Finanzen

Commerzbank-Aktie gegen Unicredit: Machtkampf um die Zukunft der Commerzbank

Seit Monaten verteidigt die Commerzbank ihre Eigenständigkeit. Die italienische Unicredit hält das nicht davon ab, den DAX-Konzern unter Druck zu setzen. Wie geht es weiter im Übernahmeringen?
04.05.2026 15:31
Lesezeit: 3 min

Showdown um die Commerzbank-Aktie

Wird die Unicredit (ISIN: IT0005239360) Deutschlands zweitgrößte Privatkundenbank übernehmen? Seit mehr als eineinhalb Jahren kämpft die Commerzbank (ISIN: DE000CBK1001) um ihre Unabhängigkeit und steht dabei unter wachsendem Druck der Mailänder Großbank. Die Commerzbank-Aktie gerät dabei immer stärker in den Fokus, während Unicredit ihre Strategie zur Commerzbank-Übernahme des Frankfurter DAX-Werts trotz deutlicher Kritik aus Deutschland weiter vorantreibt.

Inzwischen haben die Unicredit-Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der erforderlichen Kapitalerhöhung zugestimmt, wie das Institut aus Mailand erklärte. Die Investoren bewilligten die Ausgabe von bis zu 470 Millionen neuen Aktien mit einem Gesamtwert von bis zu 6,7 Milliarden Euro bis zum 31. Dezember 2027. Diese neuen Papiere sollen im Austausch gegen Commerzbank-Aktien ausgegeben werden, was direkten Einfluss auf den Commerzbank-Aktienkurs haben dürfte.

Damit schafft die italienische Bank die Grundlage, um ihr Mitte März angekündigtes Angebot zur vollständigen Commerzbank-Übernahme offiziell vorzulegen. Bereits an diesem Dienstag (5.5.) könnte dieser Schritt laut Unicredit-Chef Andrea Orcel erfolgen. Am Freitag (8.5.) wiederum plant die Commerzbank, neue Finanzziele zu präsentieren, die Anleger der Commerzbank-Aktie von einem eigenständigen Kurs überzeugen sollen – womöglich inklusive zusätzlicher Einsparmaßnahmen.

Unicredit treibt Commerzbank-Übernahme voran

Im März hatte die Unicredit erklärt, sie wolle je Commerzbank-Aktie 0,485 eigene Aktien bieten. Dies entspreche einem Preis von 30,80 Euro pro Anteil oder einem Aufschlag von vier Prozent auf den Schlusskurs vom 13. März. Auf dieser Grundlage bewertete Unicredit den DAX-Wert mit rund 35 Milliarden Euro. Allerdings lag der Commerzbank-Aktienkurs zuletzt deutlich höher bei etwa 35 Euro. Orcel ließ offen, die Offerte für die Commerzbank-Aktie noch zu verbessern.

Mit dem freiwilligen Tauschangebot will Unicredit weitere Anteile sichern und die Marke von 30 Prozent überschreiten, ohne ein vermutlich kostspieligeres Pflichtangebot vorzulegen. Orcel zeigte sich optimistisch: "Der Prozess ist nicht mehr aufzuhalten", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Ich bin zuversichtlich, dass es am Ende so kommen wird, weil die industrielle Logik klar ist und man am Ende des Tages nicht gegen die Schwerkraft ankommt."

Auch im Verwaltungsrat der Unicredit besteht Einigkeit, dass "die Commerzbank eine Transformation durchlaufen sollte, um in der Zukunft erfolgreich zu sein", betonte Vorsitzender Pietro Carlo Padoan auf der Hauptversammlung. Für die Commerzbank-Aktie bedeutet dies anhaltende Unsicherheit.

Commerzbank-Aktie: Hat der Staat die Entwicklung unterschätzt?

Der deutsche Staat spielt im Ringen um die Commerzbank-Aktie eine zentrale Rolle. Ausgangspunkt war der September 2024: Der Bund entschied, 4,49 Prozent seiner Commerzbank-Aktien zu veräußern. Finanzminister Christian Lindner (FDP) argumentierte damals, die Bank sei "ein starkes Institut" und eine staatliche Beteiligung langfristig nicht erforderlich.

Unterschätzt wurde offenbar die Dynamik, mit der Unicredit ihren Einfluss ausbauen würde. Schnell stellte sich die Frage: "Wird die Commerzbank italienisch?" Gewerkschaften warnten vor einem "Kahlschlag" mit massivem Stellenabbau. Aus Berlin kam hingegen wiederholt die klare Position zugunsten einer eigenständigen Commerzbank und damit auch einer stabilen Entwicklung der Commerzbank-Aktie.

Nach aktuellen Angaben kontrolliert Unicredit direkt und indirekt 29,99 Prozent der Anteile. Für weitere 2,65 Prozent wurden Preisvereinbarungen getroffen. Der Bund hält weiterhin gut 12 Prozent am DAX-Wert und ist über zwei Vertreter im Aufsichtsrat präsent.

Braucht Europa größere Banken?

Die Unicredit sieht in der Commerzbank-Übernahme die Chance, ihr Geschäft mit Privat- und Firmenkunden auszubauen. Gleichzeitig betont Orcel, Europa benötige im Wettbewerb mit US-Banken größere Institute. Diese Sicht teilen viele Fachleute.

EZB-Bankenaufseherin Claudia Buch schrieb im "Handelsblatt", der europäische Bankensektor sei durch "eine fragmentierte Marktstruktur" geprägt, die Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen könne. Ihr Fazit: Es brauche einen klaren Plan zur Stärkung der Bankenlandschaft. Auch für die Entwicklung der Commerzbank-Aktie ist diese Debatte entscheidend.

Orcels Strategie für die Commerzbank - Widerstand aus Frankfurt

Orcel stellte seinen Plan kürzlich auf 34 Powerpoint-Folien vor. Demnach könnten bei einer Integration rund 7.000 Stellen in Deutschland wegfallen. Das internationale Netzwerk der Commerzbank bewertet Unicredit als "überdimensioniert" und "ineffizient". Sein Fazit: Der aktuelle Kurs gefährde "mittelfristig ihr Überleben". Für die Commerzbank-Aktie ist dies ein kritischer Punkt.

Die Führung der Commerzbank sieht die Lage anders. Vorstandschefin Bettina Orlopp, seit dem 1. Oktober 2024 im Amt, erkennt keinen Mehrwert in einer Fusion. Sie setzt auf Eigenständigkeit des DAX-Werts und will den Commerzbank-Aktienkurs aus eigener Kraft stärken. Mit neuen Finanzzielen möchte die Bank ihre Strategie untermauern. Die Hauptversammlung am 20. Mai gilt als wichtiger Test für die Zukunft der Commerzbank-Aktie und die Haltung der Investoren.

Konflikt zwischen Unicredit und Commerzbank

Orlopp kritisierte zuletzt die Vorgehensweise von Unicredit deutlich und sprach von einer "anhaltend feindliche Taktik und irreführende Darstellungen". Die Spannungen spiegeln sich auch im Marktumfeld der Commerzbank-Aktie wider.

Die Finanzaufsicht Bafin erteilte Unicredit zudem eine Rüge wegen Social-Media-Anzeigen zur Commerzbank. Beanstandet wurde eine "reißerische und unsachliche Aufmachung". Die Anzeigen wurden daraufhin zurückgezogen. Zwar betont die Commerzbank ihre Gesprächsbereitschaft gegenüber Unicredit. Doch angesichts der Konflikte erscheint eine Einigung schwierig. Ob beide Seiten eine gemeinsame Linie finden – und wie sich dies auf die Commerzbank-Aktie, den Commerzbank-Aktienkurs und die geplante Commerzbank-Übernahme auswirkt – bleibt offen.

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