Politik

Tariftreuegesetz kommt: Gesetz für mehr Tarifverträge in Deutschland beschlossen

Lange wurde darüber gestritten, wie die Politik für mehr Tarifverträge in Deutschland sorgen kann. Nun hat der Bundesrat das Tariftreuegesetz beschlossen.
27.03.2026 11:51
Lesezeit: 2 min

Gesetz für mehr Tarifverträge in Deutschland nimmt letzte Hürde

Öffentliche Aufträge des Bundes darf es künftig nur noch für Firmen geben, die Tarifverträge einhalten oder ihren Beschäftigten ähnlich gute Bedingungen bieten. Der Bundesrat stimmte dem Tariftreuegesetz zu, das der Bundestag im Februar mit den Koalitionsstimmen beschlossen hatte.

Ziel sind mehr Tarifverträge und eine faire Grundlage für den Wettbewerb um öffentliche Aufträge und Konzessionen. Denn bisher, so die Gesetzesbegründung, könnten Unternehmen ohne Tarifbedingungen wegen geringerer Personalkosten günstigere Angebote machen.

Das Gesetz gilt auf Bundesebene für Bau- und Dienstleistungen ab einem Auftragswert von 50.000 Euro. Ausnahme: Aufträge, die unmittelbar der zivilen Verteidigung, der inneren Sicherheit, dem Katastrophenschutz oder den Nachrichtendiensten dienen. Hier gelten die Vorgaben erst ab 100.000 Euro. Lieferverträge sowie alle Aufträge der Bundeswehr bleiben ganz außen vor. Über diese Ausgestaltung war zuletzt im Parlament lange gerungen worden.

«Das Gesetz kommt genau zur richtigen Zeit»

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) sagte in der Länderkammer: «Das Gesetz kommt genau zur richtigen Zeit.» Sie machte auf das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität aufmerksam. «Dafür wird es zahlreiche öffentliche Ausschreibungen geben», so Bas. Das sichere Arbeitsplätze und neue Jobs - dies geschehe mit dem Gesetz aber nun verpflichtend zu tariflichen Arbeitsbedingungen.

Insbesondere Beschäftigte in Ostdeutschland und Frauen sollen von dem Gesetz profitieren, wie Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) deutlich machte. Im Osten sei die Tarifbindung historisch bedingt viel geringer. Zudem sei zu beobachten: «In Betrieben, wo keine Tarifbindung ist, haben Männer im Schnitt 17 Prozent mehr Lohn als Frauen.»

Arbeitgeber warnen vor Bürokratie

Das bereits im Koalitionsvertrag angekündigte Gesetz ist vor allem ein Anliegen der SPD. Von den Gewerkschaften wird es seit Jahren gefordert. Die Arbeitgeber lehnen es als «hoch bürokratisches Tarifzwangsgesetz» ab, das die aktuelle wirtschaftliche Schwächephase ignoriere und zu mehr Bürokratie führe, wie die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände in ihrer Stellungnahme zum Gesetz gewarnt hatte.

Nach Angaben der Bundesregierung sollen Bürokratie, Nachweispflichten und Kontrollen auf ein Minimum begrenzt werden. Tariftreueversprechen sollen im Vergabeverfahren einfach und unbürokratisch abgegeben werden können. Neben der Entlohnung geht es bei den Tarifbedingungen auch beispielsweise um Urlaubstage, Höchstarbeitszeiten oder Pausen.

Auf EU-Ebene hatte sich Deutschland verpflichtet, 80 Prozent Tarifbindung anzustreben. Tatsächlich liegt die Quote aber nur noch bei 49 Prozent, wie die SPD argumentiert hatte. Die Union hatte trotz andauernder Zweifel zugestimmt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Bargeld-Comeback: Läden in Schweden müssen Bargeld annehmen
01.07.2026

Schweden ist Vorreiter in Sachen bargeldlose Gesellschaft. Fast alles läuft über Karte oder Handy. Doch jetzt sollen zumindest manche...

DWN
Politik
Politik Neue Regeln für „Demokratie leben!“: Prien bezieht Verfassungsschutz ein
01.07.2026

Die Familienministerin hat neue Vorgaben für die Förderung von Initiativen gegen Extremismus und für Vielfalt entworfen. Dieses Jahr...

DWN
Panorama
Panorama Vier Buchempfehlungen für die Liege: Was Entscheider diesen Sommer unbedingt lesen sollten
01.07.2026

Das Tablet ist geladen, der Sonnenschirm steht, die E-Mails dürfen warten. Wir haben vier Wirtschaftsbuch-Empfehlungen für Sie, die den...

DWN
Immobilien
Immobilien Mieten statt Kaufen: Deutschland bleibt das Land der Mieter in Europa
01.07.2026

Eigenheim - Nein, danke? In Deutschland ist das Interesse nach einer eigenen Immobilie im europaweiten Vergleich am geringsten ausgeprägt....

DWN
Finanzen
Finanzen Der Juli wird an der Börse heiß werden
01.07.2026

In der vergangenen Woche kam es zu einer Korrektur, wie sie entsteht, wenn überhöhte Bewertungen, eine restriktive Fed und schlechte...

DWN
Finanzen
Finanzen Anlagestrategie: Warum Ihr Geld auf dem Konto langsam verschwindet
01.07.2026

Geld auf dem Konto vermittelt Sicherheit, kostet aber langfristig Vermögen. Eine Investorin zeigt, warum genau dieses Denken der größte...

DWN
Immobilien
Immobilien Klimaanlage einbauen: Was Sie vor dem Kauf wissen müssen
01.07.2026

Die Sommer werden heißer – und die Nachfrage nach Klimaanlagen steigt. Doch der Einbau ist komplizierter, als viele denken. Wer nicht in...

DWN
Immobilien
Immobilien Mehr Rechte für Mieter: So reformiert das Kabinett das Mietrecht
01.07.2026

Mietpreisbremse, Möblierung, Kündigung: Im April 2026 wurde ein Entwurf zur Änderung des Mietrechts im Bundeskabinett angenommen. Was...