Unternehmen

Boom-Branche Rüstung: Rheinmetall wird von Bewerbungswelle überrollt

Vom umstrittenen Waffenbauer zum begehrten Top-Arbeitgeber: Der Düsseldorfer Konzern Rheinmetall erlebt einen beispiellosen Ansturm auf dem Arbeitsmarkt. Mit jährlich rund 350.000 Bewerbungen erreicht das Interesse an einer Anstellung beim Rüstungsriesen eine neue Dimension – ein Trend, der laut Konzernchef Armin Papperger mittlerweile sogar die Grenzen seines Privatlebens überschreitet.
24.04.2026 14:42
Lesezeit: 2 min

Rheinmetall-Chef rechnet in diesem Jahr mit 40 Prozent Wachstum

Rheinmetall sei zuletzt um 30 bis 50 Prozent pro Jahr gewachsen. In diesem Jahr sollen es etwa 40 Prozent werden. Den erwarteten Umsatz bezifferte der Chef des Düsseldorfer Rüstungskonzerns auf 14 bis 15 Milliarden Euro. 65 Prozent der Waren würden exportiert - vor allem in andere Nato-Staaten.

Das Unternehmen habe in etwa 11.500 deutsche Zulieferer, rund 4.500 davon stammten aus der Automobilindustrie. Wenn Rheinmetall bis 2030 auf bis zu 70.000 Beschäftigte angewachsen sei und etwa 210.000 weitere Menschen der Lieferkette zuzurechnen seien, dann entspräche das einem Drittel der gesamten Autoindustrie, sagte Papperger.

Erst zwischen 2035 und 2040 wird der Zenit überschritten

Erst zwischen 2035 und 2040 rechnet er mit einem Abflauen der bislang stark steigenden Umsätze und Aufträge. Sofern es keine militärische Auseinandersetzung in Deutschland gebe, werde dann der Zenit überschritten, sagte Pappberger, der auch Präsident des Bundesverbands der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) ist. Seien die Rüstungsvorhaben abgearbeitet und funktioniere die Abschreckung wie geplant, werde es zu Überkapazitäten kommen.

Dann seien die Regierungen gefragt. „Wir haben ja keine anderen Kunden.“ Bereits jetzt gebe es Gespräche mit Ministerien, was es bedeute, eine Kriegsreserve aufzubauen „in Jahren, wo wir das alles nicht mehr so brauchen“. Aus Pappergers Sicht sollte es dann eine sogenannte Vorhalte-Charter wie in den 1950er und 1960er Jahren beim Aufbau der Bundeswehr geben. Das heißt: Der Staat beteiligt sich an den Fixkosten.

Produktionskapazitäten deutlich ausgebaut

Bei Militärlastwagen habe Rheinmetall die Produktionskapazitäten inzwischen von 600 auf 4.500 im Jahr erhöht, bei der Mittelkalibermunition von etwa 800.000 auf mehr als 4 Millionen Schuss und bei der Artillerie von 70.000 auf 1,1 Millionen Schuss. Bei konventioneller Munition verfüge Deutschland inzwischen über mehr Produktionskapazitäten als die USA, sagte Papperger.

Rheinmetall hatte Anfang März die Übernahme des Marineunternehmens NVL abgeschlossen, zu dem die Werft Blohm+Voss gehörte. Verkäufer war die Bremer Werftengruppe Lürssen. Papperger sagte, es werde die komplette Belegschaft übernommen und zusätzliches Personal in einer Größenordnung von etwa 500 Menschen eingestellt. „Es ist ja nicht so, dass wir jetzt sagen, wir kaufen eine Firma und dann stellen wir 2.000 Mann ein, die vorher Gummibärchen produziert haben, und dann müssen die Marine-Schiffe bauen.“

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