Wirtschaft

Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs: Inflationsrate springt auf Zweijahreshoch

Die Eskalation im Nahen Osten trifft die deutsche Wirtschaft mit zeitlicher Verzögerung, aber massiver Wucht. Der drastische Anstieg der Energiepreise hat die Inflation in Deutschland im März auf den höchsten Stand seit über zwei Jahren katapultiert und bereitet insbesondere energieintensiven mittelständischen Betrieben wachsende Sorgen. Nach einer Phase relativer Preisstabilität sieht sich die Bundesrepublik nun mit einer neuen Teuerungswelle konfrontiert, die den Kostendruck auf Unternehmen und private Haushalte gleichermaßen erhöht.
30.03.2026 14:26
Aktualisiert: 30.03.2026 14:26
Lesezeit: 2 min

Besonders stark verteuerte sich im März Energie: Hier zogen die Preise nach Angaben der Statistiker um 7,2 Prozent zum Vorjahresmonat an. Das ist der erste Anstieg bei Energie seit Dezember 2023. Bei Dienstleistungen, zu denen etwa Restaurantbesuche und Reisen zählen, stiegen die Preise um 3,2 Prozent. Lebensmittel waren 0,9 Prozent teuer als ein Jahr zuvor. Gemessen am Vormonat Februar stiegen die Verbraucherpreise insgesamt um 1,1 Prozent.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer warnt: "Der Anstieg der Inflation im März ist erst der Anfang. Die höheren Energiekosten werden sich in den kommenden Monaten durch die Wertschöpfungsketten fressen, sofern der Krieg nicht rasch endet."

Ölpreisschock könnte für noch größere Ausschläge sorgen

Vor dem Iran-Krieg rechneten Ökonomen damit, dass die Teuerung in Deutschland dieses Jahr knapp über der Marke von zwei Prozent liegen werde. Das scheint nun bereits nach dem ersten Kriegsmonat Makulatur. Die Deutsche Bank etwa erwartet, dass die Inflation im Jahresschnitt auf 2,7 Prozent klettert.

Kurzfristig könnte der Ölpreisschock sogar für noch größere Ausschläge sorgen: Die Bundesbank warnte kürzlich, die Inflationsrate dürfte "in nächster Zeit deutlich in Richtung 3 Prozent ansteigen". Eine langanhaltende Sperrung der Straße von Hormus könne die Energieversorgung belasten und die Inflationsrate über einen längeren Zeitraum deutlich erhöhen.

Steigen die Lebensmittelpreise?

Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat die Öl- und Gaspreise stark nach oben getrieben. Denn der Iran hat die Straße von Hormus, über die rund ein Fünftel des globalen Ölverbrauchs transportiert wird, faktisch geschlossen. Der Preis für ein Fass Brent-Rohöl hält sich hartnäckig über der Marke von 100 Dollar. Hoffnungen, dass der Krieg schnell vorbei sein könnte, haben sich zerschlagen, dafür wachsen die Sorgen um die deutsche Wirtschaft.

Die Folgen der Kämpfe im Nahen Osten treffen Autofahrer an den Tankstellen hierzulande, Preise von mehr als zwei Euro je Liter Benzin oder Diesel sind zu zahlen. Auch Gas und Strom haben für Neukunden deutlich verteuert.

Aus Sicht von Ökonomen besteht die Gefahr, dass sich der Energiepreisschock in der Breite der Wirtschaft niederschlägt. So könnten steigende Produktions- und Transportkosten die Preise für Lebensmittel, Restaurantbesuche und Dienstleistungen steigen lassen. Auch am Bau werden Kostensteigerungen erwartet und gestiegene Düngemittelpreise belasten Bauern.

Wegen des Iran-Kriegs wollen deutlich mehr Unternehmen in Deutschland ihre Preise erhöhen, zeigten bereits neue Ifo-Daten. Der Indikator des Münchner Instituts stieg um fünf Punkte auf den höchsten Wert seit März 2023. "Der Preisdruck in Deutschland nimmt wieder spürbar zu", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. "Die Unternehmen geben steigende Kosten zunehmend weiter."

Erinnerungen an Preiswelle mit Ukraine-Krieg noch frisch

Bei Verbraucher schürt der Iran-Krieg die Sorge vor einer neuen Preiswelle. Neun von zehn Menschen in Deutschland rechnen mit steigenden Lebenshaltungskosten in den kommenden Monaten, zeigte zuletzt eine repräsentative Yougov-Umfrage im Auftrag der Postbank.

Schon im Ukraine-Krieg 2022 hatte die damalige Energiekrise für einen Preisschub im großen Stil gesorgt. Die Inflation kletterte 2022 auf 6,9 Prozent und lag 2023 noch bei 5,9 Prozent. Das kostete die Verbraucher über Jahre Kaufkraft, denn viele Preise haben sich dauerhaft erhöht. Lebensmittel etwa haben sich nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zwischen 2021 und 2025 um fast ein Drittel (32 Prozent) verteuert.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Novo Nordisk-Aktie: Warum der Ozempic-Riese plötzlich alles ändert
21.09.2026

Novo Nordisk macht aus sich selbst „Novo“ und dreht sogar den berühmten Stier im Logo um. Doch hinter der vermeintlichen kosmetischen...

DWN
Finanzen
Finanzen Neue Euro-Banknoten: Diese Motive stehen zur Wahl – Umfrage endet
21.09.2026

Europas Bargeld soll moderner, sicherer und langlebiger werden. In einer großen Online-Umfrage entscheiden Bürger über mögliche Motive...

DWN
Politik
Politik Wahlsieg für Putin: Kremlpartei sichert sich Zweidrittelmehrheit
21.09.2026

Die Kremlpartei Geeintes Russland sichert sich bei der russischen Parlamentswahl offenbar erneut eine Zweidrittelmehrheit. Oppositionelle...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: AfD knapp vor SPD – in Berlin siegt die Linke
21.09.2026

Zwei Wahlen, zwei politische Erdbeben: Im Nordosten scheitert die CDU an der Sperrklausel, in Berlin wird die Linke stärkste Kraft....

DWN
Technologie
Technologie KI-Risiken: Welche Gefahren durch künstliche Intelligenz wirklich drohen
21.09.2026

Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant und löst immer neue Debatten über mögliche Risiken aus. Während einige Fachleute vor...

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Europäische Banken und Stromnetze sind interessant, zehn Prozent des Portfolios in Gold
20.09.2026

Der Glaube an künftige Gewinne besiegt offenbar noch die Angst vor teurerem Geld.

DWN
Finanzen
Finanzen Investmentchancen: Korea, Luxus, Wasser – wo jetzt Rendite lockt
20.09.2026

Die Börsen stehen nahe ihren Rekorden, doch einige Anleger suchen ihre Chancen ausgerechnet dort, wo es zuletzt besonders wehgetan hat....

DWN
Panorama
Panorama KI-Kunst: Kreative Revolution oder seelenlose Kopie?
20.09.2026

Zurzeit gibt es viel Kritik an KI-generierter Kunst. Die Argumente klingen vertraut: „seelenlos“, „bloße Reproduktion des...