Politik

Entlastungsprämie: Bundesrat stoppt 1000-Euro-Prämie - Dämpfer für Millionen Beschäftigte

Der Bundesrat hat die geplante Entlastungsprämie gestoppt. Trotz der Belastungen durch hohe Energiekosten und den Iran-Krieg scheiterte der Gesetzentwurf zur 1000-Euro-Prämie in der Länderkammer. Jetzt folgt der unumgängliche Weg in den Vermittlungsausschuss - was das für die Entlastungsprämie und für alle Beschäftigten konkret bedeutet.
08.05.2026 11:14
Aktualisiert: 08.05.2026 11:14
Lesezeit: 1 min
Entlastungsprämie: Bundesrat stoppt 1000-Euro-Prämie - Dämpfer für Millionen Beschäftigte
Der Bundesrat blockiert die steuerfreie 1000-Euro-Prämie für Arbeitnehmer. Warum die Länder nein zur Entlastungsprämie sagen und was jetzt im Vermittlungsausschuss droht (Foto: dpa). Foto: Britta Pedersen

Entlastungsprämie: Bundesrat und die politische Hängepartie um den Inflationsausgleich

Die Hoffnung vieler Arbeitnehmer auf eine schnelle finanzielle Entlastungsprämie in Höhe von 1000 Euro hat einen herben Rückschlag erlitten. Überraschend versagte der Bundesrat dem bereits im Bundestag verabschiedeten Entwurf zur steuerfreien Entlastungsprämie die Zustimmung. Die Regelung sollte es Unternehmen ermöglichen, ihren Mitarbeitern bis Mitte 2027 eine 1000-Euro-Prämie abgabenfrei auszuzahlen, um die massiven wirtschaftlichen Verwerfungen infolge des Iran-Krieges abzufedern.

Während die Bundesregierung die Entlastungsprämie als notwendiges Instrument gegen die galoppierenden Energiepreise sieht, führten Differenzen in der Länderkammer nun zum vorläufigen Aus. Um das Prestigeprojekt noch zu retten, muss die Koalition nun den Vermittlungsausschuss anrufen, um in zähen Verhandlungen einen tragfähigen Kompromiss zwischen Bund und Ländern zu finden.

Länder kritisieren bei der Entlastungsprämie die einseitige Verteilung der Kosten

Die Kritik der Länder entzündet sich vor allem an den Kosten der Prämie und deren Verteilung. Die von ihr verursachten Steuerausfälle müssten zu fast zwei Dritteln von Ländern und Kommunen getragen werden. Die zur Gegenfinanzierung vorgesehene Erhöhung der Tabaksteuer komme aber allein dem Bund zu, es gebe für Länder und Kommunen also keine Kompensation.

Aus Sicht der Länder ist dies ein weiteres Beispiel dafür, dass der Bund immer wieder Maßnahmen beschließt, die finanziell zulasten von Ländern und Kommunen gehen. Dies belastet deren ohnehin schon schwierige Haushaltslage weiter. Die Länder fordern, dass der Bund grundsätzlich die Kosten übernimmt, die er mit seinen Beschlüssen ihnen und den Kommunen aufbürdet. Um eine solche Regelung ringen beide Seiten seit langem.

Der aus dem Amt scheidende baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) warf dem Bund vor, er plane regelmäßig nur eine Anschubfinanzierung. "Die Kosten bleiben dann am Ende bei den Ländern und Kommunen hängen." Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) kritisierte: "Der Bund hat für eine Gegenfinanzierung gesorgt, aber nur bei sich." Er müsse zumindest die Kosten von 700 Millionen Euro für die Kommunen tragen.

Steuerfreie Entlastungsprämien gab es schon in anderen Krisen

Den Staat kostet die Steuerfreiheit laut Gesetzentwurf bis zu rund 2,8 Milliarden Euro, weil die Prämie beim Arbeitgeber als Betriebsausgabe abzugsfähig ist und der Arbeitnehmer sie nicht versteuern muss. Vorbild der Prämie sind Regelungen während der Corona-Pandemie sowie in der Energiepreiskrise infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik US-Atomdeal mit Saudi-Arabien entfacht Streit
23.07.2026

Die USA helfen Saudi-Arabien beim Aufbau eines zivilen Atomprogramms – und könnten damit einen neuen Wettlauf um Nukleartechnik im Nahen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hohe Abgaben, wenig Aufstieg: Warum sich Leistung in Deutschland immer weniger lohnt
23.07.2026

Arbeiten, gründen, Kinder großziehen – und am Ende kaum vorankommen: Für viele Familien und Unternehmer ist die aktuelle Situation in...

DWN
Politik
Politik Wirtschaftsverbände sprechen AfD Lösungskompetenz ab
23.07.2026

In weniger als zwei Monaten stehen wichtige Landtagswahlen im Osten an. Die AfD führt laut Umfragen. Wie blickt die Wirtschaft auf die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Varta droht die Zerschlagung
23.07.2026

Varta steht vor einer möglichen Zerschlagung: Wichtige Geldgeber wollen das Geschäft mit Haushaltsbatterien aus dem Konzern lösen. Trotz...

DWN
Finanzen
Finanzen Nestle-Aktie enttäuscht Anleger
23.07.2026

Der Teilverkauf des Wasser-Geschäfts bringt Nestle 2,8 Milliarden Franken. Trotzdem fällt die Aktie nach den Zahlen deutlich.

DWN
Technologie
Technologie Deutschland erlaubt Atom-Deal mit Russland
23.07.2026

Trotz scharfer Kritik genehmigt: In Niedersachsen sollen künftig Brennelemente für Atomkraftwerke russischer Bauart gefertigt werden....

DWN
Finanzen
Finanzen EZB: Zinserhöhung erst im September erwartet
23.07.2026

Die Inflation hat sich zuletzt abgeschwächt. Das ermöglicht der Europäischen Zentralbank (EZB) voraussichtlich eine Zinspause. Doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU verhängt neue Russland-Sanktionen
23.07.2026

Ein Einreiseverbot für russische Ukraine-Kämpfer und vieles mehr: Ein neues EU-Sanktionspaket soll den Druck auf Moskau erhöhen. Ein...