Politik

Sondervermögen Schulden: Milliarden werden zur Stopfung von Haushaltslöchern missbraucht

Etikettenschwindel bei den Staatsfinanzen? Das Münchner Ifo-Institut wirft der Bundesregierung vor, neue Milliardenschulden massiv zweckentfremdet zu haben. Obwohl die 24,3 Milliarden Euro an Krediten offiziell für Klimaschutz und Infrastruktur reserviert waren, flossen laut den Ökonomen 95 Prozent der Summe schlicht in den allgemeinen Haushalt. Echte Investitionen in die Zukunft blieben demnach fast vollständig auf der Strecke.
17.03.2026 14:36
Lesezeit: 1 min
Sondervermögen Schulden: Milliarden werden zur Stopfung von Haushaltslöchern missbraucht
Das Ifo-Institut belegt: Von 24,3 Milliarden Euro Sonderschulden flossen kaum Mittel in echte Investitionen. Was steckt hinter dem Etikettenschwindel? (Foto: dpa) Foto: Bernd Wüstneck

Kürzungen im Kernhaushalt

"Wir haben festgestellt, dass die Politik die schuldenfinanzierten Mittel nahezu vollständig für andere Zwecke, also zum Stopfen von Haushaltslöchern, genutzt hat", kritisierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. "Das ist ein großes Problem." Im August 2025 hatte bereits die Bundesbank der Bundesregierung vorgehalten, dass ein beträchtlicher Teil der neuen Schulden nicht in Investitionen fließt.

Laut Ifo nahm der Bund im vergangenen Jahr im Rahmen des "Sondervermögens" zwar 24,3 Milliarden Euro zusätzliche Schulden auf, doch die zusätzlichen Neuinvestitionen des Bundes seien nur um 1,3 Milliarden Euro höher gewesen als im Vorjahr.

Die Zweckentfremdung resultiert laut Ifo daraus, dass die Regierung die Investitionen im Kernhaushalt im Vergleich zu 2024 kürzte: "Es kam zu Verschiebungen einzelner Posten vom Kernhaushalt in das kreditfinanzierte SVIK", sagte Studienautorin Emilie Höslinger. "Dazu gehören insbesondere Zuschüsse im Verkehrsbereich, weshalb im Kernhaushalt weniger investiert wurde als in den Vorjahren." Dies deckt sich mit der Kritik der Bundesbank.

Kritik: Konstruktion des Schuldenpakets erschwert Nachvollziehbarkeit

Hauptquellen der Ifo-Berechnungen sind die von Bund und Bundesbehörden veröffentlichten Daten: Haushaltspläne und -rechnungen, die vom Bundesfinanzministerium veröffentlichten Monatsberichte zur Kreditaufnahme sowie die vierteljährlichen Kassenberichte des Statistischen Bundesamts.

Höslinger und ihr Co-Autor Max Lay kritisieren in dem Aufsatz, dass allein die komplexe Konstruktion des Schuldenpakets "die Nachvollziehbarkeit der Mittelverwendung und die Untersuchung der Zweckmäßigkeit erschwert". Den Berechnungen der beiden Wissenschaftler zufolge gab der Bund 2024 insgesamt 68,6 Milliarden Euro für Investitionen aus. Die Gesamtinvestitionen in 2025 beziffern Höslinger und Lay auf 69,9 Milliarden Euro, trotz der hohen Schuldenaufnahme im "Sondervermögen" nur geringfügig mehr.

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