Rheinmetall-Aktie: Schwacher Start, starke Erholung im Handel
Die Rheinmetall-Aktie hat die vorbörsliche Schwäche nach der Veröffentlichung von Quartalszahlen und Jahreszielen schnell abgeschüttelt. Experten bewerten die Eckdaten zum ersten Quartal zwar als Enttäuschung, verweisen jedoch auf Timing-Effekte und gehen davon aus, dass der Konzern die Delle im weiteren Jahresverlauf ausgleichen kann.
Die Anleger reagierten entsprechend gelassen: Bis zum frühen Nachmittag gewinnt die Aktie fast fünfeinhalb Prozent auf knapp 1.450 Euro und zieht damit auch den DAX nach oben, der um 1,3 Prozent zulegen kann.
Quartalszahlen: Umsatz unter Erwartungen, Gewinn stabiler
Rheinmetall blieb zum Jahresauftakt teilweise hinter den Erwartungen zurück. Der Umsatz stieg um 7,7 Prozent auf 1,94 Milliarden Euro, während der Marktkonsens bei 2,3 Milliarden Euro gelegen hatte. Im Vorjahr war der Umsatz allerdings um 73 Prozent gewachsen, gestützt durch Vorzieheffekte aus dem zweiten Quartal.
Der operative Gewinn lag bei 224 Millionen Euro und damit 33 Millionen Euro über dem Vorjahr, jedoch unter der Erwartung von 262 Millionen Euro. Die operative Marge verbesserte sich auf 11,6 Prozent nach 10,5 Prozent im Vorjahr.
Positiv entwickelte sich der Auftragsbestand, der um 31 Prozent auf rund 73 Milliarden Euro kletterte. Für das Gesamtjahr hält Rheinmetall unverändert an der Prognose fest: ein Umsatzwachstum von 40 bis 45 Prozent auf 14,0 Milliarden bis 14,5 Milliarden Euro sowie eine operative Marge von 19 Prozent nach 18,5 Prozent im Vorjahr.
Denn die Düsseldorfer wollen im zweiten Quartal deutlich schneller wachsen und ihre Jahresziele bestätigt haben. Nach einem starken Jahresstart und schwachem zweiten Quartal 2025 dürfte es in diesem Jahr nun genau andersherum laufen, kommentierte JPMorgan-Analyst David Perry. Die Ergebnisse des ersten Quartals lägen nur wegen Timing-Effekten unter den Markterwartungen.
So wird die Bundeswehr einen Großauftrag bereits vorproduzierter Lastwagen erst im laufenden zweiten Quartal abnehmen. Im ersten Quartal hatte zudem eine Explosion in einem spanischen Munitionslager die Produktion gebremst. Bei dem Vorfall bei der Rheinmetall-Tochter Expal Munitions in der Region Murcia waren Ende Januar sechs Menschen verletzt worden.
Analysten: Timing-Effekte statt struktureller Schwäche
Analysten ordnen den schwachen Jahresstart überwiegend als temporäres Phänomen ein. Afonso Osorio von Barclays sieht keine strukturellen Probleme und verweist auf Timing-Effekte sowie hohe Vergleichswerte aus dem Vorjahr. Er erwartet eine Gegenbewegung im zweiten Quartal.
Auch David Perry von JPMorgan bleibt konstruktiv. Nach einem starken Jahresauftakt 2025 und einem schwachen zweiten Quartal könnte sich das Muster in diesem Jahr umkehren. Trotz gestiegener Skepsis der Anleger hält er die Erklärungen für den schwachen Start für nachvollziehbar und sieht Rücksetzer als Einstiegschancen.
Bernstein-Experte Adrien Rabier bleibt ebenfalls optimistisch. Zwar werde der Weg zum angestrebten Umsatzwachstum von 40 bis 45 Prozent im Rüstungsgeschäft holprig bleiben, dennoch sieht er Rheinmetall als bevorzugten europäischen Branchentitel und als dominierenden Anbieter im deutschen Markt.
Ausblick und Bewertung: Chancen trotz Risiken
Etwas vorsichtiger äußert sich Yan Derocles von Oddo BHF. Zwar sei das erste Quartal saisonal typischerweise schwach, dennoch erhöhe der verhaltene Start die Risiken für die Jahresziele. Sollte die erwartete Beschleunigung im zweiten Quartal eintreten, könne die Aktie jedoch wieder zulegen. Bewertungsseitig bevorzugt er allerdings Renk und Thales .
Jefferies bleibt dagegen klar positiv und bestätigt die Einstufung "Buy" mit einem Kursziel von 2220 Euro. Analystin Chloe Lemarie bezeichnete die Umsatzentwicklung im ersten Quartal als schwach, wertet die Aussagen zum ersten Halbjahr jedoch als beruhigend.
Große Auftragseingänge für Kampffahrzeuge erwartet der breit aufgestellte Konzern etwa aus Italien und Rumänien. Beobachter erwarten auch weitere Wachstumsimpulse aus der Distanzierung der US-Regierung unter Präsident Donald Trump von der NATO und dem geplantem Abzug von US-Truppen aus Deutschland. Diese dürften die Nachfrage aus Europa nach Waffen und Munition weiter ankurbeln.
Die Aktie hatte vor rund anderthalb Wochen mit knapp 1.310 Euro den tiefsten Stand seit etwa einem Jahr markiert. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 7,8 Prozent zu Buche. Zwischen 2022 und 2025 hatte Rheinmetall stark von geopolitischen Spannungen profitiert, bevor die Erwartungen zuletzt höher wurden und die Volatilität zunahm.

