauen und mehr Fahrgäste auf die Schiene zu bringen.

Talgo baut die Wagen, Siemens liefert die Lokomotiven

Die Wagen der neuen Züge werden vom spanischen Hersteller Talgo gebaut, die Lokomotiven liefert der deutsche Konzern Siemens. Zum Einsatz kommt die Plattform Talgo 230, die auch bei der neuen Generation der ICE-L-Züge der Deutschen Bahn verwendet wird. Die neuen Züge sollen vollständig elektrisch betrieben werden.

Nach Angaben des Unternehmens erreichen die Fahrzeuge Geschwindigkeiten von bis zu 230 Kilometern pro Stunde. FlixTrain setzt damit auf ein Modell, das für den modernen europäischen Fernverkehr ausgelegt ist. Die neue Flotte soll auf stark nachgefragten Strecken für mehr Kapazität und dichtere Fahrpläne sorgen.

Deutschland bleibt der wichtigste Markt für FlixTrain

FlixTrain gehört zur Münchner Reiseplattform Flix, die vor allem durch ihr europäisches Fernbusnetz bekannt wurde. Auf dem deutschen Markt für den Schienenfernverkehr hält die Deutsche Bahn weiterhin einen Anteil von rund 95 Prozent. Genau in diesem Markt will FlixTrain seine Position ausbauen.

Das Unternehmen konzentriert sich vor allem auf die am stärksten ausgelasteten Korridore zwischen deutschen Großstädten. Bereits heute verkehren FlixTrain-Züge unter anderem zwischen Berlin und Nordrhein-Westfalen, zwischen Hamburg und Berlin sowie in Richtung Südwestdeutschland. Geplant ist zudem eine Verbindung zwischen Berlin und München.

Der Fernverkehr auf der Schiene gilt als Wachstumsmarkt

Deutschland gilt als größter europäischer Markt für den Schienenfernverkehr. Bis zum Jahr 2030 könnte die Zahl der Fahrgäste auf langen Strecken um rund 45 Prozent steigen. Gründe dafür sind unter anderem Klimaziele, höhere Investitionen in die Schieneninfrastruktur und die Verlagerung von Reisen vom Flugzeug und vom Auto auf die Bahn.

Für FlixTrain ist dieser Markt daher von hoher strategischer Bedeutung. Mit zusätzlichen Zügen, mehr Sitzplätzen und häufigeren Verbindungen will das Unternehmen seinen Anteil im Fernverkehr ausbauen. Die Bestellung bei Talgo ist damit auch ein Signal dafür, dass der Wettbewerb auf der Schiene in Deutschland an Dynamik gewinnt.

Im Ausland blieb die Expansion bislang begrenzt

In der Vergangenheit hatte FlixTrain versucht, sein Bahnangebot auch außerhalb Deutschlands auszubauen. Im Jahr 2021 nahm das Unternehmen beispielsweise eine Verbindung zwischen Stockholm und Göteborg in Schweden auf. Nach einigen Jahren wurde der Betrieb dort jedoch wieder eingestellt.

Als Gründe wurden operative Probleme und hohe Kosten genannt. Auch neue grenzüberschreitende Verbindungen von Deutschland in die Niederlande oder nach Polen standen zeitweise zur Diskussion. Eingeführt wurden diese Strecken bislang jedoch nicht.

Mehr Wettbewerb auf der Schiene wäre auch für Deutschland relevant

Die Großbestellung zeigt, dass sich der deutsche Fernverkehrsmarkt trotz der dominanten Stellung der Deutschen Bahn langsam öffnet. Für Reisende könnte das langfristig mehr Auswahl, häufigere Verbindungen und zusätzliche günstige Angebote bedeuten. Gleichzeitig steigt der Druck auf den bisherigen Marktführer.

Für Deutschland ist diese Entwicklung auch verkehrs- und wirtschaftspolitisch relevant. Wenn private Anbieter ihr Angebot im Fernverkehr ausbauen und mehr Menschen auf die Bahn umsteigen, stärkt das nicht nur den Wettbewerb, sondern langfristig auch die Rolle der Schiene im deutschen Verkehrssystem.

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