Finanzen

Rheinmetall-Aktie steigt trotz schwachem Quartal

Die Zahlen fallen schwächer aus als erwartet, doch die Aktie reagiert überraschend robust. Statt Abverkauf setzt Rheinmetall auf eine Wette auf das zweite Quartal und neue Wachstumsdynamik.
05.05.2026 12:28
Aktualisiert: 05.05.2026 12:28
Lesezeit: 2 min
Rheinmetall-Aktie steigt trotz schwachem Quartal
Rheinmetall geht nicht unter: Die Kraken Drohne K3 Scout fährt durch den Hafen. (Foto: dpa) Foto: Marcus Brandt

Rheinmetall-Aktie: Schwacher Start, starke Erholung im Handel

Die Rheinmetall-Aktie hat die vorbörsliche Schwäche nach der Veröffentlichung von Quartalszahlen und Jahreszielen schnell abgeschüttelt. Experten bewerten die Eckdaten zum ersten Quartal zwar als Enttäuschung, verweisen jedoch auf Timing-Effekte und gehen davon aus, dass der Konzern die Delle im weiteren Jahresverlauf ausgleichen kann.

Die Anleger reagierten entsprechend gelassen: Nach einem positiven Start legte die Aktie gegen Mittag um 3,6 Prozent auf knapp 1.439 Euro zu. Damit setzte sie die jüngste Erholung fort und führte den Dax an. Auch die Branchenwerte Renk und Hensoldt aus dem MDax zogen mit Plus 2,9 beziehungsweise 3,5 Prozent nach.

Zwischendurch hatte die Aktie vorbörslich noch mehr als 2 Prozent verloren und bei rund 1.357 Euro notiert. Im regulären Handel drehte das Papier jedoch deutlich ins Plus und stieg zuletzt um 3,82 Prozent auf 1.441,20 Euro. Damit wurde die Kurserholung zum Wochenstart bestätigt.

Quartalszahlen: Umsatz unter Erwartungen, Gewinn stabiler

Rheinmetall blieb zum Jahresauftakt teilweise hinter den Erwartungen zurück. Der Umsatz stieg um 7,7 Prozent auf 1,94 Milliarden Euro, während der Marktkonsens bei 2,3 Milliarden Euro gelegen hatte. Im Vorjahr war der Umsatz allerdings um 73 Prozent gewachsen, gestützt durch Vorzieheffekte aus dem zweiten Quartal.

Der operative Gewinn lag bei 224 Millionen Euro und damit 33 Millionen Euro über dem Vorjahr, jedoch unter der Erwartung von 262 Millionen Euro. Die operative Marge verbesserte sich auf 11,6 Prozent nach 10,5 Prozent im Vorjahr.

Positiv entwickelte sich der Auftragsbestand, der um 31 Prozent auf rund 73 Milliarden Euro kletterte. Für das Gesamtjahr hält Rheinmetall unverändert an der Prognose fest: ein Umsatzwachstum von 40 bis 45 Prozent auf 14,0 Milliarden bis 14,5 Milliarden Euro sowie eine operative Marge von 19 Prozent nach 18,5 Prozent im Vorjahr.

Analysten: Timing-Effekte statt struktureller Schwäche

Analysten ordnen den schwachen Jahresstart überwiegend als temporäres Phänomen ein. Afonso Osorio von Barclays sieht keine strukturellen Probleme und verweist auf Timing-Effekte sowie hohe Vergleichswerte aus dem Vorjahr. Er erwartet eine Gegenbewegung im zweiten Quartal.

Auch David Perry von JPMorgan bleibt konstruktiv. Nach einem starken Jahresauftakt 2025 und einem schwachen zweiten Quartal könnte sich das Muster in diesem Jahr umkehren. Trotz gestiegener Skepsis der Anleger hält er die Erklärungen für den schwachen Start für nachvollziehbar und sieht Rücksetzer als Einstiegschancen.

Bernstein-Experte Adrien Rabier bleibt ebenfalls optimistisch. Zwar werde der Weg zum angestrebten Umsatzwachstum von 40 bis 45 Prozent im Rüstungsgeschäft holprig bleiben, dennoch sieht er Rheinmetall als bevorzugten europäischen Branchentitel und als dominierenden Anbieter im deutschen Markt.

Ausblick und Bewertung: Chancen trotz Risiken

Etwas vorsichtiger äußert sich Yan Derocles von Oddo BHF. Zwar sei das erste Quartal saisonal typischerweise schwach, dennoch erhöhe der verhaltene Start die Risiken für die Jahresziele. Sollte die erwartete Beschleunigung im zweiten Quartal eintreten, könne die Aktie jedoch wieder zulegen. Bewertungsseitig bevorzugt er allerdings Renk und Thales .

Jefferies bleibt dagegen klar positiv und bestätigt die Einstufung "Buy" mit einem Kursziel von 2220 Euro. Analystin Chloe Lemarie bezeichnete die Umsatzentwicklung im ersten Quartal als schwach, wertet die Aussagen zum ersten Halbjahr jedoch als beruhigend.

Die Aktie hatte vor rund anderthalb Wochen mit knapp 1.310 Euro den tiefsten Stand seit etwa einem Jahr markiert. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 7,8 Prozent zu Buche. Zwischen 2022 und 2025 hatte Rheinmetall stark von geopolitischen Spannungen profitiert, bevor die Erwartungen zuletzt höher wurden und die Volatilität zunahm.

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